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Die Schüler und die DDR

06.08.2012 | 19:18 Uhr
Die Schüler und die DDR
Mauerbau in Berlin.Foto: dapd

Jeder dritte Schüler findet immer noch die DDR nicht ganz so übel. Bevor wir aber abledern über die Blödheit der Kinder oder die Faulheit der Lehrer, erinnern wir uns.

Seit den siebziger Jahren wurde Kritik an dem Unrechtssystem in Ostdeutschland zurückgedrängt. Sie war im Zeichen von Wandel durch Annäherung und Entspannungspolitik nicht mehr erwünscht. Derselbe Willy Brandt, der als Berliner Bürgermeister in den sechziger Jahren der DDR noch jede Daseinsberechtigung absprach, nannte noch kurz vor der 89er Wende das Festhalten an der Wiedervereinigung eine Lebenslüge.

Und auch Helmut Kohl, der im Herbst 1989 den Mantel der Geschichte am Zipfel ergriff, hatte sich in den Jahren davor mit kleinen Schritten konkreter Lebens-Erleichterung zwischen West und Ost abgefunden. Konservative Kritiker an seiner Deutschlandpolitik, die ihm vorwarfen, er tue zu wenig für die Wiedervereinigung, stellte Kohl kalt.

So war der Geist der Zeit und man kann Eltern oder Lehrern nicht vorwerfen, wenn sie ähnlich dachten. Mit einigem Abstand und dem inzwischen verfügbaren Wissen sollte es heute dagegen eine Selbstverständlichkeit sein, unseren Kindern ein realistisches Bild von der ostdeutschen Diktatur zu vermitteln.

Ulrich Reitz



Kommentare
08.08.2012
08:50
Die Schüler und die DDR
von feder24 | #4

zu fatih #3:

Das von Ihnen Beschriebene gib die Teilnahme an dem "Kuschelkurs" zwischen den Großmächten wieder.
Die haben aber weiter aufgerüstet. Das hat der "Osten" wirtschaftlich nicht durchgehalten, was schließlich die "Wende"in den Endachzigern brachte. (Nato-Doppelbeschluß bei Raketenaufrüstung!Führungskrisen in der UDSSR, Jelzin, Gorbaschow usw. ).
Anmerk.: Unter "Osten" ist nicht die DDR sondern der "Ostblock" unter Führung der UDSSR gemeint.Das muß beim Artikelthema auch betont werden.

07.08.2012
13:03
feder14
von fatih | #3

Brandts Ostpolitik war kein Einzelläufer, sondern ein Baustein in der Entspannungspolitik der 70iger Jahre zwischen USA und UdSSR: ABM, ICBM,SLBM, also der gesamte SALT-Prozess. Gewaltverzicht und Anerkennung der Grenzen. Im Gegenzug dafür ein Berlin-Abkommen (1972) und die KSZE. Das hat den Menschen in Europa viel gebracht.

07.08.2012
12:18
Die Schüler und die DDR
von feder24 | #2

Zitataus#1: ....Willy Brandt hatte immer ein relaistisches Bild von der DDR und der UdSSR, deshalb hatte seine Politik schlieslich auch Erfolg....
Ob diese Schlußfolgerung historischbegrünbar ist?
Frage dazu: Wodurch ist der sogenannte "Ostblock" zum Einsturz gebracht worden?
Antwort: nur durch genauere Geschichtskenntnisse möglich!


07.08.2012
10:56
Der Tenor des Kommentars irritiert mich!
von fatih | #1

Ich lese hieraus, dass Politiker wie Brandt, Scheel, Bahr, Kohl.... die kommunistischen Unrechtsregime in der Soviet Union und in der DDR relativiert und anerkannt hätten. Das ist falsch. Es ging um "Wandel durch Annäherung", nicht um Anerkennung von Unrecht. Durch die Ostpolitik wurden die Lebensverhältnisse der Deutschen in der DDR deutlich verbessert. Reiseerleichterungen etc. Die Mauer wurde durchlässiger. Die Berliner konnten wieder in den Ost-Teil der Stadt zu ihren Verwandten, Bekannten und Freunden.

Die Lebenslüge war die "Hallstein-Doktrie", wonach die Beziehungen zu Staaten abgebrochen wurden, die zur DDR diplomatische Beziehungen aufnahmen. Das war unrealistisch.

Willy Brandt hatte immer ein relaistisches Bild von der DDR und der UdSSR, deshalb hatte seine Politik schlieslich auch Erfolg.


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