Fasten gegen Krankheiten
18.02.2010 | 19:02 Uhr 2010-02-18T19:02:00+0100
Essen.Fasten zaubert mehr als ein paar Kilo von den Hüften. Der Verzicht kann gegen Migräne, Arthritis und Diabetes-Typ-2 helfen. Die Ärztin Françoise Wilhelmi de Toledo erklärt im Interview mit DerWesten das Prinzip des medizinischen Heilfastens und wie sie Patienten hilft.
Françoise Wilhelmi de Toledo betreut in ihrer Klinik am Bodensee Patienten mit verschiedenen Erkrankungen. Was beim medizinischem Heilfasten zu beachten ist, welche Krankheiten therapiert werden können und welche Wirkung Fasten auf den Körper hat, erklärt die Ärztin im Interview mit DerWesten.
Warum ist Fasten wichtig?
Françoise Wilhelmi de Toledo: In unserer Gesellschaft ist Nahrung im Überfluss vorhanden und viele Menschen greifen kontinuierlich zu fettigen und süßen Lebensmitteln. Dabei ist unser Körper dafür nicht gemacht, denn er braucht Phasen, in denen wir weniger essen. Ohne diese Pausen setzen wir unseren Verdauungsorganen starkem Stress aus. Fasten, wenn es richtig durchgeführt wird, nimmt diesen Stress.
Was ist der Unterschied zwischen dem medizinischen Fasten und dem normalen Fasten?
Toledo: Genauso wie beim Fasten in Fastengruppen oder mit Fastenleitern dient das medizinische Fasten, dazu den Verdauungstrakt zu entlasten und den Entgiftungsorganen eine Pause zu gönnen. Aber unter der richtigen Anleitung kann es sich auch positiv auf verschiedene Erkrankungen auswirken. Ohne Arzt geht es aber nicht, denn durch das Fasten müssen eventuell verordnete Medikamente anders dosiert oder sogar weggelassen werden.
Welche Krankheiten kann man mit Fasten therapieren?
Toledo: In unserer Klinik behandeln wir beispielsweise Diabetes-Typ-2-Patienten. Bei dieser Erkrankung wird ausreichend Insulin produziert, aber der Körper ist nicht mehr in der Lage, das Hormon zu verwerten. Eine gezielte medizinische Fastenkur kann den Stoffwechsel regulieren und dazu führen, dass danach deutlich weniger Insulin gespritzt werden muss oder ganz darauf verzichtet werden kann.
Außerdem kann Fasten bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma und Arthritis helfen. Ein Vorteil ist, dass die Schmerzlinderung meist sehr schnell eintritt. Auch Migräne kann so therapiert werden. Viele meiner Patienten haben den letzten Migräneanfall kurz nach Beginn der Fastenkur. Wenn sie sich auch nach der Therapie an die Vorgaben halten, bleiben sie vor weiteren Anfällen verschont.
Welche Auswirkung hat das Fasten auf die Psyche?
Toledo: Viele Betroffene finden während der Kur zu sich selbst, was sich auch positiv auf die Erkrankung auswirkt. Deshalb empfehle ich die medizinische Fastenkur beispielsweise mit autogenem Training, Yoga und Atemtherapie zu ergänzen.
Was müssen Patienten nach dem medizinischen Fasten beachten?
Toledo: Fastenkuren sind natürlich keine Wundermittel. Die Betroffenen müssen ihren Lebensstil ändern. Ein einmaliges Fasten reicht da nicht aus. Nach einer Therapie betreue ich die Patienten noch einige Wochen. Dabei wird ein individuell zugeschnittener Ernährungsplan zusammengestellt, an den sich unbedingt gehalten werden sollte. Außerdem sollten erlernte Entspannungstechniken weiter angewendet werden und auch im Alltag der Sport nicht vergessen werden.
Muss medizinisches Fasten wiederholt werden?
Toledo: Ich empfehle, das Fasten ein mal im Jahr zu wiederholen. Die meisten Menschen, die erfolgreich gefastet haben, spüren oft selbst ein Verlangen danach und möchten es gern wiederholen.

18:47
Wenn ich eine beginnende Erkältung spüre, faste ich mit Gemüsebrühe - das hilft fast immer, dass es mir schnell wieder gut geht. Solchen, die erstmals mehr als 1-2 Tage fasten wollen, würde ich zu einer angeleiteten Fastenwoche in einer Gruppe raten. Das muss nicht medizinisch sein (wenn es kein medizinisches Problem gibt) - eine gute Betreuung hilft sehr. Und wenn das mit Yoga, Wandern und Meditation kombiniert ist, wirkt das ganz besonders.