Chef kennt Ex-Mitarbeiterin angeblich nicht

Foto: Mike Röser
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Nachrodt/Altena.. Als sein Unternehmen in eine finanzielle Schieflage geraten war, hatte ein 29-jähriger Mann aus Nachrodt-Wiblingwerde die Krankenkassenbeiträge für seine Mitarbeiter offenbar nicht mehr aufbringen können. Jetzt stand er vor dem Amtsgericht. Seine Einlassung entpuppte sich als Überraschung.

Die Geschäfte im Bereich Logistik, Transport und Promotion waren immer schlechter gelaufen. Spätestens im April 2009 hatte der Jungunternehmer aus Nachrodt-Wiblingwerde mit dem Rücken zur Wand gestanden. Laut Anklage hatte er es deshalb versäumt, Krankenkassenbeiträge für drei Mitarbeiter zu zahlen. Vermuteter Gesamtschaden: über 1700 Euro.

Schaden von 1700 Euro

Jetzt saß der gescheiterte Geschäftsmann in Altena auf der Anklagebank. Offen räumte er ein, die Beiträge für zwei Mitarbeiter tatsächlich nicht beglichen zu haben. Seine Kunden hätten zu spät gezahlt, er habe viele Kosten gehabt. „Ich bin in eine Schuldenspirale gerutscht.“ Zwei Jahre habe er noch vergeblich versucht, wieder „auf einen grünen Zweig zu kommen“. Mittlerweile habe er Privatinsolvenz beantragt. Darüber hinaus sorgte er für Verblüffung: Was die dritte vermeintliche Angestellte betreffe, die würde er gar nicht kennen. „Die hat nie für mich gearbeitet“, beteuerte er. „Es würde mich auch interessieren, wer diese Frau ist“, betonte er wenig später.

Staatsanwaltschaft und Gericht wollten und konnten ihr Erstaunen nicht verbergen. Mit einer Offenbarung dieser Art hatte niemand gerechnet. Logische Konsequenz: Da nun weiterer Ermittlungsbedarf besteht, wurde das Verfahren ausgesetzt. Demnächst wird der Fall komplett neu aufgerollt.

Bei dieser Gelegenheit erhält der Angeklagte aus Nachrodt-Wiblingwerde vielleicht auch die Chance, die Dame kennen zu lernen, die monatelang für ihn gearbeitet haben soll – und für die er laut Staatsanwaltschaft keine Krankenkassenbeiträge gezahlt hat.