Ein Aufstieg mit Wehmut
28.11.2008 | 16:41 Uhr 2008-11-28T16:41:00+0100Injisuthi Camp. Die Bergsteiger der "cape2cape"-Gruppe brechen zum Gipfel des Mafadi Peak auf. "Leitwolf" Joachim muss die Tour wegen Fußproblemen abbrechen und erlebt auf dem Rückweg eine faszinierende Natur.
Es ist schon ein bisschen wehmütig: Der letzte Aufbruch zu einer Bergbegehung auf dem langen Weg der cape2cape. Pünktlich um 7 Uhr holt Gavin, der erste weiße Bergführer während der Expedition, Joachim, Regina, Alexa, Markus, Dominik und Detlef ab. Er möchte sie heute noch bis zu einer Höhle etwa zwei Kilometer unterhalb des Gipfels bringen und dort übernachten. Morgen früh soll dann der 3446 Meter hohe Mafadi Peak bestiegen und der Rückmarsch absolviert werden.
Rund um das Basislager tummelt sich derweil die Tierwelt Afrikas. Perlhühner staksen zwischen den Autos umher. Eine Antilope grast in der Nähe. Und dann sind da diese Paviane. Eine ganze Horde der grauen Gesellen umkreist das Lager, wartet auf eine günstige Gelegenheit, eines der Fahrzeuge zu entern. Da wir wachsam bleiben, leeren die Affen schon einmal die Mülltonnen, durchwühlen den Inhalt und schieben sich ins Maul, was auch immer nach Nahrung ausschaut. Unser Problem: Mit dem Chef der Bande, erkennbar vor allen Dingen an seiner imposanten Statur, würde sich nicht einmal unser Ringer-Champion Dirk anlegen: „Bist du verrückt – hast du gesehen, was der für Hauer hat?“
Nichts geht mehr
Wir erhalten unerwartete Verstärkung: Um 15 Uhr kehrt Joachim zum Lager zurück. Was ist passiert? Schon sein seltsamer Gang verrät, dass etwas nicht stimmt. Und tatsächlich: Eine Entzündung im Gelenk unterhalb des linken Fußballens peinigt unseren Leitwolf. Schon seit dem Kilimanjaro hat Joachim Probleme damit, erst gestern wurde er von Regina noch einmal behandelt, hat heute Morgen gleich Schmerzmittel genommen. Es hat alles nichts genutzt: Nach den Belastungen der letzten Wochen gibt der heutige Gewaltmarsch dem Gelenk den Rest. Nach etwa vier Stunden geht gar nichts mehr und Joachim tut das einzig Richtige, um die Gipfelbesteigung nicht zu gefährden: Schweren Herzens lässt er die anderen alleine weiter ziehen.
Der Empfang am Nordkap am 5. Oktober war der Auftakt der rund zweimonatigen Expedition "cape2cape".
Am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, ist die Ankunft in Kapstadt/Südafrika geplant.
Geplant ist, unterwegs die höchsten Erhebungen der 20 auf der Route liegenden Länder zu besteigen.
"cape2cape" ist Teil der "World Aids Awareness Expedition", bei der Joachim Franz und sein Team innerhalb von 18 Monaten 200 Gipfel in 200 Ländern erklimmen wollen.
Da haben unsere Leute schon rund die Hälfte der 28 Kilometer langen Strecke zurück gelegt: „Wir sind ein mörderisches Tempo gegangen!“ Trotzdem nagt die Umkehr zunächst schwer an Joachim. „Doch dann habe ich den Rückweg trotz der tierischen Schmerzen genossen. Es war das erste Mal seit zwei Monaten, dass ich mal wieder ganz alleine war, nur mit mir und meinen Gedanken.“ Er erlebt nun eine Natur, die er beim Bergaufquälen nur schemenhaft wahrgenommen hat, wandert fasziniert in dieser weiten Landschaft, durchmisst fast mannshohe Schilfsäume und quert Bachläufe, an die er sich kaum erinnern kann. Er legt Pausen ein, lässt den Blick und die Gedanken streifen.
Ausgerechnet den letzen Gipfel der Expedition nicht selbst besteigen zu können – ist das keine Enttäuschung? Eigentlich nicht. Symbolisiert es nicht vielmehr nahezu perfekt, dass Joachim nun das Staffelholz der "world aids awareness expedition" an andere weiterreicht? Nun ja, auf die Schmerzen hätte er dabei vermutlich verzichten können . . .

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