Interview
Horst Lichter: Der Herr der Pointen und Pötte
03.02.2010 | 17:15 Uhr 2010-02-03T17:15:00+0100
Horst Lichter gilt nicht nur als der bodenständigste unter Deutschlands Fernsehköchen, er ist auch der redseligste seiner Zunft. Wir sprachen mit dem schnauzbärtigen Rheinländer, der derzeit wieder mit seinem Live-Programm "Sushi ist auch keine Lösung!" auf Tournee ist.
Hallo Herr Lichter...
Lichter: Ich würde vorschlagen, wir bleiben gleich beim „Du”. Sie dürfen Horst zu mir sagen – ist das in Ordnung, Stefan?
Auf jeden Fall. Horst, hast du heute schon was richtig Leckeres gegessen?
Lichter: Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich bis jetzt nur ziemlich ungesund gefrühstückt – ich hab heute morgen noch Lebkuchen gegessen. Kein vernünftiges Brötchen, nix Deftiges – aber danach noch ein Äpfelchen, das ging dann.
Wirst du dich denn heute noch an den Herd stellen und etwas kochen?
Lichter: Nein. Ich bin ein ehrlicher Mensch: Ich koche eigentlich nie für mich privat, ganz selten. Da muss ich schon unglaublich Bock drauf haben oder kurz vorm Verhungern sein. Das ist ja mein Beruf und nicht unbedingt meine Berufung – wie bei meinem Johann (Lafer, Anm. d. Red.), der in jeder freien Minute hinterm Herd steht und was Schönes zaubert.
Wer kocht denn dann bei euch zuhause – deine Frau?
Lichter: Ja, mein Schatz, die Nada. In den Jahren, die sie mit mir zusammen ist, hat sie den Spaß am Kochen bekommen, den sie vorher nie hatte.
Wird das Abendessen im Hause Lichter denn auch schon mal vom Pizza-Taxi gebracht?
Lichter: Ich wäre ein großer Lügner, wenn ich sagen würde, dass Horst Lichter nicht auch schon mal Fastfood isst. Und eine leckere Pizza, gut gemacht, kann ein Hochgenuss sein...
Wie sieht's sonst mit deinen Fastfood-Vorlieben aus? Lieber Currywurst oder lieber Döner? Oder gehst du womöglich auch schon mal nach McDonalds?
Lichter: Ich liebe eine geile Currywurst. Wenn das einer richtig kann, ist das eine ganz feine Geschichte – die kannst du nicht mal eben so basteln. Auch ein leckerer Döner ist ganz was Feines. Und so quartalsmäßig krieg ich auch mal Heißhunger auf einen Cheeseburger und schieb' mir den rein. Beim ersten ist es dann meistens so, dass ich sage: Man, das tut gut! Beim zweiten weiß ich dann wieder, warum ich drei Monate nicht da war...
Wir stellen fest: Du bist sehr undogmatisch in punkto Essen. Was geht denn bei dir gar nicht?
5.2. Duisburg (Theater am Marientor, wenige Restkarten),
25.3. Dortmund (Westfalenhalle),
23.4. Gelsenkirchen (Emscher-Lippe-Halle);
Karten (ca. 29-37 €) gibt's unter Tel. 01805/280123.
Lichter: Bei mir gehen z.B. die Dinge nicht, die wir in unserem Kulturkreis nicht gewohnt sind. Dinge vor denen ich mich ekle. Ich mag dieses ganze Würmer- und Madenzeug nicht, das man auf anderen Kontinenten vielleicht gerne isst. Ich mag auch keine Austern, das ist für mich eine Dschungelprüfung. Die Viecher leben noch, wenn ich sie aufmache, und ich muss sie lebend runterschlucken. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was man daran lecker finden kann. Auch wenn ich toleriere, das Menschen das mögen – die haben einfach andere Geschmacksnerven als ich.
Da sind wir auch schon beim Titel deines Bühnenprogramms angekommen: „Sushi ist auch keine Lösung”. Die Frage drängt sich auf: Was dann?
Lichter: Wichtig ist mir, dass die Leute lachen und Spaß haben – das Essen ist immer nur Mittel zum Zweck. Bei mir muss keiner vorm Tisch niederknien und sagen, mein Gott, was hat er da wieder gezaubert. Bei mir geht's um die Menschen. Wenn sie sich amüsieren und sagen, „Das war lecker!”, das reicht. Den Programmtitel darf man natürlich nicht so ernst nehmen. Ich mache mich hauptsächlich über meine Person lustig – indem ich sage: Wieso kaufe ich mir eine teure Einbauküche, wenn ich den Fisch roh esse? Haben wir uns an die Spitze der Nahrungskette gearbeitet, um jetzt Free Willy das Essen wegzufuttern?
Wie habe ich mir ihr Programm denn vorzustellen – da wird doch auch gekocht, oder?
Lichter: Ich hab einen Küchenherd auf der Bühne stehen, und natürlich gehe ich da auch ein paar Mal dran. Aber eigentlich wird von zwei Stunden keine zehn Minuten gekocht. Denn im Grunde geht es nur darum, einfach zwei Stunden Spaß zu haben. Es ist ein Comedyprogramm in dem ich mich hauptsächlich selbst auf die Schippe nehme. Es geht um diesen Kochwahnsinn, um Kollegen, Restaurants und Kochtrends.
Hast du denn immer schon so viel geredet beim Kochen?
Lichter: Ich hatte das Glück mit 14 Jahren meine Lehre bei einem fantastischen Koch zu machen, der ein auch großer Unterhalter war. Er war genau das, was ich mir als Kind unter einem Gastronomen vorgestellt habe: Da geht man hin weil es sehr lecker ist, weil es gemütlich und kurzweilig ist und dort eine schöne Stimmung herrscht – das ist für mich die perfekte Symbiose. Und nichts anderes wollte ich auch, denn ich kannte als Kind weder Sterneköche, noch Spitzengastronomie.
Im Zusammenhang mit deinem Namen fallen immer wieder die Begriffe Butter und Sahne – nervt dich das mittlerweile nicht schon?
Lichter: Nein, das sind ja beides gute Produkte. Mich verwundert nur, dass sich gerade die ganz großen Spitzenköche darüber schon mal ereifern und sagen: Der macht ja nur Butter und Sahne. Nirgendwo wird mehr Butter und Sahne verwendet als in der Sterneküche. Kein Wunder: Denn nur mit Fett kann man Geschmack transportieren, und zwar perfekt. Wenn ich einen Bratensud mit eiskalten Butterstückchen verrühre, habe ich eine wunderbare cremige stehende Soße, die schmeckt sensationell und viel besser als mit Mehl angedickt.
Ein anderes Markenzeichen von dir ist dein Schnurrbart. Stört der eigentlich nicht beim abschmecken?
Lichter: Nee, der stört nur dann, wenn ich ihn nicht nach oben zwirble. Jetzt hab ich z.B. mal drei Tage frei – in den drei Tagen rasiere ich mich nicht und mach mir auch nicht den Schnäuzer hoch. Da lauf ich einfach mal als Horst rum, ganz privat.
Ach so, der Zwirbelschnurrbart ist also nur dem Kochen geschuldet...
Lichter: Nein, den hab ich schon seit 28 Jahren. Damals war ich versessen auf Bodybuilding. Dabei hatte ich immer ein Bild im Kopf, das mir sehr gut gefiel: Jahrmarktgewichtheber aus dem vergangenen Jahrhundert. Die standen auf dem Jahrmarkt, mit ihrem Ringelanzug, ihren Eisenkugeln, und die hatten alle so einen hochgezwirbelten Schnurrbart. Die Muskeln sind inzwischen wieder weg, aber der Schnurrbart ist immer geblieben.
Clemens Wilmenrod, Deutschlands erster Fernsehkoch, hat sich als Erfinder des Toast Hawaii gewissermaßen unsterblich gemacht. Gibt's von dir auch so eine innovative Kreation?
Lichter: Die Gäste meines Lokals werden sagen: Die Tomatensuppe vom Horst, das ist eine Legende. Oder sie werden vielleicht auch sagen: Das Bananentörtchen zum Dessert ist eine Legende. Aber ich möchte mir viel lieber einen Namen damit machen, dass die Menschen bei mir Spaß haben – das reicht mir.
Letzte Frage – nicht sehr originell, aber sie muss natürlich gestellt werden: Was ist dein absolutes Lieblingsgericht?
Lichter: Ein Lieblingsgericht hab ich gar nicht. Aber man kann mich mitten in der Nacht für ein leckeres Kartoffelpüree wecken – ich werd's essen und weiterschlafen.

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