"Das ist wie Chelsea gegen ManU"
14.02.2010 | 23:36 Uhr 2010-02-14T23:36:00+0100
Hagen. „Das ist wie Chelsea gegen ManU. Hier spielen die Besten der Welt gegeneinander.”
Reinhard Flormann, Vorsitzender des TSV Fichte Hagen, war vom Tischtennis-Bundesliga-Hit in Hagen so begeistert, dass er Parallelen zum britischen Fußball zog, wo die Topstars ihrer Zunft am Ball sind.
So wie beim gestrigen Tischtennis-Duell zwischen Rekordmeister Borussia Düsseldorf und dem aktuellen Tabellenführer TTC Fulda-Maberzell, das die Gastgeber nach äußerst spannendem Verlauf mit 3:2 gewannen.
Die Veranstaltung erwies sich als ungeahnte Zugnummer. Nur knapp 400 Tickets waren Mitte letzter Woche abgesetzt, 700 bis Samstag Abend. Tatsächlich füllten gut 1250 Tischtennis-Freunde die Halle, als Düsseldorfs Timo Boll und Fuldas Robert Svensson gestern um 14 Uhr den Bundesliga-Hit eröffneten. Eine Tribüne, die zunächst geschlossen und durch einen Vorhang verhüllt war, damit das Fernsehen (DSF, heute, 17 Uhr) bei seiner Zusammenfassung keine leeren Ränge zeigt, wurde ob des großen Andrangs doch geöffnet. Sie war schnell voll besetzt.
Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten. Trotz einer Leistenzerrung, die sich Timo Boll beim Aufwärmen zugezogen hatte, besiegte der Weltranglisten-Vierte Robert Sevensson nach Abwehr dreier Matchbälle mit 13:11 im fünften Satz.
Auch in der Folge bot der Erstliga-Hit Tischtennis vom Feinsten. Dabei mussten die Borussen mit dem Handicap fertig werden, dass auch ihr Japaner Seiya Kishikawa (Sehnenscheidenentzündung im Daumen) nicht fit war. „Dass wir dieses Spitzenspiel trotzdem gewonnen haben, gibt uns eine Menge Selbstvertrauen”, war Düsseldorfs Trainer Dirk Wagner begeistert. Wie Boll in seinem Eröffnungseinzel konnte auch Kishikawa einen Zähler beisteuern: Gemeinsam mit Christian Süß gewann er das entscheidende Abschlussdoppel. Den dritten Punkt für Düsseldorf erkämpfte Süß im Einzel gegen Fuldas schwedische Tischtennis-Legende Jan-Ove Waldner.
Die Atmosphäre gefiel allen: „Die Stimmung war sehr gut. Das war ein hochdramatischer und schöner Nachmittag”, fand Süß. Und auch Timo Boll lobte: „Gerade als es spannend wurde, sind die Zuschauer gut mitgegangen.”
Ergebnisse: Boll - Svensson 3:2; Kishikawa - Xi 0:3; Süß - Waldner 3:1; Boll - Xi 0:3; Süß/ Kishikawa - Waldner/Meng 3:2.
Kommentar
Verschneite Straßen aller Orten, närrisches Treiben in der Stadt. Der gestrige Karnevalssonntag schien im Vorfeld nicht gerade ein Traumtermin für ein Sport-Spektakel in Hagen zu sein. Doch die Resonanz, die der in die Hohenlimburger Phoenix-Halle ausgelagerte Tischtennis-Bundesliga-Hit Borussia Düsseldorf gegen Fulda-Maberzell fand, übertraf alle Erwartungen. 1250 Zuschauer bedeuteten Rekordkulisse für ein Tischtennis-Punktspiel in Hagen.
Und keiner bereute sein Kommen. Auch die Düsseldorfer nicht, obwohl sie eine arg kühle Spielstätte vorfanden, als sie um 11 Uhr vormittags eintrafen, und keine Umkleidekabinen nach ihrem Geschmack. Unter dem Strich sei man dennoch sehr zufrieden, meinte Borussen-Manager Andreas Preuß, als die vierstellige Kulisse am Nachmittag in inzwischen warmer Halle für eine prächtige Stimmung sorgte. Was der „gastgebende” Rekordmeister durchaus gebrauchen konnte, da er mit Timo Boll und Seiya Kishikawa zwei lädierte Spieler in seinen Reihen hatte.
Es reichte zum Sieg gegen einen Kontrahenten, der mit Wang Xi den gestern spektakulärsten Akteur aufbot. Der 26-jährige Chinese wies eindrucksvoll nach, warum er als einer der besten Abwehrspieler der Welt gilt. Durch seine Spielweise kommen Ballwechsel zustande, wie man sie sonst nur bei Show-Veranstaltungen erlebt. Dazu Boll, Süß und Jan-Ove Waldner als lebende Tischtennis-Legende - Sportlerherz was willst du mehr? Von daher war die Kulisse nur logisch - wenn auch nicht voraussagbar.
Dreimal hat Borussia Düsseldorf in Hagen jetzt um Erstliga-Punkte gekämpft, einmal um ein Weiterkommen in der Champions-League. Jedes Mal stimmte der Rahmen, egal ob in der Stadthalle, am Ischeland oder gestern in der Phoenix-Halle. Das riecht nach einer Fortsetzungsgeschichte.
Rainer Hofeditz

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