Die Königin der Nacht
30.12.2008 | 16:11 Uhr 2008-12-30T16:11:00+0100
Vergessen war sie nie: Grace Jones, bürgerlich Mendoza und geboren auf Jamaica, definierte Disco in den 70ern und den Unisex-Look in den 80ern – ihr Hit „Slave To The Rhythm” ist bis heute aus keinem Club wegzudenken. Jetzt meldet sich die 60-Jährige mit neuem Album und einer Comeback-Tour zurück.
Grace, mit Blick auf die aktuelle Musikszene: Ist dir dein Einfluss bewusst?
Jones: Was die Musik angeht, bin ich nie besonders gut kopiert worden. Was mir aber auffällt: Viele Models sehen im Moment aus wie Doppelgängerinnen von mir.
Du hast zuletzt 2006 noch einmal als Model gearbeitet...
Jones: Stimmt, das war ein Gag. Aber ich strebe keine Laufbahn als Model mehr an.
Du bist mit deinem androgynen Stil sehr wichtig für die Modewelt gewesen. Wie stolz bist du auf deine Errungenschaften – auch in Bezug auf dein Spiel mit den Geschlechtern?
26.3. in der Philipshalle Düsseldorf.
Karten (59-83 €) gibt's im TICKET-SHOP, 01805/280123, www.DerWesten.de/tickets
Jones: Natürlich bin ich stolz darauf, dass ich quasi die erste war, die mit der Aufhebung von Stereotypen einen gewissen Massenerfolg erreicht hat. Und ob es mich freut, dass manche Menschen glauben, ich sei in Wirklichkeit ein Mann? Ja, das tut es! Bis heute ist ja dieser Mythos nicht aus der Welt zu bekommen. Mich amüsiert das.
Warst du immer schon so maskulin?
Jones: Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen, da passt man sich halt an, versucht sich durchzusetzen und wird selbst ein bisschen jungsmäßig. Also entwickelte ich mich zu einer Art Mädchenjunge.
Ist es denn wahr, dass du einen homosexuellen Zwillingsbruder hast?
Jones: Ja, Bishop Noel heißt er. Aber davon ab: Mein Leben ist gar nicht so über die Maßen schräg und mythenbeladen, wie es gern dargestellt wird. In den 70ern hatten wir natürlich alle unseren Spaß. Ab und zu ging man ein bisschen sehr weit – aber letztlich erfordert es klare Gedanken, viel harte Arbeit und gute Schminke, um als Freak akzeptiert zu werden.
Dein neues Album ist das erste seit 20 Jahren. Was ist der Grund dafür, dass du wieder eine Platte rausbringst?
Jones: Ivor Guest, mein Produzent und lieber Freund, hat den Ball ins Rollen gebracht. Ich hatte mich eigentlich vom Musikgeschäft verabschiedet. Aber nun, wo alle wieder Blut geleckt haben – mich eingeschlossen – greife ich halt wieder an. Ist auch schön so.
Eine deiner Platten heißt „Nightclubbing” (1981). Wie viel vom einstigen Partygirl steckt noch in dir?
Jones: Nichts mehr. Ich tanze nur noch zu Hause (lacht). Die Clubszene sagt mir nicht mehr zu. Das hat sich alles verändert und ist so langweilig geworden. Es gibt ja nur noch diese blöden Lounges, wo alle herumsitzen. Party mache ich lieber in meinen Shows, darauf kannst du dich verlassen.
Vermisst du die wilden Nächte im legendären New Yorker „Studio 54”, in dem es Drogen und Ausgeflipptheit in Massen gab?
Jones: Sooo oft war ich gar nicht im Studio 54! Ich meine, ich war bei der Eröffnung dort und habe mich auch danach einige Male blicken lassen...
Auch gerne nackt...
Jones: Klar, man musste sich dort ja auch immer was einfallen lassen. „Studio 54” war jedesmal ein Riesenerlebnis – ausgesprochen lustig, der Laden. So etwas wäre heute gar nicht mehr denkbar. Alles ist immer sittsamer geworden.
Nimmst du heute noch Drogen?
Jones: Was das angeht, war mein Standpunkt immer klar: Es ist okay, Drogen zu nehmen, aber man darf sich von ihnen nicht beherrschen oder in seiner Freiheit einschränken lassen. Wenn es so weit kommt, sollte man sich behandeln lassen. Ich denke etwa an Amy Winehouse. Ich glaube, dass sie es schafft. Aber sie schafft es nicht allein.
Du siehst nicht aus wie eine Frau mit 60. Woran liegt's?
Jones (lacht): Danke! Ich denke nicht über das Alter nach. Ich lebe immer in der Gegenwart und versuche, so wenig Stress wie möglich zu haben. Kurzum: Ich übertreibe nichts.

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