Das Wattenmeer ist Weltnaturerbe
26.06.2009 | 16:34 Uhr 2009-06-26T16:34:00+0200
Sevilla. Das Unesco-Welterbekomitee hat das Wattenmeer in die Liste des Kultur- und Naturerbes aufgenommen. Das entschied das Gremium in Sevilla. Das Komitee würdigte das Wattenmeer «als eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde».
Das Wattenmeer ist als erste deutsche Naturlandschaft in die Liste des Welterbes aufgenommen worden. Das Unesco-Welterbekomitee stimmte auf seiner Jahrestagung im spanischen Sevilla einem entsprechenden Antrag Deutschlands und der Niederlande zu, wie die Deutsche Unesco-Kommission am Freitag in Bonn mitteilte. Umweltschützer warnten vor der Gefährdung des Gebiets durch Massentourismus und Ölbohrungen.
Ein einzigartiges Ökosystem
Das Welterbekomitee würdigte das Wattenmeer als «einzigartiges Ökosystem mit einer besonderen Artenvielfalt». Mit mehr als 9500 Quadratkilometern ist es eines der größten küstennahen und gezeitenabhängigen Feuchtgebiete der Erde. Es bietet Lebensraum für rund 10.000 Tiere, Pflanzen und Kleinstlebewesen. Jedes Jahr rasten zudem zehn bis zwölf Millionen Zugvögel im Wattenmeer und machen einen Zwischenstopp auf dem Weg von Südafrika nach Nordsibirien und Kanada.
Niedersachsen Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) erklärte, damit werde «der Einsatz der Wattenmeeranrainer zum Schutz dieses einzigartigen und faszinierenden Lebensraumes honoriert.» Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (SPD) betonte, die Aufnahme in die Welterbeliste sei «ein großer Imagegewinn» für sein Land.
Unesco-Schutz ist Verpflichtung für Bundesregierung
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, dies sei zugleich eine Verpflichtung auch für die Bundesregierung, dem Schutz des Wattenmeers auch in Zukunft hohe Priorität einzuräumen. Die FDP betonte, mit dem Titel sei eine nachhaltige Entwicklung der Region weiter möglich. Grüne und Linkspartei warnten indes vor einer Ausweitung der Ölförderung in der Nordsee. Das Watt müsse vor Verschmutzungen der Ölindustrie geschützt werden, erklärte die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Undine Kurth.
Auch Umweltverbände sehen weiteren Handlungsbedarf. Windenergieanlagen und der Massentourismus stellten eine «beständige Bedrohung» des Wattenmeers dar, erklärte der NABU. Greenpeace forderte «echte Schutzgebiete, in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt». Der BUND sprach sich für einen «naturverträglichen und nachhaltigen Tourismus» aus. Der WWF forderte die Ölindustrie auf, auf «auf jeden Ressourcenabbau» im Wattenmeer zu verzichten.
Bis zum Dienstag entscheidet das Welterbekomitee in Sevilla noch über weitere Neuaufnahmen. Am Donnerstag hatte die UNESCO das Dresdner Elbtal von der Welterbeliste gestrichen, weil sie durch den Bau der Waldschlößchenbrücke eine erhebliche Beeinträchtigung der Kulturlandschaft sieht. Die Deutsche UNESCO-Kommission appellierte in einer am Freitag verabschiedeten Resolution an Bund, Länder und Gemeinden, «sich vorbeugend oder in Konfliktfällen für Lösungen zu engagieren, die den außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbestätten erhalten». Bei künftigen Konflikten sollte es ein Schlichtungsverfahren geben.
Erste deutsche Naturlandschaft als Weltnaturerbe
Als Weltnaturerbe steht das Wattenmeer nun in einer Reihe mit dem Grand Canyon in den USA und dem Great Barrier Reef in Australien. In Deutschland ist das Wattenmeer die erste deutsche Naturlandschaft mit Welterbe-Status und insgesamt erst das zweite Weltnaturerbe. 1995 erhielt die Fossilienlagerstätte Grube Messel bei Darmstadt den ersten Weltnaturerbetitel Deutschlands. (afp/ddp/ap)

20:29
Und nach Gas oder Öl dürfen die Multis doch bohren. Das Gebiet ist außerdem so dicht an der Küste, dass die Windparks doch noch gebaut werden dürfen.
Weltnaturerbe ist eben etwas ganz anderes als Weltkulturerbe. Mit Natur kann man ja nach Belieben umspringen, bei Kultur gibt es strenge Regeln.
16:51
Wer schon mal an der Nordseeküste Urlaub gemacht hat, wird wissen, dass der Titel gerechfertigt ist. Es ist ein einmaliges Erlebnis, eine Wattwanderung mitzumachen!
13:27
jaja und in 3 bis 4 jahren stehen dann da die offshoreparks und schwupp, weg isser wieder, der titel :-)
13:26
getz aber keine brücke nach norderney bauen ....