Dorfbewohner verhindern vorerst Bau von Eon-Mammut-Kraftwerk in Chile

Seit Monaten demonstrieren Bewohner in der ländlich geprägten Stadt Totoral im Norden Chiles gegen den Bau eines Kraftwerks. Jetzt haben sie sich vor Gericht durchgesetzt.
Seit Monaten demonstrieren Bewohner in der ländlich geprägten Stadt Totoral im Norden Chiles gegen den Bau eines Kraftwerks. Jetzt haben sie sich vor Gericht durchgesetzt.
Foto: rtr
Was wir bereits wissen
David gegen Goliath: Dorfbewohner einer südamerikanischen Wüstenstadt haben sich vor Gericht erfolgreich gegen den Welt-Konzern Eon durchgesetzt. Das Unternehmen muss seine Pläne für den Bau eines milliardenschweren Kohlekraftwerksprojekts vorerst auf Eis legen. Firmenchef Johannes Teyssen dürfte das gar nicht gefallen.

Santiago de Chile.. Dieses Urteil ist ein Rückschlag für die Expansionspläne von Eon: Das Oberste Gericht Chiles hat den Bau eines milliardenschweren Kohlekraftwerksprojekts vorerst untersagt. Eon und sein brasilianischer Partner MPX müssten eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung vorlegen, erklärte das Gericht am Dienstag. Gegen den Bau des Kohlekraftwerks Castilla nahe der Stadt Totoral in der Atacama-Wüste im Norden des Landes hatten Anwohner geklagt, denen die Umweltbelastung ein Dorn im Auge ist.

Eon und MPX lehnten eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ab.

Die Pläne für den Bau der sechs Kohlekraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 2100 Megawatt stammen aus der Feder des brasilianischen Versorgers MPX, der dem deutschstämmigen Milliardär Eike Batista gehört. Eon und MPX hatten im Frühjahr die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmen angekündigt, aus dem das größte private Energieunternehmen Brasiliens entstehen soll.

Das Joint Venture hat Kraftwerksprojekte mit einer Leistung von 11.000 Megawatt in der Pipeline, darunter das Projekt in Castilla. Dies ist noch in der Entwicklungsphase. Eine Investitionsentscheidung hat Eon noch nicht getroffen.

Sinkende Margen im europäischen Strom- und Gasgeschäft

Eon-Chef Johannes Teyssen hat sich angesichts sinkender Margen im europäischen Strom- und Gasgeschäft und der Belastungen durch die Atomwende in Deutschland auf die Suche nach neuen Märkten in Übersee gemacht. Neben Südamerika hat er die Türkei ins Visier genommen. (Reuters)