Der Sternstunde folgte 1966 eine feucht-fröhliche Nacht
17.12.2009 | 12:45 Uhr 2009-12-17T12:45:00+0100
Dortmund. 1966 gewann Borussia Dortmund in Glasgow als erste deutsche Mannschaft den Europapokal. Gegen den haushohen Favoriten FC Liverpool, die berühmten „Reds“ von der Anfield Road, gegen die britischen Fußball-Stars um Yeats, Hunt, Callaghan und Johnson. Erinnerungen an den Mai 1966.
Der Morgen danach: Es ist der 6. Mai. Einige Herren an der Bar des Londoner Flughafens Heathrow bestellen Bier. Sie tragen graue Hosen, die ein wenig aus der Facon geraten sind. Dazu dunkelblaue Blazer mit Wappen auf der Brust. Den frischesten Eindruck machen sie nicht. Sie sehen eher etwas mitgenommen aus.
Libuda hält die vermutlich längste Rede seines Lebens
Was die meisten Frühaufsteher nicht wissen können: Es handelt sich hier nicht um einen Klub von Kegelbrüdern, sondern um die Mannschaft, von der seit zwölf Stunden die Fußball-Welt spricht, die Spieler vom Europacupsieger Borussia Dortmund.
Und zwei jener Kicker, die maßgeblich an dieser Sternstunde beteiligt waren, genehmigen sich jetzt nachträglich einen Schluck auf diese Sensation. Denn in der feucht-fröhlichen „dritten Halbzeit“ hatten sie sich aus den Augen verloren. Es sind Sigi Held und „Stan“ Libuda, die Torschützen beim 2:1 gegen die konsternierten Briten, die nicht begreifen konnten, was sich am Abend abgespielt hatte im Hampden Park.
Ottmar Rhein, Presseoffizier bei der 7. Panzergrenadier-Division und BVB-Spielausschuss-Mitglied, kommt auf Libuda zu und will wissen, wie er, der „Dribbelkönig“ Libuda auf die Idee gekommen war, solch ein „krummes Tor“ zu fabrizieren. Der bei Schalke 04 groß gewordene Außenstürmer antwortete schlagfertig: „Major, Sie kennen doch was vom Fußball, und Sie wissen doch auch, dass die deutschen Rechtsaußen oft entscheidende Tore gemacht haben. Und diesmal war eben ich an der Reihe.“ Das war übrigens eine der längsten Reden, die Libuda in seinem Leben gehalten hat.
Das Spiel beginnt, wie alle Welt erwartet hatte: Borussia steht unter Dauerdruck des FC Liverpool. Dann Dortmunds offensives Lebenszeichen in der 61. Minute: Sigi Held passt auf seinen „Zwilling“ Lothar Emmerich, der spielt ihm den Ball zurück, Held nimmt ihn volley, und Liverpools Torhüter Lawrence schaut verdutzt aus der Wäsche – 1:0. Ganze sieben Minuten hält der Vorsprung. Dann tanzt Thompson Borussias Abwehrspieler aus, er passt in den Strafraum, und Hurst lässt sich nicht lange bitten – 1:1. Verlängerung.
2:1 nach Verlängerung
Was dann passiert, schilderte Alfred Heymann, der ehemalige Sportchef der „Westfälischen Rundschau“: „Die Waage neigt sich zugunsten der Liverpooler. Glauben fast alle im Stadion. Irrtum. Aki Schmidt setzt aus der Abwehr Sigi Held ein. Der geht an einem Gegner vorbei. Hat nur noch den Torwart vor sich. Schießt ihn an. Von Lawrence prallt der Ball ins Feld zurück. Libuda nimmt ihn auf und tut in diesem Moment das einzig Richtige. Er sieht den Torwart weit vor seinem Kasten, lässt einen Bogenschuss los, den Freund und Feind mit gemischten Gefühlen verfolgen, und in der 107. Minute landet der Ball im Netz. Er wird endgültig hineinbugsiert von Ronnie Yeats. Das ist der Sieg.“

09:49
Ja,das waren Zeiten und es war auch alles noch lockerer als Heute. Damals war ich fast jeden Tag beim Training,als Balljunge. Da hieß es dann auch schonmal, geh doch mal ins Tor,oder ab und an durfte ich auch mal ein bisschen mitspielen, Dann war das Fernsehen da,da hieß es, hohl doch mal eben den Europapokal, der stand im Umkleideraum und die Spieler hatten ihre Uhren darin,der Zeugwart kippte den Pokal um und die Uhren lagen im Waschbecken! Hier nimm mit! Das waren Momente,die ich nie vergessen habe.