Handball liegt den Wulfestiegs im Blut
12.08.2008 | 21:15 Uhr 2008-08-12T21:15:02+0200Wilnsdorf-Niederdielfen. ...
... (miso) Wer einen Blick auf den Planer in der Küche der Dielfener Familie Wulfestieg wirft, der staunt nicht schlecht: 13 (!) Handball-Spielpläne sind dort inte-griert - für fünf Familienmitglieder eine doch sehr stolze Zahl. Aber wen wundert dies noch, wenn die einzelnen "Wulfe-stiegs" ihr Pensum herunterrattern?
Zunächst sind Anna (14) und Jos (15) zur Erklärung angetreten.
Beide sind Vereinshandballer: Jos, der seit der Grundschule den Handball für sich entdeckt hat, spielt in der B-Jugend beim TuS Ferndorf, Anna, die nach einigen Spielfest-Einsätzen ab der D-Jugend im Verein auflief, wird in der C- und B-Jugend der TSG Adler Dielfen eingesetzt.
Außerdem sind die beiden seit kurzem in die Westfalen-Auswahl einberufen, was regelmäßiges Stützpunkt-Training alle zwei Wochen in Drolshagen sowie weitere Lehrgänge und Turniere mit sich bringt - damit stellen sie alleine schon einmal sieben der 13 Pläne in der Küche.
"Kino fällt meistens flach", gibt Anna lächelnd auf die Frage, ob so viel Handball das "normale Leben" nicht doch etwas einschränkt, zu. "Allerdings sehen wir viele unserer Freunde ja auch im Handballverein."
Jos sieht das genauso. Er entschied sich im vergangenen Jahr endgültig für Handball, nachdem er mehrere Zeit lang zusätzlich noch Fußball beim TSV Weißtal gespielt hatte.
Diese Zeit war Stress pur, wie Mutter Martina bestätigt. "Es gab zum Beispiel einen Sonntag, da hatten wir erst ein Qualifikationsturnier für die neue Handball-Saison, anschließend ging es weiter zur zweiten Hälfte vom Fußball-Spiel um die Meisterschaft."
Manchmal würde sie sich schon mal etwas weniger Handball wünschen: "Die Spontaneität geht definitiv etwas flöten", so Martina Wulfestieg, "kurzfristige Sachen sind da schon eher schwierig." Umso wichtiger, dass sie "die Frau mit dem Überblick" in der Familie ist, die jeden Termin ihrer Handballer im Kopf hat.
"Die Spontaneität geht etwas flöten"
Bei der Frage nach der Wahl zwischen Familienurlaub und Dauerkarte bei einer Handball-WM steht sie zwar mit ihrer Urlaubswahl (zumindest an diesem Tag) alleine da, verstehen kann sie ihre Familie aber trotzdem: Martina Wulfestieg (geborene Schütz) hat selbst früher in Bad Marienberg Oberliga, kurz sogar Regionalliga gespielt - mit Ende 20 war nach zwei Kreuzbandrissen Schluss.
Bezeichnend für eine echte Handballerfamilie wohl auch, dass Martina und ihr Mann Frank sich in der Handballhalle kennen lernten: Der spielte nämlich auch beim TuS Bad Marienberg, damals unter anderem mit dem heutigen Ferndorfer TuS-Trainer Caslav Dincic zusammen.
Den Aufstieg in die zweite Bundesliga verpassten Spieler Wulfestieg und Spielertrainer Dincic in der Saison 1991/92 nur knapp. Später trafen die beiden sich in Ferndorf wieder: Dincic als Trainer, Wulfestieg als Spieler.
Inzwischen ist der Familienvater noch etwas zum Spaß in der Kreisliga B in Dielfen aktiv - und seit dieser Saison ist er Jugend-Koordinator des TuS Ferndorf (und unter anderem Trainer seines Sohnes Jos) - was für weitere vier Spielpläne in der Küche sorgt.
Die letzten drei stammen von Sohn Nils (17): Der spielt in der A-Jugend der JSG Eiser-feld/Dielfen als Kreisläufer und ist als Schiedsrichter schon bis zur Männer-Bezirksliga im Einsatz.
Und wenn an einem Tag einmal alle diese Spielpläne keinen Termin aufweisen?
Dann geht es eben als Zuschauer zum Handball - nach Ferndorf, oder in die Kölnarena zum VfL Gummersbach.

0mitdiskutieren