Duelle um die Deutsche Meisterschaft
14.09.2008 | 21:10 Uhr 2008-09-14T21:10:43+0200FECHTEN. Für die Florettspezialisten aus NRW geht es in Moers um die Qualifikation. Die Gastgeber blicken bereits auf die WM.
Die glatten Sohlen der Turnschuhe schleifen über die Bahnen, die Florettklingen schlagen klirrend aufeinander, die Signalanlagen piepen. Dicht an dicht liegen die Bahnen in der Halle der Heinrich-Pattberg-Realschule, auf jeder duellieren sich zwei Fechter. Mittendrin pariert Lucas Fenger gerade einen Treffer seines Gegners. Der attackiert ihn anschließend umso entschlossener, doch der Obmann spricht dem Moerser den Treffer und den Sieg zu.
"Das war ein bisschen ungerechtfertigt. Zwei Punkte hätte der Gegner bekommen müssen und dann hätte ich verloren", sagt Lucas Fenger selbstkritisch und wischt sich mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn. Ganz zufrieden ist er mit seiner Leistung daher nicht. "Ich hätte im richtigen Moment angreifen müssen", sagt der 18-Jährige. Er möchte beim Hodey-Cup in der Juniorenklasse mindestens das Achtelfinale erreichen. "Dann schaue ich weiter, wie es klappt." Die Konkurrenz ist groß. Mehr als 350 Fechter sind nach Moers gekommen.
Formtest zum Saisonstart
Für die Florettspezialisten aus Nordrhein-Westfalen geht es um die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften. Die Sportler aus dem Rest der Republik nutzen das Turnier für einen Formtest zu Saisonbeginn. "Die Zahl der Anmeldungen hat uns erschlagen. Wir bräuchten mindestens fünf Bahnen mehr. Noch dazu hatten wir eine kleine Computer-Havarie und hinken nun dem Zeitplan hinterher", sagt Herbert Wagner, Trainer beim Fechtclub Moers.
Er hat seine Schützlinge, die nicht auf der Bahn stehen, zum Helfen eingeteilt. "Es verlässt keiner die Halle ohne zu fragen, ob etwas zu tun ist." Bevor Natasha Gollan die Halle verlassen kann, wird es noch etwas dauern. Die 16-Jährige hat gerade in der Cafeteria die Vorrunde erfolgreich hinter sich gebracht, auch wenn sie das letzte Gefecht verloren hat.
"Den einen oder anderen gibt es immer, der einem nicht so liegt", sagt die Fechterin und streift ihren Handschuh ab. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens das Finale der besten Acht zu erreichen. Eine besondere Herausforderung, denn sie tritt, ebenso wie Teamkollegin Hannah Fenger, in der Damenkonkurrenz an.
"Da kommen gleich in der Vorrunde Gegnerinnen, auf die wir sonst erst viel später treffen würden", sagt Natasha Gollan. Sie hofft, dass die Duelle mit den weit erfahreneren Fechtern sie für die Junioren-Weltmeisterschaften im April fit machen. "Wenn ich an die vergangene Saison anknüpfen kann, sieht es ganz gut aus", sagt die Erste der Deutschen Rangliste.
Sie muss sich um ihre Qualifikation ebenso wenig Gedanken machen wie Teamkollegin Hannah Fenger. Sie führt in ihrem Vorrundengefecht mit 2:0, doch die Gegnerin gibt nicht auf, attaktiert die Moerserin und verkürzt. Hannah Fenger hadert mit der Entscheidung des Obmannes, fühlt sich um einen Treffer betrogen, muss dann einen weiteren hinnehmen und verliert das Duell.
Trotz der Niederlage genießt die Moerserin es, sich mit der starken Damenkonkurrenz zu messen. "Das macht Spaß. Die anderen sind viel erfahrener und es ist eine Herausforderung, dagegen zu halten." Sie möchte sich einen Platz unter den ersten Dreien erkämpfen. Doch bis es soweit ist, will sie erst ihrem Bruder die Daumen drücken.

0mitdiskutieren