Internet-Betrug – ein Kinderspiel
08.04.2009 | 21:08 Uhr 2009-04-08T21:08:00+0200Siegen. Knapp 80 Mal bestellten zwei Siegener Jugendliche Elektronik-Artikel im Internet. So weit, so unspektakulär. Wären da nicht geklaute Kreditkarten-Daten, per Computer generierte Personalausweise und eine sogenannte „Packstation” der Post im Spiel.
Ein Jahr liegt der Fall zurück. Erst jetzt machte die Polizei ihn öffentlich – um keine Trittbrettfahrer auf den Plan zu rufen. Aber der Reihe nach: Im Februar 2008 beobachteten Polizeibeamte die Jugendlichen nahe der Packstation an der Hindenburgstraße. An diesem Automaten können Postkunden Pakete abholen, ohne Rücksicht auf die Öffnungszeiten der Filiale zu nehmen. Stutzig wurden die Beamten, als die mutmaßlichen Täter die Verpackung wegwarfen und den Inhalt einsteckten.
Die Polizei behielt die Packstation im Auge. Wenige Wochen später tauchten die Jugendlichen erneut auf, wiederholten das Vorgehen. Als die Beamten sie ansprachen, verwickelten sich die 16-Jährigen in Widersprüche. Die Namen auf den Paketen waren andere als auf ihren Ausweisen.
Was die Polizeirecherchen ergaben, lässt alle Vorstellungen von Sicherheit im Internet wie eine Seifenblase platzen.
Schutz von Kreditkarten-Daten? Offenbar ein frommer Wunsch. Diese Informationen hatten sich die Tatverdächtigen auf einer Hacker-Seite im Internet schlicht erkauft. Auf Kosten der ahnungslosen Inhaber gaben sie Bestellungen auf, ließen sich die Sachen an die Packstation schicken.
Überprüfung der Identität anhand einer Ausweiskopie? Im „digitalen Zeitalter” keine Herausforderung. Computerprogramme erstellen täuschend echte Fälschungen. Ein Passbild lässt sich problemlos aus virtuellen sozialen Netzwerken beschaffen.
Rückverfolgung der Internet-Nutzer über die sogenannte IP-Adresse, eine Art elektronischer Fingerabdruck des angeschlossenen Computers? Wirkungslos, wenn Programme diese Adressen zwischen den Nutzern austauschen.
Indem die Polizei sämtliche Daten zusammentrug, konnte sie die meisten Fälle dennoch aufklären. „Die Jugendlichen haben Geständnisse abgelegt”, sagt Hauptkommissar Martin Schrage. Der Schaden liege im hohen fünfstelligen Bereich. Die Post hat die Sicherung der Packstationen verschärft. Internet-Betrug wird es weiter geben. Da ist die Polizei sicher.

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