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Die Zupacker im Revier

10.09.2012 | 19:09 Uhr
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Die Zupacker im Revier
Professor Christel Bienstein.Foto: IKZ

Die Zupacker im Revier sind ganz sicher keine blinden Optimisten. Aber unverdrossene Lebenspraktiker. Es sind Typen. Typisch für unsere Region. Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Das Revier ist sozial geteilt wie früher Berlin politisch. Und nicht nur nördlich des Sozialäquators A 40 wird es in bestimmten Vierteln Besorgnis erregend – perspektivlos. Aktuell in Duisburg-Hochfeld, wo ein türkischer Mittelstand zunehmend lauter klagt gegen zugezogene Rumänen und Bulgaren, von denen viele einfach nur herumhängen. Jedenfalls geht mit den fehlenden Chancen auf Dauer flöten, was das Ruhrgebiet nicht nur ausgemacht, sondern ausgesprochen stark gemacht hat. Die Mentalität und Gewissheit, es aus eigener Stärke und Anstrengung zu einer selbstbestimmten Existenz zu schaffen.

Im Revier liegt das Gute neben dem Schlechten. In Duisburg, in Rheinhausen, brummt die Logistik, wo vor 15 Jahren Arbeiter vergeblich für ihr Stahlwerk stritten. In Dortmund das Technologiezentrum mit jetzt 8500 Beschäftigten, die, dank kluger Stadtpolitik, nebenan auch noch schön wohnen können. In Bottrop das Energie-Vorzeigeprojekt Innovation City, angekurbelt und befeuert von den Unternehmen der Region (und das lange vor der Energiewende der Bundesregierung nach dem Fukushima-Schock). In Bochum entsteht ein Gesundheitszentrum. Neben jeder Misserfolgs-Geschichte steht fast immer auch eine Erfolgsstory. So wird es wohl weiter gehen. Ankommen wird das Revier wohl nie.

Wenn wir als WAZ, als Klammer des Reviers, jetzt in einer Serie zehn Anpackern (wir bitten jene um Entschuldigung, die dieses Mal nicht dabei sein können) Gesicht und Stimme geben, dann wollen wir keine Kuschelgeschichten reportieren. Wer, wie Christel Bienstein, aus den negativen Folgen des demografischen Wandels lebensdienlichen Fortschritt gewinnt, der hat ja deshalb nicht unbedingt ein leichtes Leben. Und für Gustav Dobos war es schon ein heftiger Kampf, bis er in Essen-Steele seine Naturheil-Klinik aufmachen konnte und auch noch von seinen Kollegen dafür anerkannt wurde.

Die Zupacker im Revier sind also ganz sicher keine blinden Optimisten. Aber unverdrossene Lebenspraktiker. Es sind Typen. Typisch für unsere Region. Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Ulrich Reitz

Kommentare
10.09.2012
20:48
Die Zupacker im Revier
von OmenEstNomen | #1

Hochfeld liegt aber südlich des "Sozialäquators" A40. Immerhin liegt es nördlich des Weisswurstäquators.

1 Antwort
Die Zupacker im Revier
von OmenEstNomen | #1-1

ah "nicht nur"... alright.

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