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Literatur

Für Rolf Bauerdick ist das Böse stärker als der Mensch

22.11.2009 | 08:56 Uhr

Essen. Rolf Bauerdicks Debütroman "Wie die Madonna auf den Mond kam" war schon vor der Veröffentlichung ein Bestseller und ist eine Mischung aus Krimi, Schelmenstück und Melodram.

In der Kälte der Nacht schlüpft die Zigeunerin zum 16-jährigen Pavel. Den Sex beschreibt der Autor so: „Ich fühlte, wie Buba wärmer und wärmer wurde, verspürte die Gluthitze aufsteigen, roch ihren Schweiß, ihren Duft nach Feuer, Erde, Rauch und die herbe Süße ihrer Scham.”

Das ist Kitsch – aber auch der Garantieerfolg dieses Romans. Die Roma und der junge Rumäne. Das begeistert in Amerika, England, Frankreich, Spanien, Italien, den Niederlanden, Polen und Israel. Dorthin wurde der Roman vor dem jetzigen Erscheinen hier zu Lande verkauft. Debütant Rolf Bauerdick, 52, der als Fotograf arbeitet und in Rumänien zeitweise mit den Roma lebte, hat ihn geschrieben. Eine Mischung aus Krimi, Schelmenstück und Melodram.

Die Lehrerin wird tot aufgefunden

Wie die Madonna auf den Mond kam von Rolf Bauerdick. (c) Verlag

1957 geschieht Unwahrscheinliches in Siebenbürgen. Im sowjetischen Sputnik rast Hündin Laika um die Erde, der Sozialismus kommt voran, aber nicht im ärmlichen 250-Einwohner-Dorf Baia Luna. In der Schule bittet die Lehrerin Pavel, den Parteisekretär zu ermorden, als er dessen Foto gerade an die Wand im Klassenzimmer nagelt. Der Bonze, der als Liebhaber die Lehrerin gedemütigt hat, stürzt. Die Lehrerin verschwindet in einer Winternacht und wird tot aufgefunden, dem Dorfpfarrer, der das Bleiberecht für die Roma erwirkt hat, wird die Kehle durchgeschnitten. Das Ewige Licht in der Kirche erlischt, aus der Kapelle wird die Madonna geraubt und ständig scheint der Mond über dem Dorf – er spielt im Roman eine große Rolle. Dann ist der Kalte Krieg zu Ende, der Diktator verschwunden, die Menschen sind frei. Pavel begreift in der Rückschau sein Leben, wird entlastet von seiner Schuld. Buba hat er aus den Augen verloren, trifft sie aber wieder – viel haben sich beide nicht zu sagen.

Es geht um Freiheit, lebenswertes Dasein und Lieben, um festgefressene Melancholie und Lethargie in den Köpfen. Es ist der Blick in eine bunte, fremde Welt. Überzeugend ist die schiere Lust am Erzählen des Autors, der auf Reflexionen verzichtet und gelegentlich am Rand des Kitsches schreibt. Das aber hat mit dem Verrückten dieser Geschichte, auch dem Mysteriösen zu tun. „Das Böse ist stärker als wir”, sagt der Zigeuner Dimitri. Das ist auch das Resümee des Romans, in dem der Autor ganz offensichtlich Geschichten aus dem wahren Leben gebündelt und fiktiv aufbereitet hat. Höchst lebendig.

Rolf Bauerdick: Wie die Madonna auf den Mond kam. Deutsche Verlags-Anstalt, München, 519 S., 22,95 Euro

Roland Mischke

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