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Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen

22.12.2010 | 15:55 Uhr
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen

Essen.Abgemagert und einsam sei Orca Morgan gewesen, als sie im Juni vor der holländischen Küste gefunden wurde. Seitdem wurde sie im Freizeitpark Harderwijk aufgepäppelt. Jetzt ist Morgan wieder fit – doch der Park will sie nicht freilassen.

Bedächtig, eher vorsichtig, dreht Morgan ihre Runden. Nichts erinnert an die überquellende Lebens­freude ihrer Artgenossen im offenen Ozean. Morgan, das junge Orcaweibchen, lebt seit sechs Monaten im hollän­dischen Freizeitpark Harderwijk. Seit dem 24. Juni, als Menschen den jungen Killerwal „abgemagert und einsam vor der niederländischen ­Küste entdeckten“ und ins benachbarte Dolfinarium brachten. „Keiner weiß, was wirklich passierte“, sagt Ute Magreff, Delfinforscherin und Mitstreiterin in der Organi­sation „Freemorgan“.

In Harderwijk päppelte man Morgan auf: mit Antibiotika und totem Fisch. Und möchte den kleinen großen Wal jetzt behalten. Das privat betriebene Abenteuerland mit dem größten Meerestierpark Europas zählt zu den Unternehmen der Superlative. Es gehört der „Compagnie des Alpes“, dem zweitgrößten Freizeitparkbetreiber Europas, der Asterix, Skipisten und eben Meerestiere gleicher­maßen vermarktet. Zehn Millionen Euro, schätzen Tierschützer, ist Morgan wert.

In Gefangenschaft leben Orcas nur etwa zehn Jahre

Unternehmen wie Seaworld lechzen nach Nachwuchs für die lukrativen Shows. „Ein Orca ist das wichtigste Promotion-Tier“, sagt Nikolas Entrup von der „Whale and Dolphin Conservation Society“ (WDCS). „Seit die Amerikaner in den 80er Jahren den Fang von ­Delfinen für Dolfinarien eingeschränkt haben, rekrutieren die großen Aquarien ihren Nachschub an Delfinen und Orcas größtenteils aus sogenannten Strandungen“, so Entrup. „Frisch-Fisch“ fehlt. Von 1992 bis heute sank die Zahl der Orcas in Gefangenschaft von 56 weltweit auf 42 Tiere.

Das Leben der Orcas

In Gefangenschaft, so die WDCS, hat ein Orca eine durchschnittliche Lebenserwartung von weniger als zehn Jahren. In den Weiten des Meeres können die intelligenten Räuber bis zu 50 Jahre alt werden. Wissenschaftler haben aber auch schon Orcas gefunden, die noch im Greisenalter von 90 Jahren, getrieben von ihrer eleganten Spielfreude und dem großen Hunger, riesige Heringsschwärme durcheinanderwirbelten.

Unternehmen „Free-Morgan“ nicht aussichtslos

Obwohl sich weltweit Tierschützer für die Freiheit der jungen schwarz-weißen Dame einsetzen, hat man in Harderwijk klammheimlich neue Realitäten geschaffen. In einem 56-seitigen Gutachten, das der Redaktion vorliegt, „haben sogenannte Experten festgesetzt, dass Morgan nicht ausgewildert werden darf“, sagt Richard O’Barry, ehema­ls Flipper-Trainer und ­heutiger Filmemacher („Die Bucht“). „Sie liefern keine Fakten, um ihre Forderung zu stützen“, klagt Barry. Außerdem seien sie voreingenommen. Neben zwei Vogelkundlern im Experten-Team stehe „ein Großteil der Wissenschaftler indirekt auf der Gehaltsliste von Seaworld“, so O’Barry.

Der Auswilderungsplan der Tierschützer wurde vom Tisch gewischt. „Was die Umsetzung von Morgans Freilassung in den Ozean betrifft, gibt es vielfältige Möglichkeiten“, erklärt Magreff. Einfach wäre das Unternehmen Free-Morgan nicht. Aber auch nicht aussichtslos. 2002 wurde der zweijährige Orca „Springer“, der vor der amerikanischen Küste ein ähnliches Schicksal wie heute Morgan erlitten ­hatte, erfolgreich wieder ­ausgewildert. Für Morgan drängt die Zeit.

Rechtslage ist unklar

Dem Dolfinarium spielt sie zu. Je länger Morgan in Gefangenschaft bleibt, desto schwieriger wird ihre Rückkehr ins Meer. Dazu kommt, dass ­keiner wirklich weiß, wer Besitzer des Orca-Weibchens ist. „Sie gehört sich selbst“, sagt Magreff resolut. Die Rechtslage hingegen ist unklar. „Wir lassen das jetzt rechtlich prüfen“, sagt Entrup.

Seit sechs langen Monaten, so Magreff, wird Morgan, der kommunikative Meeressäuger, bereits in „Isolationshaft“ gehalten. In einem Becken, dessen Wassersäule zu flach ist, als dass der Orca sich ­senkrecht aufstellen kann. In dem jeder Laut des Tieres von den viel zu engen Wänden an seine Ohren zurückschallt, in dem er sich nur gemächlich, ganz vorsichtig, bewegen kann. Große Sprünge ausgeschlossen.

Angelika Wölke

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Kommentare
26.12.2010
17:05
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen
von Quasuwi | #17

Es ist eine Schande, dass es mit einer vielleicht gutgemeinten Hilfsaktion anfing und in einer maßlosen Tierqualerei endet.
Wir hoffen sehr, das die Vernunft und das Mitgefühl für Morgan siegen wird.

26.12.2010
17:03
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen
von Hannemann | #16

Gierige Freizeitparkraubritter haben wieder ein Objekt für ihre Begierde gefunden; Geld in ihre Kassen zu spülen. Vollkommen ohne jede Ethik sperren sie Tiere ( Orca) in kleine Betonbecken um sie zur Volksbelustigung und überhöhter Eintrittsgelder der Öffentlichkeit vorzuführen. Jeder Verantwortliche dieser Aktion ( Geschäftsleitung etc) muss für mindestens 12 Monate in den Raum eines BesucherWCs eingesperrt werden, Grösse maximal 120x80cm. Ernährung: 5 Tage altes Brot und warmes Wasser.

25.12.2010
12:06
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen
von Bolle von der Küste | #15

Orcas gehören in ihren natürlichen Lebensraum und nicht in einen Freizeitpark oder ähnliche Tiergefängnisse. Ab einer bestimmten Größenordnung von benötigtem Lebensraum sollte man davon Abstand halten. Ich kenne die freie Lebensweise von Orcas und auch wie sie in Gefangenschaft gehalten werden. Es kann niemals eine Artgerechte Haltung geben. Deswegen sollten sich die Freizeitparkverantwortlichen den positiven Effekt der Aufpeppelung eines geschwächten Orca zu nutze machen und deren Freilassung in seinen natürlichen Lebensraum in Ihr Marketing mit einbauen. Das bringt vorrausschauend mehr Geld in die Kassen! Es könnte ja der Start für eine grundsätzliche Philosophie des Freizeitparkes werden, die International Respekt und Unterstützung bringt.
Wer einmal Orcas in ihrem Lebensraum erlebt hat, der weiß wo sie hingehören.
Viel Glück für Morgan!!!

24.12.2010
16:42
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von Geschw | #14

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24.12.2010
15:51
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen
von agubi | #13

Warum stecken wir nicht langsam Politiker in die Käfige, wäre doch viel interessanter als Wildtiere, die sich nicht wehren können und des Kommerzes wegen gequält werden.
In diesem Sinn ein tierisches Fest

24.12.2010
15:29
Blockierter Kommentar.
von Halbes Hähnchen | #12

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.12.2010
15:23
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen
von Geschw | #11

@10
Die Nordsee ist kein geschlossener See und ein Orca
kann schwimmen, den muss man nicht aussetzen...grins

24.12.2010
13:27
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen
von moinsen | #10

Mal ganz doofe Frage:
Wie kommt ein Orca in die Nordsee?
Oder hat den einer ausgesetzt, so
wie ´ne Schildkröte oder ein Kroko?

23.12.2010
22:33
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen
von Unfaßbar | #9

Der Tierpark sollte sich passend zu Weihnachten Besinnen und den so genannten Fisch FREI lassen. Vielleicht können sich die Verantwortlichen als Fisch verkleiden und zur Belustigung Perverser Menschen durch irgendwelche Ringe Hüpfen und andere lustige Kunststücke machen. Danke im Voraus.

23.12.2010
20:04
Freizeitpark Harderwijk will Orca nicht freilassen
von michili | #8

Zoos, die nicht einen Mindeststandard an Tierschutz einhalten, einfach meiden.
Pommes und Currywurst kannich auch woanders essen.

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