Die Olympia-Bilanz der Männer hat Konsequenzen
19.02.2010 | 20:50 Uhr 2010-02-19T20:50:00+0100
Whistler.Magdalena Neuner ist die Zeugin der Verteidigung. Der deutsche Biathlon-Star, der in Whistler schon Gold und Silber holte, sprang für ihre männlichen Kollegen in die Bresche und machte ihnen Mut. „Die haben es auch drauf. Die sind Spätzünder.“ Nach drei von fünf olympischen Wettbewerben wird es aber höchste Zeit, dass die Leistungsexplosion kommt. Auch im Einzel-Wettbewerb gab es nämlich nur lange Gesichter im Herren-Team.
Als Zehnter erreichte Michael Greis das beste Resultat. Das ist enttäuschend, obwohl die Messlatte im Biathlon durch die großen Erfolge der Vergangenheit sehr hoch liegt. Dass die goldenen Tage von vor vier Jahren in Turin nicht zu wiederholen sind, deutete sich schon in den Weltcup-Wettbewerben an. Nicht nur Greis, der dreimalige Olympiasieger von 2006, konnte nur selten mit der Weltspitze mithalten.
„Wir hatten erfolgreiche Jahre, aber das Abschneiden hier ist ein Wermutstropfen“, sagte Thomas Pfüller, der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbandes und forderte das Team auf, das schlechte Abschneiden in den ausstehenden Rennen am Sonntag beim Massenstart und in der Staffel am Freitag der nächsten Woche zu korrigieren. Bei der Saisonanalyse wird es zu Konsequenzen kommen.
Klar ist, dass Trainer Frank Ullrich sein Amt niederlegen wird
Klar ist seit längerem, dass Trainer Frank Ullrich sein Amt niederlegen wird. Als Nachfolger sind der frühere Olympiasieger Mark Kirchner und Wolfgang Pichler im Gespräch. Pichler trainiert derzeit die schwedischen Frauen und Männer und führte Helena Jonsson sowie Anna Carin Olofsson-Zidek zu WM-Titeln. In Whistler hat aber auch der Ruhpoldinger mit den Frauen bisher keine Erfolgssträhne. So beendete Jonsson, die im Weltcup die Saison bisher dominierte, das Einzelrennen nur auf dem 49. Platz.
Dagegen feierte Schwedens Björn Ferry im Verfolgungsrennen den Olympiasieg. „Wolfgang Pichler ist der Motor des schwedischen Biathlons“, lobt der Olympiasieger den deutschen Trainer. Pichler steht zwar bei den Schweden noch längerfristig unter Vertrag, würde sich aber wohl nicht die Chance entgehen lassen, in seiner Heimat Bundestrainer zu werden.
Zwei Medaillen sind das Ziel – eine im Einzel und eine in der Staffel
Jetzt geht es aber für das deutsche Männer-Team erst einmal darum, die Bilanz dieser Olympischen Spiele zu retten. Bundestrainer Ullrich, der zwölf Jahre im Amt war, sieht noch keinen Grund zur Panik: „Wir haben zwei Medaillen als Ziel ausgegeben. Eine im Einzel, eine in der Staffel. Beides ist noch möglich.“
Dazu ist allerdings eine massive Leistungssteigerung möglich. Auch von Michael Greis, der läuferisch nicht in Bestform zu sein scheint. Am Sonntag will er beim Massenstart angreifen. Und sich vor allem nicht von außen verrückt machen lassen. „Ich sehe das hier ganz entspannt“, sagte Greis, „ich mache mir keinen Druck.“

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