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Immer mehr Patienten wegen Depression im Krankenhaus

26.07.2011 | 14:47 Uhr

Berlin.  Immer häufiger sind psychische Störungen Anlass für Krankenhaus-Aufenthalte. In zehn Jahren hat sich die Anzahl der Menschen verdoppelt, die wegen einer Depression eingeliefert wurden. Zwei Drittel kommen vor Ablauf von zwei Jahren wieder.

Psychische Störungen sind immer häufiger Anlass für Einweisungen ins Krankenhaus und entwickeln sich offenbar zur neuen Volkskrankheit. So verdoppelte sich beispielsweise in den letzten zehn Jahren die Zahl der Menschen, die mit einer Depression ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wie die Krankenkasse Barmer GEK am Dienstag in Berlin mitteilte. Der Anstieg war demnach auch dafür mitverantwortlich, dass die Verweildauer in den Kliniken zwar weiterhin abnimmt, die Zahl der Fälle jedoch stetig steigt. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kasse, Rolf-Ulrich Schlenker, mahnte, psychische Krankheiten müssten angesichts dieser Zunahme unter den Sammelbegriff Volkskrankheiten fallen.

Darunter werden gemeinhin Krankheiten gefasst, die große Teile der Bevölkerung betreffen, unter anderem Diabetes, Bluthochdruck und Rheuma. Auch die Depression als Form der psychischen Krankheit wurde schon dieser Kategorie zugeordnet, nicht jedoch die psychischen Störungen allgemein. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass der wissenschaftlich kaum definierte Begriff Volkskrankheiten gerne zu Marketingzwecken missbraucht wird.

Weniger Herz-Kreislauferkrankungen

Laut Barmer GEK wurden wegen Depressionen vor zehn Jahren statistisch gesehen noch 1,1 Fälle auf tausend Versicherte ins Krankenhaus aufgenommen. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 2,3 Fällen. Insgesamt kommen demnach immer mehr Menschen wegen psychischer Störungen allgemein ins Krankenhaus. Ihre Zahl nahm in den letzten 20 Jahren um 129 Prozent zu. Waren 1990 noch rund 3,7 von tausend Versicherten betroffen, so wurden 2010 bereits 8,5 Patienten statistisch erfasst. Zu den häufigsten Ursachen gehörte der Kasse zufolge auch psychische Störungen nach Alkoholmissbrauch. Zum Vergleich: Die Zahl der diagnostizierten Herz-Kreislauferkrankungen reduzierte sich um 43 Prozent. Die einzelnen Ursachen für den Anstieg wurden im "Krankenhausreport 2011" der Kasse nicht ermittelt, wie es hieß. Viele seelische Krankheiten wie Depressionen oder das Burn-out-Syndrom haben nach Experteneinschätzung aber ihre Ursache am Arbeitsplatz . Außerdem wird das Krankheitsbild immer mehr erforscht und dadurch häufiger diagnostiziert.

Zusammenhang zwischen Genvariante und Depression entdeckt

So entdeckten Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München unlängst den Zusammenhang zwischen einer bestimmten Genvariante und dem Auftreten einer schweren Depression. Dem "Krankenhausreport" zufolge reduzierte sich die durchschnittliche Verweildauer in den letzten 20 Jahren erheblich. Ein Krankenhausaufenthalt war 2010 um gut ein Drittel kürzer als noch 1990: Die Dauer sank von 13,4 auf 8,3 Tage. Mit 276 Behandlungstagen pro 1000 Versicherten liegt die Diagnose "Psyche" weit vor den Kreislauferkrankungen mit 216 Behandlungstagen. Rund 17 Prozent aller Behandlungstage entfallen mittlerweile auf psychische Störungen. Hingegen stieg die Einweisungshäufigkeit. Hier nähert sich der Wert den Angaben zufolge wieder dem Höchststand der letzten 20 Jahre an: Den gab es 2002 mit 189 Behandlungsfällen auf 1.000 Versicherungsjahre. Aktuell liegt er bei 187 Fällen. Im Jahr 1990 wurden 160 Fälle verzeichnet. Schlenker beklagte die kontinuierlich steigenden Zahlen, die steigende Kosten bedeuteten.

Depression und Schizophrenie führen Aufenthaltsdauer-Liste an

Die Top Ten des Krankenhausreports nach der Dauer des Krankenhausaufenthalts führen Depression und Schizophrenie an. Allein auf sie entfielen nach den Angaben der Barmer GEK 5,7 Prozent aller Krankenhausbehandlungstage. Der Vize-Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, äußerte Zweifel, dass die Einweisung von psychisch Erkrankten ins Krankenhaus in jedem Fall berechtigt sei. "Es ist beachtlich, in welchem Umfang sich deutsche Krankenhäuser mittlerweile um die Versorgung psychisch kranker Menschen kümmern", erklärte Schlenker. "Dennoch muss man fragen, ob jeder Fall ins Krankenhaus gehört." Nicht immer sei die vollstationäre Versorgung die beste Lösung. Vieles spreche für eine stärkere wohnortnahe Versorgung im ambulanten oder teilstationären Bereich. 

Zwei Drittel der Patienten werden eingewiesen

Stressfrei leben

Die Studie verweist zudem auf die hohe Rückfallquote unter den Patienten mit psychischen Erkrankungen. Den Angaben zufolge wird ein Drittel innerhalb der ersten zwei Jahre nach Entlassung unter der gleichen Diagnose wieder eingewiesen. Eine Umfrage unter mehr als 1700 Patienten im Rahmen der Studie ergab, dass etwa zwei Drittel ungefähr ein Jahr nach ihrer Entlassung weiter Anzeichen einer mittleren bis schweren Depression aufwiesen. Der Verdacht, dass für die hohe Wiedereinweisungsrate die kürzeren Verweilzeiten verantwortlich sein könnten, bestätigte sich der Studie zufolge aber nicht. Die hohe Wiederaufnahmequote zeige, dass bei Depressionen zentrale Behandlungsziele wie das Nachlassen der Symptome und die Vorbeugung von Rückfällen vielfach nicht erreicht würden, erklärte die Autorin der Studie, Eva-Maria Bitzer vom Institut für Sozialmedizin in Hannover. (dapd/rtr/afp)

Kommentare
27.07.2011
14:20
Immer mehr Patienten wegen Depression im Krankenhaus
von street66 | #3

Muss es erst so weit kommen, dass die Menschen krank werden? Es fängt schon mit dem Grüßen auf der Strasse an, weiter über nachbarschaftliche...
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