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Für Eric Cantona ist der Pass wichtiger als das Tor

06.11.2009 | 07:37 Uhr
Für Eric Cantona ist der Pass wichtiger als das Tor

Essen. "Ich bin kein Mensch. Ich bin Cantona" – so viel Selbstironie muss schon sein, wenn Eric Cantona, der frühere Kult-Kicker von Manchester United, sich selbst spielt im neuen Film des britischen Kino-Klassenkämpfers Ken Loach. Dieter Oßwald sprach mit ihm über Spielvergnügen und CHarakter.

Warum haben Sie in diesem Film mitgemacht?

Eric Cantona in "Looking for Eric" © Delphi Filmverleih/Sixteen Films

Eric Cantona: Ganz einfach: Es ist eine großartige Story, und Ken Loach ist ein Genie. Dass er nebenbei auch Ahnung von Fußball hat, war für mich ein weiterer Pluspunkt.

Wie viel vom echten Eric steckt in diesem Film-Eric?

Eric Cantona: Der Drehbuchautor Paul Laverty war von meiner Person inspiriert. Aber er hatte beim Schreiben alle künstlerischen Freiheiten. Es ist seine Geschichte, nicht meine.

Vielen gelten Sie als Ausnahme-Fußballer – sehen Sie das ähnlich?

Eric Cantona: Das hängt weniger vom Fußball ab als von der Persönlichkeit. Die Charaktere der Spieler sind so unterschiedlich wie bei allen Menschen. Den wahren Charakter wird man nicht bei Interviews entdecken, sondern im Verhalten auf dem Spielfeld. Da sieht man den General, den Kämpfer, den Strategen, den Idealisten – alle Typen sind da.

Welcher Typ wären Sie?

Eric Cantona: Für mich zählt vor allem der Pass, der ist wichtiger als das Tor. Das ist wie im Leben. Natürlich bekomme ich gerne Geschenke und mache daraus Tore. Aber es geht nichts über eine perfekte Abgabe, die ein anderer Spieler verwandelt.

Klingt verblüffend selbstlos für einen Profi...

Info
Looking for Eric

Deutscher Kinostart: 5. November 2009

Regie: Ken Loach

Darsteller: Steve Evets, Eric Cantona, Stephanie Bishop, John Henshaw, Lucy-Jo Hudson u. a.

Eric Cantona: Es mag selbstlos und großzügig klingen, tatsächlich ist es aber sehr eigennützig: Das bereitet mir einfach das größte Vergnügen. (lacht)

Liegt im Tor nicht der große Kick für jeden Spieler?

Eric Cantona: Nein, wenn ich ins Casino gehe, will ich vorher ja auch nicht wissen, ob ich gewinne. Man geht dorthin, wegen der Spannung. Ähnlich verhält es sich beim Fußball. Ich möchte gar nicht wissen, ob ich siege: ich will das echte Erlebnis mit der ganzen Aufregung und Anspannung.

Welche Verantwortung haben Fußball-Stars, wenn es um das Bekämpfen von Rassismus geht?

Eric Cantona: Michel Platini war bei uns in Frankreich der erste Star, der aus einer Einwandererfamilie stammte. Anschließend folgte Zidane. Als Kind spielte ich Fußball mit Kindern aus der ersten Immigranten-Generation. Wir hatten großen Spaß, wir jubelten und heulten zusammen. Dafür bedarf es gar keiner großen Worte.

Sind Sie heute noch Fan?

Cantona mit Hauptdarsteller Steve Evets (li.) und Regisseur Ken Loach (mi.) bei der Premiere von "Looking for Eric" bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes. (c) imago

Eric Cantona: Nach meinem Rückzug habe ich mir Spiele nicht mehr angeschaut, das ist schmerzhaft. Früher hatte man zweimal die Woche sein Adrenalin, jetzt war es weg. Es ist wie nach dem Ende einer alten Lovestory – danach will man dann ja auch nicht ständig an seine alte Liebe erinnert werden.

Können Sie sich eine Karriere im Kino vorstellen?

Eric Cantona: Durchaus, schon als Kind habe ich das Kino sehr geliebt. Für meine neue Karriere vor der Kamera habe ich viel mit meiner Ehefrau trainiert, die ja Schauspielerin ist. Sie gab mir das Selbstvertrauen, mich entspannt zu fühlen vor der Kamera – was wohl das Wichtigste für jeden Schauspieler ist.

Kennen Sie eigentlich die Film-Auftritte von Franz Beckenbauer?

Eric Cantona: Ich habe mit Beckenbauer in Marseille gespielt – aber von seinen Filmen hat er mir nie etwas erzählt. Ich sollte mir wohl schleunigst die Videos besorgen...

Und warum mögen Männer Fußball - und Frauen verstehen es nicht?

Eric Cantona: Das hängt mit dem Gehirn zusammen... (lacht)

Dieter Osswald

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Kommentare
05.11.2009
15:18
Für Eric Cantona ist der Pass wichtiger als das Tor
von Petra Brumshagen | #2

Ich habe das Interview mit Freude gelesen, und es lässt auf einen interessanten Film schließen. Die letzte Frage hätte sich Herr Oßwald jedoch sparen können: Ich kenne Familienväter, die Fußball vollkommen dämlich finden und habe genauso viele weibliche Freunde und Bekannte, die mit mir der Sportschau und jedem Besuch im Stadion entgegen fiebern. Eigentlich peinlich, heutzutage noch eine solche Frage zu stellen. Weibliche Fußballfans sind schon lange keine Seltenheit. Und wenn es - wie Cantona entgegnet - eine Sache des Gehirns sein soll, dann gibt es wohl einfach eine geschlechtslose Gehirnzelle in manchen Köpfen, und in anderen fehlt sie ...

05.11.2009
09:40
Für Eric Cantona ist der Pass wichtiger als das Tor
von Thomas.Lau | #1

... der war schon in Elizabeth gut: http://www.imdb.com/title/tt0127536/

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