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Rechtsradikale

Die Demokratie und ihre Idioten

24.08.2012 | 18:19 Uhr
Die Demokratie und ihre Idioten
Bei einer groß angelegten Razzia in Dortmund und Umgebung wurden mehr als 140 Objekte durchsucht und Waffen sowie rechtsradikale Propagandamittel beschlagnahmt. Foto: Sascha Schuermann/dapd

Die Nachrichten aus dem braunen Schattenreich sind erschreckend. Die Straftaten nehmen zu, ebenso die Unterwanderungsversuche der Extremisten. So weit, so schlecht. Es gibt in diesem Zusammenhang aber auch eine gute Nachricht: Deutschland wird mit seiner Gefährdung fertig. Die wehrhafte Demokratie erweist sich, auch wenn sie wie im NSU-Fall oder bei islamistischen Salafisten einmal fehlerhaft agiert, als grundsätzlich erfolgreich.

Im Ausland wird das anerkannt. Wenn es, wie jetzt in Nordrhein-Westfalen, groß angelegte Polizei-Aktionen gegen Rechtsextremisten gibt, dann wird in der ausländischen Presse nicht mehr eine braune Gefahr an die Wand gemalt und das alte Bild von Deutschland als unsicherem Kantonisten beschworen, sondern es wird zufrieden registriert, dass hierzulande die Gefahr konsequent bekämpft wird. Nur so ist im übrigen erklärbar, dass Nachbarländer, von Deutschland unter Hitler einst überfallen, heute, in der Euro-Krise, nach einer deutschen Führungsrolle rufen. Deutschland wächst inzwischen eine Bedeutung und Verantwortung zu, die nach dem Jahrhundertverbrechen eigentlich auf immer verbaut war.

Breiter Konsens zum Umgang mit Antisemitismus

In Deutschland gibt es einen breiten, parteiübergreifenden Konsens darüber, wie man mit Antisemitismus umgeht. Es ist nicht erkennbar, dass dieser Konsens infrage gestellt würde, auch nicht in der Beschneidungsdiskussion, die zwar viele Zeilen füllt, aber im Grunde nachdenklich und mit Rücksicht auf die deutsche Verpflichtung gegenüber dem jüdischen Volk geführt wird.

Es gibt auch keine breite rechtsradikale Bewegung, die Aussicht auf Einfluss hätte. Ein Blick in die Niederlande, Schweden oder Finnland zeigt, dass dies keine europäische Selbstverständlichkeit ist.

Das Selbstbewusstsein einer Demokratie erweist sich am Umgang mit ihren Idioten. Auf einen rechtsradikalen Demonstranten kommen mindestens fünf Gegendemonstranten, auch in Rostock-Lichtenhagen. Dort wird der Bundespräsident an diesem Sonntag, 20 Jahre nach dem furchtbaren Ereignis, reden. Und den Deutschen für ihr Demokratiewunder Mut zusprechen.

Ulrich Reitz

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Kommentare
27.08.2012
13:40
Die Demokratie und ihre Idioten
von NaNaNaBatman | #3

Ich verstehe den Ruf nach einer deutschen Führungsrolle eher als einen Ruf nach deutschem Geld. Weiterhin ist Antisemitismus in der Tat ein Gefühl, das breitesten Bevölkerungsschichten unbekannt sein dürfte. Ein paar Verirrte gibt es noch, aber die würden wohl auch das Spaghetti-Monster hassen. Was es gibt ist ein wachsendes Unbehagen über Menschen, die negativ auffallen und, dass manche Diskussion unterdrückt wird. Nicht so bei 3Sat, abstimmen und heute Abend die Sendung schauen!

27.08.2012
10:02
Die Demokratie und ihre Idioten
von Kellermann50 | #2

Was ist mit den 2 von 5 Gegendemonstranten die bei einer Nazidemonstration lediglich darauf aus sind Polizisten zu verletzten, privates und öffentliches Eigentum zu zerstören oder einfach nur zerstören wollen?!

Der große "Antisemitismus" ist auch nicht unter den Deutschen anzutreffen. Man findet ihn in der Gruppe der Migranten türkisch/arabischer Abstammung.

In vielen Medien wird all das aber verschwiegen.

Die Menschen lesen dank Internet nicht mehr nur eine Zeitung. Die eigenen Erfahrungen kommen hinzu.

Die Straftaten der Rechtsradikalen sind im Gegensatz zu denen der Linksradikalen zurückgegangen. Rostock Lichtenhagen ist lange vorbei - aber man hält es am köcheln um Gelder im "Kampf gegen Rechts" fordern zu können.

Man sollte den Extremismus an allen Fronten bekämpfen und nicht so verlogen sein etwas zu verschweigen weil es nicht ins eigene Weltbild passt.

27.08.2012
09:47
Die Demokratie und ihre Idioten
von fuffzigpfennig | #1

Es ist absolut richtig, dass entschieden gegen Antisemitismus vorgegangen wird. Nur leider geschieht das ziemlich einseitig. Antisemitismus ist mindestens genauso unter Muslimen (bei weitem nicht nur unter Salafisten) und Linken verbreitet. Hier wird rein gar nichts unternommen und die Ablehnung dieser ebenfalls Radikalen ist so gut wie nicht wahrnehmbar. Antisemitismus wird immer nur im Zusammenhang mit deutschen Neonazis erwähnt. Sind die einen Antisemiten etwa gleicher und gesellschaftskompatibler als die anderen?

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