Gesundheitsrisiko Klimaanlage
03.08.2010 | 14:51 Uhr 2010-08-03T14:51:00+0200
Essen.Temperaturen über 40 Grad, der Schweiß rinnt von der Stirn und das Hemd klebt am Körper. Ein vermeintlicher Segen ist da eine Klimaanlage. Dabei stehen die Kühler immer öfter in der Kritik ein Gesundheitsrisiko zu sein.
Erkältung im Sommer – da kann nur die Klimaanlage Schuld sein. Eigentlich sollen sie überhitzte Büros runterkühlen und so das Arbeiten erträglich machen. Doch immer öfter stehen die Abkühler im Verdacht Krankheiten auszulösen – ja sogar wahre Bakterienschleudern zu sein. Was ist dran?
Klimaanlage trocknet Schleimhäute aus
Klimaanlagen kühlen die Luft und entziehen dieser dabei Feuchtigkeit. „Auswirkungen hat das auf unsere Schleimhaut im Nasen- und Rachenraum“, sagt Dr. Georg Vogt, Arzt vom Duisburger Gesundheitsamt. „Trocknet sie aus, kann sie nicht mehr richtig als erste Barriere gegen Krankheitserreger wirken.“ Folge: Viren und Bakterien können leichter in den Körper eindringen, Infektionen drohen. „In große Anlagen sind deshalb Luftbefeuchter eingebaut“, sagt Vogt. „Wer diesen Befeuchter nicht hat, sollte selbst für das richtige Raumklima sorgen.“ Dazu könne man Tonschalen mit Wasser im Raum aufstellen, oder feuchte Handtücher aufhängen.
Bakterien werden in den Raum geschleudert
„Das warme und feuchte Milieu, das am Wärmetauscher von Klimaanlagen entsteht, ist nicht nur ein idealer Nährboden für Bakterien, sondern auch für Pilze“, sagt Vogt. „Deren Sporen werden mehr oder minder direkt in den Raum geblasen.“ Gefahr besteht vor allem beim Einatmen über längere Zeit. Dann könnten sich beispielsweise Allergien gegen die Pilzsporen bilden. „Deshalb ist die regelmäßige Reinigung dieser Anlagen sehr wichtig“, sagt Vogt.
Kalte Luft macht krank
Der menschliche Körper hat sein eigenes Kühlprogramm. Ist es heiß, kühlt er seine Temperatur durch Schwitzen herunter. „Wer nassgeschwitzt in einen klimatisierten Raum kommt, wird daher doppelt gekühlt“, sagt Vogt, „und das führt schnell zur Unterkühlung des ganzen Körpers, Folge kann eine Erkältung sein.“
Draußen tropische Hitze und im Büro angenehme 20 Grad. Wer jetzt vor die Tür tritt, hat das Gefühl vor eine Wand zu laufen. „Nicht ungefährlich, denn der abrupte Wechsel von kühler zu überhitzter Luft kann sich auch auf den Kreislauf auswirken“, sagt der Experte. Weil der Körper durch die plötzliche Hitze die Blutgefäße weitet, sackt der Blutdruck ab. Besonders gefährdet sind Herzpatienten und Menschen, die schon bei normalen Temperaturen unter niedrigem Blutdruck leiden.
Um extreme Temperaturschwankungen zu vermeiden, darf die Klimaanlage nicht zu kalt eingestellt werden. „Die Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur sollte nicht mehr als sechs Grad betragen“, sagt Vogt. „Wer dennoch unter Kreislaufproblemen leidet, kann seinen Körper mit einem Fußbad abkühlen.“ Außerdem kann man Unterarme und Handgelenke unter kaltes, fließendes Wasser halten. Damit kühlt der Körper ab, die Gefäße verengen sich und der Kreislauf stabilisiert sich wieder.
Weitere Abkühl-Tipps für heiße Tage:
• viel trinken: etwa zwei bis drei Liter
• leichte weite Kleidung tragen
• keinen Alkohol trinken
• anstatt in der prallen Sonne sich besser im Schatten aufhalten
• Füße in kaltes Wasser stellen
• kein schweres fettiges Essen
•keine körperliche Überanstrengung
Wer keine Klimaanlage nutzen möchte, kann auf natürliche Weise für Abkühlung sorgen. „So sollte man früh morgens und spät abends lüften, wenn es sich abgekühlt hat.“ Damit die Wohnung kühl bleibt, Rollos und Vorhänge zu ziehen.

0mitdiskutieren