Der Wilde Westen liegt in Issum
26.09.2007 | 20:41 Uhr 2007-09-26T20:41:52+0200REITSPORT. Mit Hut und Lasso sitzen die Cowboys vom Landgut Steeg im Sattel. Auf Tempo und Dynamik kommt es ihnen an.
Sie können sie nicht mehr hören, die Vorurteile über den Marlboro-Man, der sein Lasso schwingt um wildromantisch am Lagerfeuer sitzt. Die Westernreiter auf dem Landgut Steeg in Issum sind zwar auch von Naturidylle umgeben, doch die ist eher typisch niederrheinisch als der wilde Westen. Die meisten Anwohner würden vermutlich mißbilligend den Kopf schütteln, wenn die Cowboys aus Issum hoch zu Ross mit Hut und Lasso ihre Kühe über die Straße trieben.
Ganz ohne große Viehherden und die Weiten der Prärie sitzen die niederrheinischen Cowboys dennoch fest im Sattel. Sie pflegen das so genannte Reining, die Dressur im Westernstil. Entstanden aus der Arbeit mit Rindern, kommt es heute im Wettkampf darauf an, aus dem gestreckten Galopp sofort anhalten zu können. Die so genannten Stopps wechseln sich mit rasanten Spins ab, bei denenen sich das Pferd in schwindelerregendem Tempo um seine eigene Achse dreht. Der speziell für die Western-Reiterei präparierte Boden wirbelt um die Hufe der Falben, Palominos und Schecken.
Tempo und Gelassenheit
"Es ist die Kombination aus Geschwindigkeit, Dynamik und der völligen Coolness, die die Western-Reiterei ausmacht", schwärmt Jörg Lambert, erster Vorsitzender der Regionalgruppe West der NRHA (National Reining Horse Association). "Western-Pferde sind stets gelassen und trotzdem hochintelligent. Sie denken bei jeder Aufgabe mit. Versuchen Sie mal bei einer englischen Dressur als Zuschauer Reiter und Pferd laut anzufeuern", sagt er grinsend. Er hat sein Faible für kleinen kompakten Westernpferde über seine Frau Katja entdeckt, obwohl er bis heute noch auf keinem der Tiere gesessen hat. "Ich habe mich damals sofort verliebt, als ich die kleine Blonde auf dem Landgut Steeg gesehen habe", ergänzt er und lacht.
Damit meint er nicht seine Frau, sondern das Pferd. Als blond werden die Palominos bezeichnet, die ihre für Quarter-Horses typische Falbenfarbe (ein helles Beige) mit weißer Mähne und weißem Schweif kombinieren. Fünf dieser Pferde besitzt die Familie inzwischen und hat mit ihren beiden Jährlingen die Basis für eine eigene Zucht gelegt.
Die Familie hat auch Jörg Fasse vor drei Jahren zur Reiterei gebracht. Fünf Mal in der Woche fährt er von Duisburg nach Issum, um seinen kastanienbraunen Hengst "Cantina Cat" zu reiten. "Für mich ist das Western-Reiten ein Ausgleich zur Arbeit", sagt er und lächelt entspannt. "Nachdem ich jahrelang Eishockey gespielt habe, genieße ich mein neues Hobby. Es macht viel Arbeit, aber die Pferde und die Reiter sind immer völlig relaxed."
Jörg Fasse begeistert sich für das "Cutting", eine Sparte der Western-Reiterei, die durch Tempo und Dynamik besticht. Bei dieser Disziplin geht es schon mehr zu, wie im wilden Westen. Der Reiter muss mit seinem Pferd eine Kuh aus ihrer Herde "herausschneiden" und dann durch Geschwindikeit, Reaktionsvermögung und der Wendigkeit seines Pferdes verhindern, dass sie zu ihren Artgenossen zurückkehrt.
Cowboyhut und Lasso
"Die Arbeit mit Rindern hat mich schon immer interessiert", sagt Jörg Fasse. Einen Cowboy-Hut und ein Lasso hat er schon, aber in der Abenddämmerung ein Kuh-Herde durch die Straßen von zu Issum treiben - das überlässt er lieber den echten Cowboys vom Schlag des Malboro-Man.

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