Generationswechsel bei Knappen

v.l.n.r.: Hans-Peter Kaminski (2. Vors.), erster Vorsitzender Dieter Quante, ehemaliger Vorsitzender Erwin Neumann, 1. Finanzwart Edgar Kannchen, 2. Finanzwart Günter Groß. Außerordentliche Mitgliederversammlung des Knappenvereins "Kammeradschaftliche Eintracht Glückauf" 1888 Kamen
v.l.n.r.: Hans-Peter Kaminski (2. Vors.), erster Vorsitzender Dieter Quante, ehemaliger Vorsitzender Erwin Neumann, 1. Finanzwart Edgar Kannchen, 2. Finanzwart Günter Groß. Außerordentliche Mitgliederversammlung des Knappenvereins "Kammeradschaftliche Eintracht Glückauf" 1888 Kamen
Foto: Dietmar Wäsche

Kamen..  Grubenlampen sind zu Geldbüchsen umfunktioniert. Die Fahne mit dem Grillo-Förderturm hängt hinter Glas an der Wand. Der eine oder andere Kohleklumpen, Werkzeuge, Wimpel und Pokale: Das ist die sichtbare Bergbautradition des Knappenvereins „Kameradschaftliche Eintracht Glück-Auf 1888 Kamen“. Im kommenden Jahr wird sie 125 Jahre alt – und erlebt jetzt einen Generationenwechsel.

Er ist Kommunalbeamter, aufgewachsen in einer Bergbaufamilie und mit 62 Jahren ein Vertreter der jüngeren Knappengeneration. Dieter Quante ist der neue Vorsitzende und hat seinen Vorgänger Erwin Neumann nach 30 Jahren Amtszeit abgelöst. Für ihn sind „Kamen und der Bergbau nicht zu trennen“ – auch Jahrzehnte, nachdem die letzte Zeche geschlossen hat. Deshalb will er die Zeit, die ihm die Altersteilzeit lässt, für diese Tradition einsetzen. Damit sie lebendig bleibt.

Protest gegen Zechenschließungen

„Ich bin vor 18 Jahren in den Verein eingetreten, als die Situation für den Bergbau schwierig wurde“, betont er. „Damals gab es Demonstrationen überall – wir standen zusammen auf der Bachmannkreuzung und protestierten gegen die Zechenschließungen“, erinnert er sich. Das hat bei ihm etwas ausgelöst. Bergbautradition ist für ihn mehr als die sichtbaren Symbole. Dahinter stehen eine Mentalität, ein Zusammenhalt und ein Gemeinschaftsgefühl. Werte, die mit den letzten Zechen langsam aus der Gesellschaft verschwinden. Über 70 Jahre ist der Altersdurchschnitt im Knappenverein, der noch 77 Mitglieder zählt. „Es ist schwierig, Nachwuchs zu finden – nicht nur für uns, sondern für alle Vereine“, meint Dieter Quante. Immerhin: Vier Neuaufnahmen sind in diesem Jahr gelungen. Allerdings sind nicht alle ehemalige Bergleute.

Günter Groß ist einer. 1957 begann er seine Ausbildung zum Bergmann auf der Zeche Werne. Dann schulte er um und arbeitete 25 Jahre als Schreiner. Schwere Erkrankungen hat er überwunden. „Da zählen dann irgendwann andere Dinge“, meint der 70-Jährige. Wie die Besinnung auf Traditionen. Als ihn Freunde, die im Knappenverein sind, zum Eintritt motivierten, überlegte er nicht lange. „Wir müssen doch gerade auch den Jüngeren weitervermitteln wie das damals war, das Leben im Bergbau“, meint er. „Für viele war es die einzige Chance, eine Arbeit zu finden.“ Der Zusammenhalt war ein besonderer. „Die Mitgliederzahlen gehen immer weiter zurück, das macht einem doch Sorgen und man muss was dagegen tun.“ Auch das waren für ihn Gründe, den Aufnahmeantrag zu unterschreiben.

Vorfreude auf das Herbstfest

Kaum eingetreten, hat Günter Groß sofort ein Vorstandsamt übernommen. Zusammen mit dem neuen Vorsitzenden und dem gesamten Verein hat er gleich eine besondere Herausforderung zu bewältigen: Die Feiern zum 125-Jährigen. Bis dahin möchte der neue Vorsitzende zunächst eines erreichen: „Die Bergbautradition weiter pflegen und das Amt so weiterführen, wie Erwin Neumann es getan hat“. Das Herbstfest mit Jubilarehrung am 3. November ist ein Teil davon.