Felix Loch ist der neue Hackl Schorsch
15.02.2010 | 19:26 Uhr 2010-02-15T19:26:00+0100
Whistler.Als er zum kleinen deutschen Fanblock auf der Minitribüne gegenüber dem Zielraum wollte, um sich eine Deutschland-Fahne abzuholen, wäre der Gold-Junge beinahe ausgerutscht. Im Eiskanal war Felix Loch zuvor sehr viel souveräner. „Das ist der Wahnsinn. Es waren zwei perfekte Tage“, rief der 20-Jährige.
„Das waren meine besten vier Läufe der Saison.“ Nach Bestzeiten in allen vier Fahrten im Whistler Sliding Centre war Schorsch Hackl einer der ersten, die dem Berchtesgadener gratulierten. Die Freude über den ersten deutschen Sieg bei den Spielen in Vancouver rundete David Möller ab, der Freund, Trainingskollege und Konkurrent von Loch, der vor dem Südtiroler Armin Zöggeler die Silbermedaille holte.
Der neue Hackl Schorsch heißt Felix. „Er kann meinen Rekord von drei Goldmedaillen brechen“, sagte Hackl, der deutsche Rodel-Held von einst. Hackl war auch an Lochs Triumph beteiligt. Der 43-Jährige ist Rodeltrainer im Deutschen Bob- und Schlittenverband und ist der Lehrer und Ratgeber seines Nachfolgers an der Bahn in Königssee. „Ich arbeite viel mit ihm zusammen, auch beim Schlitten-Setup hilft er mir. Aber runterfahren muss ich immer noch selbst“, sagte Loch.
Loch gilt als einer der nervenstärksten Athleten
Hackl, der zehnfache Weltmeister, war als Aktiver ein Tüftler, der immer den besten Schlitten zusammenstellte. Diese Kufenraketen sind keineswegs fertige Gesamtwerke, sondern mehr oder weniger Bausätze, die Teil für Teil modifiziert werden können. Loch siegte dank der ausgeklügelten Technik und seines großen Talents total überlegen, mit einem Vorsprung von 0,679 Sekunden vor Möller und von 1,290 Sekunden vor Zöggeler, also Abständen, die im Rodeln eine kleine Ewigkeit bedeuten.
Völlig cool sauste Loch den Berg herab, unbeeindruckt vom Todessturz des Georgiers Nodar Kumaritaschwili am Freitag im Abschlusstraining, kurz bevor er selbst auf die Bahn sollte. Der Sohn von Bundestrainer Norbert Loch, der für die DDR 1984 in Sarajevo an Olympia teilnahm, gilt als einer der nervenstärksten Athleten in der Schlittenbranche. Er weiß, dass er eine große Karriere vor sich hat.
Die Schlittentechnik ging Loch früh in Fleisch und Blut
Vater Norbert kommt bei seiner Entwicklung eine noch wichtigere Rolle als Hackl zu. Denn schon als Kind wurde er an den Rodelsport herangeführt. Sein Vater nahm in mit zu seinen Rennen. Der Sohn lernte so alle Bahnen kennen, die Schlittentechnik ging ihm früh in Fleisch und Blut über. 1992 ging Norbert Loch als Landestrainer nach Oberbayern, 2008 wurde er Nationaltrainer. Loch junior lernte vom Papa, wie sich trotz seines kräftigen Körper von etwa 94 Kilo und 1,90 m Größe, optimal auf den Rodel presst.
Möller, der Weltmeister von 2005 und 2007, muss sich damit abfinden, nur noch die Nummer zwei zu sein. Damit kommt er aber gut zurecht. Die Konkurrenz belebt das Geschäft. „Sie fordert uns, sie puscht uns. Das hat uns 2006 in Turin gefehlt“, sagte Möller. Gold und Silber, das beste deutsche Männer-Ergebnis seit 1988, wären gut verteilt, meinte der Zweite: „Felix hat Gold verdient und ich Silber.“

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