Ex-König wieder auf freiem Fuß
30.04.2008 | 18:00 Uhr 2008-04-30T18:00:00+0200Olpe/Siegen. Der wegen gewerbsmäßigen Betruges im großen Stil in die Schusslinie geratene ehemalige Olper Schützenkönig ist seit gestern wieder auf freiem Fuß. Die Wirtschaftsstrafkammer des Siegener Landgerichtes hat den Haftbefehl außer Vollzug gesetzt.
Seit 17. Oktober 2007 hatte der 39-Jährige in U-Haft gesessen. Nach der Kunde von der Freiheit umarmte er gestern seine Schwester im Gerichtssaal. Eine der Auflagen ist, dass der 39-Jährige in ihre Olper Wohnung einzieht. Zudem muss er sich einmal wöchentlich bei der Olper Polizei melden und darf keinen Kontakt zum Mitangeklagten oder Zeugen aufnehmen. "Sie kommen heute auf freien Fuß. Wir gehen davon aus, dass Sie nicht weglaufen", meinte die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach. Die Antwort der Ex-Majestät: "Nein, ganz bestimmt nicht."
Eine Flucht könne durch die Auflagen vermieden werden, so Dreisbach. Die Öffentlichkeit des Verfahrens, das gute Verhältnis zu seiner Schwester und seinen beiden Kindern würden ihn davon abhalten, das Risiko einer erneuten Inhaftierung einzugehen. Vor diesem Hintergrund gäbe es auch keine Verdunkelungsgefahr. "Auch eine Wiederholungsgefahr mag die Kammer nicht erkennen", sagte Richterin Dreisbach.
Da war Ulrich Hettwer völlig anderer Meinung. Der Staatsanwalt hatte eine Freilassung kategorisch abgelehnt. "Es gibt ein Sammelsurium von Haftgründen", betonte Hettwer. Eine Fluchtgefahr sei gegeben: "Der Verbleib der Geldbeträge ist nicht aufgeklärt. Er hat keine sozialen Bindungen mehr." Der 39-Jährige habe die Unterschrift seiner Frau, die sich inzwischen von ihm getrennt hat, gefälscht. Und überhaupt neige er dazu, Urkunden vorzulegen, die gefälscht sind.
Eine Verdunkelungsgefahr liege vor, so Hettwer. Der Angeklagte habe Zeugen manipuliert. Seine Einlassung sei allenfalls in Teilen geständig. Noch immer spreche der Angeklagte von einer Baustelle in München, dem Tucher Park, die frei erfunden sei.
Auch die Wiederholungsgefahr bejahte der Staatsanwalt: "Ich bin der festen Überzeugung. Er hat gezeigt, dass er weitermacht. Nach der ersten Anklage hat er dann die Bank um 1,7 Millionen Euro betuppt."
Die Kammer folgte jedoch dem Antrag des Dortmunder Verteidigers Jörg Tigges auf Außervollzugsetzung des Haftbefehls. Gestern Mittag konnte die Schwester den 39-Jährigen in der Haftanstalt im Unteren Schloss in Siegen abholen und mit nach Olpe nehmen. Weiter nächste Seite

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