Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Ohrloch-Streit

Heftige Debatte nach Urteil zu Schmerzensgeld fürs Ohrloch-Stechen

31.08.2012 | 17:27 Uhr
Heftige Debatte nach Urteil zu Schmerzensgeld fürs Ohrloch-Stechen
Nachdem eine Dreijährige beim Stechen von Ohrlöchern Schmerzen verspürte, zogen ihre Eltern vor Gericht und forderten eine Entschädigung.

Berlin/Essen/Vest.  70 Euro für das Sparschwein einer Dreijährigen - das ist das Ergebnis im Berliner Ohrloch-Prozess. Die Eltern hatten Schmerzensgeld verlangt, nachdem sie dem Stechen zunächst zugestimmt hatten. Das Urteil sorgt für heftige Debatten - auch mit Blick auf das jünste Beschneidungsurteil.

Der juristische Streit um Schmerzensgeld für eine Dreijährige wegen gesundheitlicher Beschwerden nach dem Stechen von Ohrlöchern ist mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Vor dem Amtsgericht Berlin-Lichtenberg einigten sich die streitenden Parteien am Freitag darauf, dass die Inhaberin des Piercing- und Tattoo-Studios an das Mädchen 70 Euro für dessen "Sparschwein" zahlt .

Ob der Fall strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht, blieb noch offen. Das Mädchen hatte sich nach Angaben der Eltern zum Geburtstag die Ohrlöcher gewünscht. Die Eltern stimmten zu. Später verklagten Mutter und Vater stellvertretend für die Minderjährige die Inhaberin des Tattoo-Studios, weil die Tochter bei der Prozedur Schmerzen erlitten und noch Tage später traumatische Reaktionen gezeigt hätte.

Piercer sehen Eltern in der Pflicht

Unter Ärzten und Piercern sorgt der Fall für heftige Diskussionen. Martina Lehnhoff sieht grundsätzlich in erster Linie die Eltern in der Pflicht, ihre Kinder über mögliche Folgen von Körperschmuck aufzuklären. Sie ist Vorsitzende des Europäischen Berufsverbands Professionelles Piercing e.V. (EAPP). "Ein dreijähriges Kind ist nicht in der Lage, sich wirklich vorzustellen, was dieser Eingriff bedeutet", sagt sie weiter.

Ohrloch-Streit
Kind bekommt 70 Euro Schmerzensgeld für Ohrloch

Der Gerichtsstreit endete mit einem Vergleich: Die Chefin eines Piercing-Studios muss einer Dreijährigen 70 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das Mädchen...

Auch Studios und Juweliere müssten Sensibilität beweisen. Seriöse Piercer ihres Verbandes würden niemandem unter 14 Jahren Ohrlöcher schießen, betont Lehnhoff. "Natürlich finden kleine Mädchen Ohrringe schön, aber sie begreifen den Weg dahin noch nicht", stellt sie klar.

Professor Michael Paulussen, Leiter der Vestischen Kinder- und Jugendklinik, kann das Berliner Tattoo-Studio hingegen verstehen. "Die Eltern wären sonst vielleicht einfach in ein anderes Studio gegangen", sagt er. "Dabei sollte jedem mit gesundem Menschenverstand klar sein, dass niemand ein Ohrloch stechen kann, ohne eine minimale Verletzung zuzufügen."

Artikel auf einer Seite lesen
  1. Seite 1: Heftige Debatte nach Urteil zu Schmerzensgeld fürs Ohrloch-Stechen
    Seite 2: Ärzte diskutieren über Ohrloch-Verbot für Kinder

1 | 2

Kommentare
03.09.2012
08:22
Heftige Debatte nach Urteil zu Schmerzensgeld fürs Ohrloch-Stechen
von The_Rebel | #23

Das sind ja schon amerikanische Verhältnisse, Erwachsene (die wissen, das so etwas weh tut) erlauben es und verklage anschliessend denjenigen, der...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Die Karriere des Dolph Lundgren
Bildgalerie
Action-Star
Berliner Höhenweg
Bildgalerie
Zillertaler Alpen
Duisburger Tierkinder
Bildgalerie
Zoo
article
7043590
Heftige Debatte nach Urteil zu Schmerzensgeld fürs Ohrloch-Stechen
Heftige Debatte nach Urteil zu Schmerzensgeld fürs Ohrloch-Stechen
$description$
http://www.derwesten.de/incoming/heftige-debatte-nach-urteil-zu-schmerzensgeld-fuers-ohrloch-stechen-id7043590.html
2012-08-31 17:27
Berlin,Ohrlochstechen,Ohrlöcher,Ohrringe,Schmerzensgeld,Klage,Trauma,Schadenersatz,Beschneidungsurteil,Köln,Ärze,Piercer,Piercing,Tattoos
Meldungen