Festival-Eröffnung: Unverständnis hat Tradition
02.05.2009 | 00:01 Uhr 2009-05-02T00:01:00+0200Oberhausen. Die Eröffnung der 55. Internationalen Kurzfilmtage lag am Donnerstagabend im gut besetzten Lichtburg-Filmpalast im Trend dieser Monate: Es war viel von der Krise die Rede, aber auch vom Geist "optimistischer Kreativität", der das Festival auszeichne.
Vor Gästen aus beinahe 50 Ländern gingen mit Ausnahme des Festivalleiters alle Redner auf die Krise der Finanzmärkte ein, die auch die öffentlich-rechtlich finanzierte Kultur in arge Existenznöte gestürzt hat. In diesem Sinne sei es umso höher zu bewerten, dass Stadt und Land auch an dem weltweit wichtigsten Treffen der Kurzfilmschaffenden festhalten.
Der Oberhausener Oberbürgermeister Klaus Wehling verwies noch einmal auf die Haushaltssperre im vergangen Jahr und die damit verbundene Einstellung von freiwilligen Leistungen. Da sei auch die Kultur betroffen gewesen, Berater hätten vorgeschlagen, auf das Theater und die Kurzfilmtage zu verzichten. Beides, darüber zeigte sich der OB dankbar, habe der Stadtrat abgelehnt. Die Zeiten für die Kurzfilmtage seien nie rosig gewesen, jetzt aber beherrschten Kürzungen und Streichungen das Handeln. In diesem Zusammenhang dankte Wehling den öffentlichen wie privaten Sponsoren, die sich nicht von den Kurzfilmtagen zurückgezogen haben. Oberhausen habe in den vergangenen Jahren schwerste Krisen vor allem bei Kohle und Stahl durchleben müssen, eines habe die Stadt und ihre Menschen in jeder Notlage stark gemacht: „Optimistische Kreativität. Dies wird uns auch diesmal vorantreiben.”
Kurzfilmtage am Puls der Zeit
Aus aktuellem Anlass drückte Wehling gegenüber dem anwesenden Kulturhauptstadt-Geschäftsführer Fritz Pleitgen seine Hoffnung aus, dass man sich 2011 über eine gelungene Ausstellungseröffnung im Rahmen von Ruhr.2010 freuen wird. Die Kurzfilmtage, so Wehling dann wieder zum Thema, hätten immer brennende Themen erkannt: „War es zunächst die unüberbrückbare Spaltung der Welt in Ost und West, dann die Teilung in Nord und Süd, so geht es heute um Rohstoffe, Religionen und Ressourcen.”
Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, NRW-Staatsekretär für Kultur, betonte, dass „Kulturpolitik gerade in Krisenzeiten den künstlerischen Freiraum von Filmfestivals schützen muss”. Besonders freute sich das Mitglied der Landesregierung, dass in Oberhausen erstmals der beste Film aus NRW mit einem eigenen Preis ausgezeichnet wird.
Festivalleiter Lars Henrik Gass ging auf zunehmende vorwurfsvolle Fragen ein, warum für den Oscar nominierte oder mit einem solchen gar dekorierte Kurzfilme in Oberhausen nicht gezeigt, also vermeintlich übersehen wurden. Wer argumentiere, Festivals, die den deutschen Oscar-Gewinner „Spielzeugland” beispielsweise nicht gezeigt haben – „es waren, so weit ich weiß, alle, und wir auch” –, sollten sich schämen, der nehme wohl an, „der Oscar sei so etwas wie ein vatikanisches Dekret”. Tatsächlich spiegele der Oscar eine Entscheidung für den breitestmöglichen Geschmack und „ich finde es daher schade, dass man sich in Europa generell und in Deutschland nicht zuletzt so sehr an solchen Standards orientiert, die Ausdruck einer ganz anderen Kultur und eines ganz anderen Auswertungssystems von Film sind”.
"Impulse für den Film in der Welt"
Gass verwies auf die Reaktionen, auf die die frühen Werke von Scorsese, Herzog und Polanski gestoßen sind, als sie hier gezeigt wurden: „Dieses Festival hatte immer mit Unverständnis von außen zu kämpfen.” Aber: „Von Oberhausen gingen und gehen einige der wichtigsten Impulse für den Film in der Welt aus. Manch einem reicht das nicht aus. Wieder sind die Kriterien der unmittelbare Effekt und die große Zahl. Und wieder misst man Oberhausen am falschen Glanz der Kultur. Dabei hat Oberhausen selber doch so viel zu bieten! Man rühmt diese Stadt in der ganzen Welt dafür!
Ich denke, wir alle kommen nicht um die Frage herum, wie wir Kultur künftig begründen wollen. Ich halte es etwa für keine gute Idee, von der Kunst zu verlangen, die sozialen Probleme des Gesellschaftswandels, für die sie nicht verantwortlich ist, zu lösen. Oder anders gesagt: Kunst kann einen sozialen Wert nur dann entfalten, wenn man sie Kunst sein lässt. Hier hätte ich mir ein eindeutiges Bekenntnis der kommenden Kulturhauptstadt Europas 2010 in Essen gewünscht – kurz: mehr Kunst statt Kultur. Leider aber musste auch hier ein Filmpreis nach Oscar-Vorbild her."
Er sei dennoch zuversichtlich, dass die Filmfestivals in dieser Region gemeinsam mit der Kulturhauptstadt auf einem guten Weg sind: "Wir wollen die Arbeit der Filmfestivals verstetigen, also auch über das Jahr hinweg in und mit den Schulen der Festivalstandorte im Ruhrgebiet tätig sein, und – vielleicht noch wichtiger: – die Arbeit mit Film in die Lehrpläne bringen. An diesem Projekt nehmen die Festivals in Duisburg, Dortmund, Bochum, Lünen und Oberhausen teil.
Warum dieses Projekt und worauf soll es hinauslaufen? Ich will es ganz schlicht sagen: Ich kann es nicht begreifen, dass man in Deutschland die Schule verlassen kann und noch nichts von Lang, Murnau oder Fassbinder gehört hat. Ich gestehe, ich finde Filmgeschichte und -ästhetik nicht minder wichtig als Goethe gelesen zu haben. Bewegte Bilder bestimmen heute mehr denn je das aufwachsende Kind. Genau hier könnten wir den Blick lenken. Wie sollen junge Menschen in Fernsehen und Kino etwas beurteilen können, wie sollen sie den Reichtum an Formen und Formaten des Films verstehen, wenn sie gar keine Vergleichsgrößen haben?"
Filme in den Kunstunterricht!
Es gehe nicht um Fragen des Geschmacks und nicht einmal um Medienbildung, sondern um die Frage, ob sich Bildung noch als eine lebendige Erfahrung des Anderen versteht oder ob es mit dem „Leben der Anderen“ getan ist: "Film gehört für mich heute selbstverständlich in den Kunst-Unterricht. Wir können nicht erwarten, dass Jugendliche heute in Scharen in Museen, Theater oder auf Filmfestivals strömen, wenn wir nicht gleichzeitig dafür sorgen, dass Kunst, Theater oder Film in ihren gegenwärtigen künstlerischen Formen Bestandteil des Unterrichts sind oder zum festen Bestandteil der Berichterstattung in den Medien zählen! Bildung muss heißen: mehr Kunst und Kultur im Unterricht!
Es wäre daher eine wirkliche Investition in die Zukunft dieses Landes, wenn diese wunderbare Initiative „Jedem Kind ein Instrument“, die Sie, Herr Grosse-Brockhoff, mit der Bundeskulturstiftung auf den Weg gebracht haben, zu ergänzen wäre, und sei es nur im Kleinen, durch ein Projekt, das hieße: Jedem Kind ein Stück Filmgeschichte."
Abschließend dankte Gass im Namen der Kurzfilmtage all denjenigen, "die zum Gelingen des Festivals beitragen – allen voran, mit Dank und Respekt: der Stadt Oberhausen, die uns auch unter den schwierigsten Umständen die Treue hält".

21:05
Von Oberhausen gingen und gehen einige der wichtigsten Impulse für den Film in der Welt aus, auf dem Feld der Langeweile allemal!!! Seit ehrlich, wir haben ein drittklassiges Provinzfestival und wer was anderes behauptet ist Alexander Kluge oder ein Idiot.
Politische Verantwortung heißt nicht zum Festival Gymnasiasten zusammentreiben lassen und 2010 Politgestalten zu hofieren. Ja , und es wird ordentlich die Schule gedisst, niemand soll die Schule verlassen ohne Murnau oder Fassbinder zu kennen, da reihen wir uns ein bei den konservativen die Bildung geht baden Apologeten wie Maria Furtwängler ,die den Untergang der Welt am Fehlen vom Musikunterricht festmacht. Man wagt zu bezweifeln ob einer der Beteiligten offenen Auges durch die Stadt läuft oder die soziale Entwicklung die stattfindet wahrnimmt. Man wünscht sich Bud Spencers Faust möge niedergehen auf dieses Festival und aus den Trümmern entsteigen unsubventionierte, gutgelaunte Strohköppe mit billigen Kameras, die zeigen wie Film geht.