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Energie zum Heizen aus dem Wald

10.05.2011 | 16:55 Uhr
Energie zum Heizen aus dem Wald
Christoph Kraas betreibt ein Hackschnitzel-Heizkraftwerk in Oeventrop

Oeventrop.Erst sollte es nur ein „zweites Standbein“ sein. Mittlerweile boomt das Geschäft mit „tree-energy“, Energie aus Bäumen, das Christoph Kraas gegründet hat. Der Forstwirtschaftsmeister verkauft nicht nur Hackschnitzel zum Heizen – sondern ist im Oeventroper Gewerbegebiet auch noch selbst als Nah-Wärme-Versorger für Firmen in der Nachbarschaft tätig.

Der Sturm Kyrill hatte die Forstunternehmen der Region enorm gefordert. Innerhalb kurzer Zeit mussten zugeworfene Wälder und Wege aufgeräumt, mussten riesige Mengen Holz aufgearbeitet werden. „Danach gab es noch viel zu tun nach einem Sturm in Frankreich“, berichtet Christoph Kraas, der damals überall mit seinen Forstgeräten im Einsatz war. Doch um auch in „ruhigeren“ Zeiten noch genügend zu tun zu haben, ersann sich der Junior im Forstbetrieb Kraas-Rentmeister die Idee von der Hackschnitzelverwertung.

Holz, das für die
Möbelindustrie
nicht nutzbar ist

Auf einem Grundstück nahe der Straße „Im Neyl“ baute der Jung-Unternehmer eine 50 Meter lange und 25 Meter breite Lagerhalle, offen an den Seiten, nur geschützt durch ein hohes Pultdach. Darunter lagern nun Rindenmulch und vor allem Hackschnitzel.

Beim Fällen der Bäume und dem Aufarbeiten fällt viel „Abfall“ an – dünnere Äste, rissiges oder auch astiges Holz, zu kurze Stämme, die nicht für die Bau- oder Möbelindustrie zu nutzen sind. Was früher allein für die Aufarbeitung von Spanplatten nutzbar war, ist heute auch als Energieträger wertvoll geworden.

Christoph Kraas mit seiner Hackschnitzel-Heizung

„Wir hacken diese Hölzer direkt vor Ort im Wald“, erklärt Christoph Kraas. „Das ist von der Logistik einfacher und rentabler.“ Mit Lkw werden die Hackschnitzel dann in die Halle im Oeventroper Gewerbegebiet gebracht. Dort, geschützt vor Regen, aber ständig von Wind umweht, können sie trocken, bis sie zum Heizen geeignet sind.

Während Kraas einen Großteil der Hackschnitzel an unterschiedlichste Kunden verkauft, verfeuert er seit einigen Monaten einen Teil der Biomasse selbst: Nahe der Firmengebäude der Caritas-Werkstätten und von IMP und RWE hat er ein modernes Heizgebäude errichtet. Dort werden mit einer KWB-Heizanlage die Hackschnitzel verfeuert und die dabei erzeugte Wärme durch ein 20 Zentimeter dick isoliertes Rohr über bis zu 220 Meter zu den Caritas-Werkstätten geleitet. Die Verbrennung verläuft so intensiv, dass nur alle vier Wochen ein 80 Liter-Aschekasten geleert werden muss.

Wärme fließt über
220 Meter durch dick isolierte Leitungen

„Bei den Caritas-Werkstätten war die alte Heizungsanlage kaputt gegangen, es musste modernisiert werden“, berichtet Kraas. Doch statt selbst zu investieren, kauft die Caritas jetzt ihre Wärme bei ihm ein. „Das rechnet sich für sie, ist rund 30 Prozent günstiger“, weiß Christoph Kraas. Geplant ist, die Heizungsanlage zu vergrößern und weitere Betriebe anzuschließen.

Im Sommer sollen zudem mit dem dann immer mal wieder anfallenden Wärmeüberschuss zusätzliche Hackschnitzel getrocknet werden.

„Ich hatte zunächst auch über ein Blockheizkraftwerk an diesem Standort nachgedacht“, sagt Kraas. Doch für die mit der Stromproduktion dann noch stärker anfallenden Wärme hätte es an diesem Standort an kontinuierlichen Abnehmern gefehlt. Derzeit ist Kraas auf der Suche nach einem anderen Platz, an dem er dann ein BHKW mit Hackschnitzeln betreiben kann. Strom produziert Christoph Kraas nichtsdestotrotz: auf dem Pultdach seiner Trocknungshalle sind Solarmodule mit 150 kW Leistung installiert.

Heinz Krischer

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