Eine Studie mit Schwächen

Die Wahlhelfer bei der Wiederholungswahl in Dortmund hatten nicht viel zu tun: Die Wahlbeteiligung lag bei unter 33 Prozent.
Die Wahlhelfer bei der Wiederholungswahl in Dortmund hatten nicht viel zu tun: Die Wahlbeteiligung lag bei unter 33 Prozent.
Foto: Helmuth Vossgraff/WAZ FotoPool

Die Partei der Nicht-Wähler ist ein Mythos. Man kann sie nicht alle für sich mobilisieren. Man kann sie nicht über einen Kamm scheren, zum Beispiel nicht als politikverdrossen abtun. Das sind einige Klischees, mit denen die neue Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung aufräumt, sehr differenziert. Gut so.

Nur die Schlussfolgerungen kann man nicht immer teilen. So heißt es in der Studie, dass die Nichtwähler nicht wahlentscheidend seien. In der derselben Studie wird daran erinnert, dass die SPD 2009 rund eine Million Stimmen an das Nichtwählerlager einbüßte und dass sie insgesamt seit 2005 „höhere Verluste als die Union durch Wahlabstinenz“ habe. Hallo? Das soll nicht entscheidend sein?

In der Studie heißt es, würden alle Parteien ihr Nichtwähler-Potenzial voll ausschöpfen, dann würden sich die Wahlergebnisse kaum verändern. Das mag sozusagen im Labor stimmen. Der springende Punkt ist: Das gelingt nicht allen Parteien gleich gut. Wer am besten mobilisiert, der hat auch die besten Wahlchancen, was sonst?

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass „Distanz“ zur Politik besser als „klassische Protestmotive“ die Nichtwähler erkläre. In der Realität sind die Grenzen aber fließend. Aus Protest erwächst Distanz – und umgekehrt.