Idee für den Schrottplatz
17.06.2012 | 23:17 Uhr 2012-06-17T23:17:00+0200
Nehmen wir einfach mal mein Auto. Das hat zwar 311 000 Kilometer auf dem Tacho und ist fast 20 Jahre alt. Aber es ist technisch top in Schuss, weil ich regelmäßig alle wichtigen Inspektionen machen lasse. Wenn sich die EU-Kommission mit ihren Plänen durchsetzt, ältere Fahrzeuge jedes Jahr zum TÜV zu schicken, kommen auf mich wie auf geschätzte 25 Millionen andere Fahrzeughalter in Deutschland jährlich zusätzliche Kosten von um die 70 Euro zu, denn sonst muss der Wagen ja nur alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. Der Aufstand ist programmiert – und nachvollziehbar. Autofahrer müssen sich dieser Tage angesichts ohnehin gestiegener Spritpreise vorkommen wie Melkkühe. Nun also auch noch eine Verdopplung der Kostenstelle TÜV? Vom ärgerlichen Zeitaufwand ganz zu schweigen.
Es befällt einen der leise Verdacht, dass diese Idee zuvorderst ein verdecktes Anschubprogramm für Prüfer, Werkstätten und die Autoindustrie ist. Glaubt man dem ADAC, lässt sich zumindest die Sicherheit auf den Straßen durch verkürzte Prüfintervalle nicht verbessern. Die meisten schweren Unfälle passieren, weil Menschen zu schnell oder betrunken durch die Gegend rasen. Zudem straft die EU-Initiative vielfach die, die sich kein neues Auto leisten können.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Brüsseler Pläne dort landen, wo sie hingehören: auf dem Schrottplatz der bürokratischen Ideen.

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