Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Katholische Kirche

Große Empörung über das Verhalten der Kölner Ärzte

18.01.2013 | 15:12 Uhr
Große Empörung über das Verhalten der Kölner Ärzte
Die Katholische Klinik St. Vinzenz soll ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben.Foto: dpa

Essen  Der Fall eines Vergewaltigungsopfers in Köln hat unter unseren Nutzern hohe Wellen geschlagen. Viele unserer Leser sind enttäuscht und wütend darüber, dass zwei konfessionell geführte Kliniken der jungen Frau die Behandlung verweigert haben. In einer leidenschaftlichen Debatte streiten unsere Nutzer über die Frage, ob der Kirche im 21. Jahrhundert die Nächstenliebe abhanden gekommen ist.

Unter unseren Nutzern herrscht große Aufregung, seitdem bekannt wurde, dass zwei konfessionell getragene Krankenhäuser einer jungen hilfsbedürftigen Frau die Behandlung verweigert haben. Für Pucky2 ist dieses Verhalten skandalös, und er fordert harte Konsequenzen: "Dem Erzbistum gehört sofort die Trägerschaft der beiden Krankenhäuser entzogen.“ Außerdem verlangt der Nutzer eine polizeiliche Untersuchung des Falls, denn schließlich hätten sich die Ärzte der Strafvereitelung schuldig gemacht.

Haben sich die Ärzte der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht?

Liest man die Wortmeldungen unserer Nutzer, wird schnell klar, dass sie vom Verhalten der Krankenhausmitarbeiter bitter enttäuscht sind. „Wieso muss ich mir eigentlich Gedanken um die religiöse Einstellung von Krankenhäusern machen, wenn ich Hilfe brauche?“, fragt zwergschatten. „Dort abgewiesen zu werden mit solch einer Begründung ist ein Hohn.“

Ähnlich äußert sich auch kleidihum: „Bin zwar kein Jurist, aber das müsste doch klar den Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung erfüllen? Ein wenig Betreuung und Beistand und dazu eine körperliche Grunduntersuchung wären doch ohne weiteres möglich gewesen, oder nicht? Diese Leute sollten sich wirklich in Grund und Boden schämen!“

Meldung vom 17.01.2013
Katholische Klinik behandelte Vergewaltigungsopfer nicht

Zwei Kölner Kliniken geraten unter Erklärungsdruck, weil bekannt wird, dass sie einer vergewaltigten Frau Hilfe verweigerten. Die Kliniken entschuldigen sich mit einem „Missverständnis“ - und mit dem Abtreibungsverbot der Kirche.

Wieso muss sich ein Patient Gedanken um die religiöse Einstellung von Krankenhäusern machen?

Darf sich ein Krankenhaus überhaupt christlich nennen, wenn es sich weigert Bedürftige aufzunehmen? Auch dieser Frage gehen unsere Nutzer nach. Shahzad ist sich da nicht so sicher: „Ob Jesus diese Frau abgewiesen hätte? Schließlich steht in der Bibel, dass er selbst mit Prostituierten geredet haben soll.“ Meuer4 merkt an, dass ein solches Verhalten wohl kaum mit dem christlichen Prinzip der Nächstenliebe einhergehen könne.

Besonders erbost sind die Nutzer über die ihrer Meinung nach hanebüchenen Rechtfertigungsversuche der Klinikleitung. „Die Aussage, das sei alles ein Missverständnis, nehme ich nicht ab. Zu häufig schon wurden Mitarbeiter von kirchlichen Unternehmen rausgeworfen, weil sie den "moralischen" Ansprüchen nicht genügten“, schreibt Auntie.

Ist das Nächstenliebe?

Für den Nutzer akaz  ist diese Aussage lediglich ein Versuch sich herauszureden: „Von Missverständnis zu sprechen, ist ein Gipfel der Unverschämtheit. Das ist vorauseilender Gehorsam in seiner absoluten Form. Dann noch von Zufall zu sprechen, grenzt doch stark an Ironie.“

Nur wenige Nutzer zeigen Verständnis für die Position der Kirche, die Behandlung mit dem Hinweis auf das Abtreibungsverbot der Kirche abzulehnen. Meine_meinung76 wehrt sich gegen die seiner Meinung nach einseitige Vorverurteilung der christlichen Einrichtung. „Die Ärzte haben nur einen Fehler gemacht. Sie hätten nicht ablehnen sollen, sondern nur darauf hinweisen, dass sie keine "Pille danach" verschreiben werden. Denn dazu sind sie nicht verpflichtet“, meint meine_meinung76.

Der Nutzer grubendol verweist in seinem Kommentar auf die Position der Kirche, dass „bereits im Moment der Zeugung ein vollwertiges, mit allen Rechten und einer Seele ausgestattetes Leben entsteht, das sich diesbezüglich nicht von einem bereits geborenen Menschen unterscheidet.“ Aus dieser Sicht hätten die Ärzte konsequent und richtig gehandelt.

Miriam Lessmann

Facebook
 
Kommentare
18.01.2013
20:32
Das Verhalten der katholischen Kliniken,
von Neronimus | #2

ist ein deutliches Zeichen dafür ist, dass keine konfessionellen Krankenhäuser benötigt werden. Finanziert werden diese sowieso durch die Allgemeinheit. Die Konfession aber bestimmt. Mit welchem Ergebnis sehen wir jetzt. Wir brauchen überhaupt keine konfessionellen Einrichtungen die öffentliche Gelder erhalten. Wenn eine Religionsgemeinschaft Gutes tun will soll sie dies tun. Aber bitte im Verborgenen und mit eigenen finanziellen Mitteln. Sie soll aber verpflichtet werden, die Menschen die sich an sie wenden, über Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären.

18.01.2013
17:02
Große Empörung über das Verhalten der Kölner Ärzte
von G.spannt | #1

Die Frage ist nicht, ob der Kirche im 21. Jahrhundert die Nächstenliebe abhanden gekommen ist, die Frage sollte sein:
Ist es nicht an der Zeit, das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen, was de facto zu einer Parallel-Arbeitswelt geführt hat, auf den Prüfstand zu stellen?
Wenn das Unternehmen (Cellitinnen-Stiftung) mit dem Leitsatz "Der Mensch in guten Händen" weiter gehende Leitlinien in Bezug auf den Umgang mit Vergewaltigungsopfern verabschiedet, deren Nichtbeachtung arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, muss sich keiner wundern, wenn dann so etwas passiert.
Dann von einem Missverständnis und persönlichem (nicht etwa strukturell bedingtem) Fehlverhalten zu sprechen, zeigt, was kirchlichen Arbeitgebern manchmal ihre Mitarbeiter wert sind...
Wie das Erzbistum Köln in diesem Fall mit berechtigter Kritik umgeht, kann man anschaulich auf dessen Facebook-Seite betrachten.
Selbstkritik bei Kirchens zu erleben, ist schon immer eine Geduldsprobe gewesen...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7495148/create

Umfrage
Die Finalistinnen bei „Germanys next Topmodel“ stehen fest . Wer ist Ihre GNTM-Favoritin?
 
Fotos und Videos
Mars: War Logs
Bildgalerie
Rollenspiel
The Walking Dead
Bildgalerie
Fotostrecke
Ein Tag in Ootmarsum
Bildgalerie
Anzeige
Fotostrecke
Ein Tag in Zwolle
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Millionen-Betrüger fliegt bei Passkontrolle am Flughafen auf
Betrug
Über 36.000 Betrugsfälle werden ihm zur Last gelegt: Einen Millionen-Betrüger hat die Polizei am Dienstag am Düsseldorfer Flughafen festgenommen. Am Telefon soll der 43-Jährige seinen Opfern Beteiligungen an Lotto-Gemeinschaften verkauft, und sie um insgesamt mehrere Millionen Euro geprellt haben.
Schauspieler Robert Downey Jr. geht gern den unbequemen Weg
Hollywood
Der "Iron Man"-Star Robert Downey Jr. erzählt im Interview von Abstürzen und Höhenflügen, spricht über das Erlernen sozialer Kompetenz und das Verlassen der Komfortzone. Und warum gurrende Tauben ihn nicht mehr aus der Haut fahren lassen.