In eigener Sache - Brief an die Schalke-Fans

Schalker Fans mit Pro-Magath-Plakaten. (Foto: dapd)
Schalker Fans mit Pro-Magath-Plakaten. (Foto: dapd)
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz zur Nachricht über die Entlassung von Schalke-Trainer Felix Magath und den teilweise harschen Reaktionen der Fans: Unsere Sportredaktion konnte gar nicht anders, als diese Nachricht zu veröffentlichen.

Essen.. Wie könnt Ihr nur: Als Ruhrgebietszeitung Felix Magaths Trainer-Ende am Tag eines so wichtigen Champions-League-Spiels verkünden? Ihr, ausgerechnet als Klammer des Reviers, gefährdet den Erfolg dieser Elf, die wie keine andere das Ruhrgebiet repräsentiert, für das auch die WAZ-Gruppe und ihr Online-Portal DerWesten steht.

So, kurz und ein wenig grob, schreiben uns viele Fans. Wir nehmen die Schalke-Anhänger ernst, wir verdanken Ihnen deswegen etliche Geschichten, die in unserer Zeitung erschienen sind. Aber wir sind zweierlei nicht: Verlautbarungsorgan des FC Schalke 04 und Fan-Postille. Dass viele Redakteure privat mit Schalke sympathisieren, hindert sie nicht daran, professionell ihre Arbeit zu machen. Was heißt das?

Eine Nachricht ist eine Nachricht ist eine Nachricht

Für uns Medienleute gibt es einen Paragrafen eins, der lautet: Eine Nachricht ist eine Nachricht ist eine Nachricht. Paragraf zwei heißt: Du darfst die Veröffentlichung einer Nachricht nie abhängig machen von den Folgen dieser Veröffentlichung, zumal du die ja auch gar nicht kennst. Schalke hat in einem sehr schönen Spiel einen wunderbaren Erfolg gegen Valencia herausgekämpft und steht deshalb im Champions-League-Viertelfinale: Trotz oder wegen Magath, trotz oder wegen unserer Berichterstattung.

Was für Nachrichten gilt, zählt erst recht für exklusive Nachrichten. Magaths Trainer-Ende war eine exklusive Nachricht. Zeitungen von Rang und so gut wie alle Nachrichtenportale im Internet haben sie nachgedruckt, die meisten, wie es sich unter Kollegen gehört, unter Nennung der Quelle WAZ. Am Donnerstag waren auch andere Zeitungen voll damit, die in Monaten gewachsene Entfremdung zwischen Magath und Schalke, dem Verein wie Teilen der Mannschaft, zu erklären. Gerade weil wir das Revierblatt sind, ist uns dieses Thema mehr als eine ganze Seite wert.

Wir sind ein Nachrichtenorgan, kein Wohlfühl-Blatt

Unsere Sportredaktion, die an diesem Komplex seit Monaten recherchiert (der erste Kommentar, dass es zwischen Schalke und Magath zu Ende geht, erschien im vergangenen November!), konnte gar nicht anders, als diese Nachricht zu veröffentlichen. Die Alternative wäre gewesen, sie zu unterdrücken. Das jedoch, eine Nachricht bewusst zurück zu halten, ist für eine Zeitung, die sich allen ihren Lesern verpflichtet fühlt, geradezu eine Todsünde. Redakteure, die so handeln würden, könnten, dürften in diesem Job nicht mehr arbeiten.

Fans sind Leser. Sie müssen sich auf ihre Zeitung verlassen können. Und wenn die Vereinsführung oder ihr wesentlicher Teil plant, sich vom Trainer zu trennen, und wir davon erfahren, dann haben die Fans das Recht, umgehend davon zu erfahren. Eine Zeitung ist ihren Lesern stets zu Diensten, ein Online-Portal seinen Usern, zur Not auch mit unbequemen Nachrichten oder gar solchen, die sie wütend machen. Wir sind ein Nachrichtenorgan, kein Wohlfühl-Blatt.

Wenn ein Teil der Schalke-Anhänger diese Vereins-Entscheidung nicht versteht, etwa, weil doch die Erfolge Schalkes international wie im Pokalwettbewerb unbestreitbar sind, dann sollten sie bitte nicht den sehr, sehr alten, antiken Fehler wütender Herrscher wiederholen, den Überbringer der Nachricht zu verprügeln. Sie sollten sich an den Verursacher halten.