Durch Wassers Kraft Strom für Hunderte von Haushalten
27.04.2011 | 15:45 Uhr 2011-04-27T15:45:00+0200
Arnsberg.Langsam, fast träge, fließt das Wasser der Ruhr im grün gesäumten Obergraben dahin. Enten und ein Kormoran nutzen das ruhige Gewässer als Start- und Landebahn. Ein kleines Idyll vor den Toren Arnsbergs. Und zugleich ein Kraftwerk, das ganz ohne Kohle und Gas, Öl oder Holz auskommt. Allein durch die Kraft des Wassers erzeugt Michael Hachmann hier seit 30 Jahren Strom für Hunderte Haushalte.
Damals, Anfang der 80er Jahre, sprach noch niemand von „Erneuerbaren Energien“. Jahrzehntelang war die Wasserkraft am Rumbecker Hammer erst für die Eisenherstellung gebraucht worden, später dann, um Holzschliff für die Papierindustrie herzustellen. Als das Papier-Recycling diesen Stoff in der Papierindustrie immer mehr ersetzte, machte sich Michael Hachmann Gedanken über eine andere Nutzung. Er investierte in die Stromerzeugung – und wurde anfangs belächelt. „Damals glaubte man noch an billigen Atomstrom“, erinnert er sich. Das Anlegen von Wasserkraftwerken wurde eher behindert, als es zu fördern. Insbesondere hohe Auflagen für die Durchgängigkeit des Gewässers drohten selbst engagierten Pionieren wie Hachmann die Investition zu verleiden.
Mit Fischtreppen gibt’s mehr Geld für Strom
Mittlerweile ist das Geschichte. Wer, wie Hachmann, Fischtreppen baute und so Forellen, Äschen und anderen Bachbewohnern den Auf- und Abstieg in der Ruhr ermöglichte, bekam einen erhöhten Abnahmebetrag für den Strom – und dadurch wurde diese Investition in den Naturschutz interessant.
Hachmann installierte Mitte und Ende der 80er Jahre zwei neue leistungsfähigere Turbinen, baute Rechen und kleine Kanäle und lässt seitdem nun bis zu 15 000 Liter Ruhrwasser pro Sekunde durch die Turbinen fließen. Je nach Wasserstand der Ruhr werden so zwischen 100 und 400 kw Strom erzeugt. „Das entspricht in der Jahressumme ungefähr dem Strombedarf von 600 Haushalten“, rechnet Hachmann vor.
Um Strom aus Wasserkraft erzeugen zu können, muss das Wasser mit genügend Druck auf die Turbinen treffen. Ein einfaches Wasserrad, das in den dahinfließenden Fluss installiert wird, brächte keine Leistung.
Genügend Druck entsteht, wenn es ein entsprechendes Gefälle gibt – im Fall des Rumbecker Hammers sind es 3,60 Meter. Gut zweihundert Meter oberhalb des Turbinenhauses staut ein Wehr das Ruhrwasser auf. Der größte Teil fließt in den Obergraben und daraus dann in die Turbinen. Unterhalb der Turbinen fließt das Wasser wieder in das Ruhrbett, das in dem Zwischenraum nur wenig Wasser führt.
Seit wenigen Wochen aber ist auch hier, in dem „toten Arm“ der Ruhr, der Wasserstand etwas angestiegen: Seit November läuft nämlich noch ein drittes Wasserkraftwerk auf Hachmanns Gelände. Direkt am Wehr hat er eine Archimedische Schnecke installiert, die hier einen Teil des Ruhrwassers drei Meter hinabfließen lässt und dabei einen Generator antreibt – so wird nochmal Strom für weitere 20 bis 25 Haushalte produziert, berichtet Hachmann.
„Dies ließ sich mit vergleichsweise geringem Aufwand installieren“, erläutert der 58-Jährige. Rund 100 000 Euro wurden investiert, das Land gab einen Zuschuss von 20 Prozent für die neuartige Wasserkrafttechnik, die nach einem uralten Prinzip funktioniert. In zehn bis zwölf Jahren, so hofft Hachmann, hat sich diese Investition bezahlt gemacht.
Wer Wehre abriss, ärgert sich heute
„Möglich war das mit dem geringen Aufwand allerdings nur, weil bereits das Wehr und der Obergraben bestanden“, betont der Stromerzeuger. Müssten Staustufen und Kanäle angelegt werden, rechne sich Wasserkraft lange Jahre nicht, glaubt er. Und weiß, dass sich viele ärgern, die in den vergangenen Jahrzehnten Wehre entlang der Ruhr abrissen.
Neben der Wasserkraft hat der Rumbecker auch die Sonne auf seinen Hof geholt. 400 Quadratmeter Photovoltaik-Module bedecken die Dächer, auch ein nachführbares Sonnensegel ist auf einem Gebäude installiert.
Der Stromertrag daraus allerdings ist deutlich geringer, als aus der Wasserkraft: „Diese Module zusammen“, rechnet Hachmann vor, „reichen gerade mal für etwa zehn Haushalte.“

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