Projekt
Hauptschüler büffeln mit Erfolg für den Job
15.03.2010 | 17:51 Uhr 2010-03-15T17:51:00+0100
Siegen. Büffeln für die Traum-Lehrstelle:
Etwa 300 Hauptschüler sollen im Kreis auch in den nächsten drei Schuljahren fit für den Lehrstellenmarkt gemacht werden – im „Haus der Berufsvorbereitung“. Das sagte der Siegener IHK-Geschäftsführer Klaus Gräbener im Gespräch mit unserer Redakteurin Sabine Brendel.
Gräbener ist auch Geschäftsführer des IHK-Berufsbildungszentrums, an dem die Schüler zusätzlich zum normalen Unterricht in ihrer Freizeit Kurse belegen. Auf dem Extra-Unterrichtsplan stehen neben Mathe und Englisch auch Benimmkurse sowie das Arbeiten in der Werkstatt.
Sekundärtugenden sind sehr gefragt
Das Projekt läuft seit dem Sommer 2005. Warum braucht die Region so ein Programm?
Gräbener: Die Menschen bekommen immer weniger Kinder, also wird auch die Zahl der Bewerber zurückgehen. Zugleich nimmt die soziale Entwurzelung in der Gesellschaft zu – und damit die Kinder, die Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit und Höflichkeit nicht ausreichend kennengelernt haben. In der Folge sinkt die Zahl der Schüler, die nach der Schule sofort „lehrstellentauglich“ sind. Die Firmen werden also Probleme bei der Nachwuchsgewinnung bekommen. Also freuen sie sich, wenn sie dank des Hauptschulprojekts relativ einfach künftige Fachkräfte unter den Teilnehmern finden. Wir haben es zu unserer Aufgabe gemacht, diese Kinder zu fordern und zu fördern.
Was geht das die Wirtschaft an?
Wer sich als Unternehmen auf den Standpunkt stellt „Das ist mir egal“, der wird sich ins Aus manövrieren. Denn Unternehmen benötigen langfristig die Innovationskraft, um sich im weltweiten Wettbewerb zu behaupten. Das geht nur über hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Wer heute Hauptschüler fördert, für den wird sich das auf mittlere Sicht auch betriebswirtschaftlich rechnen. Zudem sind die Unternehmen im Kreis Siegen-Wittgenstein und Olpe stark exportorientiert. 2009 machten die Firmen mit mindestens 50 Beschäftigten zusammen 11,7 Milliarden Euro Umsatz – davon erzielten sie mit 5,3 Milliarden Euro fast die Hälfte im Ausland. Wer weltweit erfolgreich sein will, muss vernünftig ausgebildete Leute haben. Dazu leisten wir einen, wenn auch bescheidenen, Beitrag.
Wie viele Firmen aus der Region unterstützen das „Haus der Berufsvorbereitung“ mit Geld? Und: Merken Sie die Folgen der Wirtschaftskrise?
Es sind überwiegend mittelständische Unternehmen, die unser Tun unterstützen – mit Beträgen zwischen 6000 bis 25 000 Euro. Zudem fördern auch überregional tätige Stiftungen den hier entwickelten und seit fünf Jahren erprobten Lösungsansatz. Die Unternehmen geben trotz der weltweiten Wirtschaftskrise reichlich – und das seit Jahren. Übrigens auch in Olpe, wo das Projekt ebenfalls läuft. Wir haben in Siegen-Wittgenstein und Olpe überwiegend noch den Typus Unternehmer, den man bei der Ehre packen kann – und nicht die verlängerten Werkbänke anonymer Aktiengesellschaften. Die Menschen, die in Südwestfalen tätig sind, machen eben den Unterschied aus! Diese Mittelständler, die mit ihrem Kapital für ihre Firma haften, wissen: Man kann nicht nur meckern, sondern man muss auch etwas tun.
1,4 Millionen Euro Finanzbedarf
Wie sieht dieses „Tun“ denn konkret aus?
Derzeit bereiten wir die Finanzierung des Projekts für die nächsten drei Jahre vor. Den Finanzbedarf haben wir mit rund 1,4 Millionen Euro kalkuliert – für insgesamt etwa 300 Projektteilnehmer. Hiervon werden Unternehmen, Stiftungen, Kammer, Verband und Gewerkschaften rund 350 000 Euro tragen. Diese Summe ist die Voraussetzung dafür, dass auch der Kreis Siegen-Wittgenstein sowie die Bundesagentur für Arbeit das Projekt weiterhin finanziell unterstützen. Wir werden das Geld zusammen bekommen. Da sehe ich keinerlei Probleme. Schließlich wird das Berufsbildungszentrum ja auch von Unternehmen getragen und akzeptiert – und es hat einen guten Ruf.

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