Gauck, Kraft, Obama - die politischen Aufsteiger des Jahres

Wahlsieger in NRW: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Lörmann (grüne)
Wahlsieger in NRW: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Sylvia Lörmann (grüne)
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Unbekannte Linke, ein gefeierter, bürgernaher Präsident und eine NRW-Ministerpräsidentin, die nicht nur eine Wahl gewonnen hat - alles Menschen, die in diesem Jahr für Aufsehen gesorgt haben. Unsere Politik-Aufsteiger 2012:

Wo Joachim Gauck in offizieller Mission auftaucht, verneigen sich die Massen vor dem Staatsoberhaupt. Er schreitet huldvoll die Reihen entlang und nickt freundlich. Ein Präsident zum Anfassen. 2012 gelingt dem ostdeutschen Pfarrer der ganz große Wurf: er wird von der Bundesversammlung zum elften Bundespräsidenten gewählt.

In der Bundesversammlung bekam der ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit. Die Wahl im Live-Ticker.

Hannelore kraft

Viele Menschen sehen die NRW-Ministerpräsidentin als alternative SPD-Kanzlerkandidaten. Kraft aber pflegt ihr Kümmererimage, ist Landesmutter und will es auch bleiben. Denn im Mai wird die SPD bei vorgezogenen Landtagswahlen stärkste Kraft in Nordrhein-Westfalen und führt mit den Grünen mit einer stabilen Mehrheit die Regierung fort.

Beliebt war die gebürtige Mülheimerin schon vor der Wahl. Dannach aber ist sie der neue Star der Sozialdemokraten.

Barack Obama

Ein Sieg, aber kein Triumph: Mit seiner Wiederwahl geht Barack Obama in die Geschichtsbücher ein. Doch die Zeit als gefeierter Heilsbringer und Messias ist vorbei. Zu große sind die Probleme im eigenen Land, die nur zusammen mit den politischen Gegnern gelöst werden können. Denn im US-Repräsentantenhaus stellen die Republikaner nach wie vor die Mehrheit.

"Vier weitere Jahre" twittert Barack Obama und bestätigt damit seine Wiederwahl zum US-Präsidenten. Der Tweet geht als Rekord in die Geschichte ein, er wurde Hunderttausende Male weitergetwittert.

Kaja Kipping und Bernd Riexinger

Katja Kipping und Bernd wer? Ja, da mussten sich die Menschen in unserem Land auf neue Gesichter bei der Linkspartei einstellen. Bernd Riexinger aus Baden-Württemberg - dort Landesparteichef und Verdi-Funktionär.

Und neben ihm eine junge Mutter aus Sachsen: Katja Kipping. Zusammen sollen sie der Partei wieder ein Profil geben. Kipping und Riexinger treten ein schweres Erbe an: Die Partei ist zerstritten und überaltert, seit 2008 gibt es einen massiven Mitgliederverlust und inzwischen gingen auch mehrere Landtagswahlen in Folge verloren bzw. konnte an gute Ergebnisse nicht angeknüpft werden.

Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht

Die als Rosa Luxemburg der Neuzeit titulierte Wagenknecht und der Populist aus dem Saarland sind ein Paar. Das schon eine ganze Weile, aber erst 2012 merken die beiden, wie gut ihnen und der Linkspartei diese Beziehung tut. Es ist eine echte und persönliche Ost-West-Verbindung – und ein neues Kraftzentrum auf der politischen Bühne.

Im 7. Himmel und seit diesem Jahr auch unter einem Dach.

Peter Altmaier

Bundesumweltminister - für den bisherigen parlamentarischen Geschäftsführer der CDU ist der Posten absolutes Neuland. Aber die Bundeskanzlerin brauchte nach dem spektakulären Abgang von Norbert Röttgen nach dessen verlorener NRW-Wahl einen erfahrenen Politiker und loyalen Minister, der die Energiewende vorantreibt. Altmaier gilt als besonnen und ausgleichend - und clever in der Durchsetzung politischer Ziele. Er setzt selten auf Konfrontation mit dem politischen Gegner, sondern auf den klug geführten Dialog.

Peter Altmaier als neuer Umweltminister ist die vierte Kabinettsumbildung seit dem Start von Schwarz-Gelb im Jahre 2009.

Wolfgang Kubicki

E in Lichtblick der FDP 2012: Wolfgang Kubicki und seine Liberalen in Schleswig-Holstein schaffen den Sprung über die fünf Prozent. Ein Erfolg, nachdem die FDP bei den Wahlen zuvor reihenweise den Einzug in die Landesparlamente verpasst hatte. Zur Koalition mit der CDU reicht es aber trotzdem nicht mehr - in Kiel gibt es die "Dänen-Ampel" aus SPD, Grüne und SSW.

Trotz des Erfolges will Kubicki nicht nach Berlin und strebt nicht nach höheren Zielen - auch nicht nach dem Parteivorsitze - obwohl er kein Freund von Partei-Chef Philipp Rösler ist.

Christian Lindner

Shooting-Star und Ausnahmetalent Christian Lindner bringt die FDP in NRW wieder auf Kurs und Mitte Mai wieder in den Landtag. Wahlforscher hatten die Liberalen lang weit unter fünf Prozent gesehen. Mit einem engagierten Wahlkampf für eine starke Opposition macht sich Lindner zum potentiellen Nachfolger von Parteichef Phillipp Rösler. Er will die Liberalen wieder für sozialliberale Koaltionen öffnen.

Die FDP schafft den Einzug in den NRW-Landtag. Ihr Spitzenmann fühlt sich noch nicht berufen für Aufgaben in Berlin.

Beate Klarsfeld

Die Linkspartei wollte unbedingt eine Gegenkandidatin für Joachim Gauck bei der Wahl des Bundespräsidenten. Mit Beate Klarsfeld, die in den 60er- und 70er Jahren mit spektakuläre Aktionen gegen Nazi-Verbrecher auf sich aufmerksam macht, fand sie eine würdige Kandidatin. 126 Stimmen gab es für sie, drei Stimmen auch aus anderen Parteien - immerhin ein Achtungserfolg.