Gesundheit
Butter gegen Herzinfarkt?
25.08.2010 | 10:38 Uhr 2010-08-25T10:38:00+0200
Essen.Ein erhöhter Cholesterinspiegel gilt als einer der Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Helfen sollen von der Nahrungsmittelindustrie entwickelte Cholesterinsenker in Margarine, Wurst und Käse.
Der Herzinfarkt gehört zu den tödlichsten Erkrankungen in Deutschland: 21 Prozent der Todesfälle sind Folge eines Infarktes. Neben Rauchen, Übergewicht und Stress, zählt ein erhöhter Cholesterinspiegel zu den Risikofaktoren. Können Cholesterinsenker in Lebensmitteln helfen?
Cholesterin ist nicht per se schlecht
Cholesterin ist nicht so schlecht wie sein Ruf, denn es hat wichtige Aufgaben im Körper. Die fettähnliche Substanz ist ein Baustein für jede einzelne Körperzelle und ist außerdem beteiligt an der Bildung von Hormonen, Gallensäure und Vitamin D. Zum einen nimmt der Mensch den Stoff über die Nahrung auf, zum anderen bildet er ihn auch selbst. Da Cholesterin nicht gut in Wasser löslich ist, wird es für den Transport an Eiweiße gebunden. Man unterscheidet je nachdem an welches Eiweiß gebunden wird das gute Cholsterin, das HDL und das schlechte, das LDL.
Das LDL-Cholesterin lagert sich an den Wänden der Blutgefäße ab und führt damit zur Gefäßverengung. Folge: Das Blut fließt langsamer und das Herz wird nicht mehr ausreichend versorgt. Der HDL-Eiweiß schützt dagegen vor den Ablagerungen,löst das Cholesterin von den Gefäßwänden und transportiert es aus dem Körper.
Cholesterinsenker nicht zur Vorbeugung nutzen
Cholesterinsenker bestehen aus Pflanzensterinen, die eine cholesterinähnliche Struktur haben. Sie sorgen dafür, dass weniger des gefäßverengenden Stoffes aufgenommen wird. „Der Anteil an Gesamtcholesterin im Blut kann damit um bis zu 10 Prozent gesenkt werden, LDL-Cholesterin sogar um 15 Prozent“, sagt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW. „Doch zu viel davon ist nicht zu empfehlen.“ Denn selbst wenn die empfohlene Dosis von zwei bis drei Gramm täglich überschritten wird, nehme der Cholesterinspiegel nicht weiter ab. Ganz im Gegenteil könnten sie in großen Mengen eine Arteriosklerose sogar fördern.
Auch als Vorbeugung gegen Arterienverkalkung seien die Lebensmittel mit Zusatznutzen nicht zu empfehlen. Zur Prävention von Herzinfarkt und Schlaganfall ist eine herzgesunde Lebensweise besser geeignet. Dazu gehören:
• eine gesunde ausgewogene Ernährung
• regelmäßige Bewegung
• Stress reduzieren
• ausreichend erholsamer Schlaf
• genug trinken
• Übergewicht verringern
• nicht rauchen
• regelmäßiger Checkup beim Arzt
Nicht für jeden geeignet
Ausschließlich für Menschen mit einem erhöhten Cholesterinwert sind die cholesterinsenkenden Lebensmittel zu empfehlen. Für stillende Mütter, Schwangere und Kinder unter fünf Jahren sind diese Produkte jedoch ungeeignet. „Vorsichtig sollten auch Menschen sein, die Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels einnehmen“, betont Clausen. „Sie sollten das Essen dieser Lebensmittel mit ihrem Arzt besprechen.“ Diese Warnhinweise finden sich übrigens auf jeder Verpackung.
Überdosierung ist gefährlich
Milchprodukte, Margarine, Dressings, Brot und Käse oder Fruchtgetränke– zahlreiche Lebensmitteln sind mit Pflanzensterinen angereichert. „Und genau das kann zum Problem werden“, sagt Clausen. 25 Gramm Margarine enthalten beispielsweise genau den benötigten Tagesbedarf um den Cholesterinspiegel zu senken. Wer jedoch auch noch cholesterinsenkenden Joghurt isst, kann schnell überdosieren. Ungefährlich ist das nicht: Der gesundheitsfördernde Effekt kann sich umkehren und es kann sogar Arterienverkalkung ausgelöst werden.
Nur ein Prozent der Verbraucher kennt die Gebrauchshinweise
Selten ist diese Überdosierung nicht, wie eine Befragung der Verbraucherzentrale und des Bundesinstitutes für Risikobewertung im Jahr 2007 ergab. Demnach essen fast die Hälfte der Verbraucher Lebensmittel mit Pflanzensterinzusatz, ohne einen erhöhten Cholesterinspiegel zu haben.
Ein Drittel der Befragten, die cholesterinsenkende Medikamente einnehmen, nutzen die Lebensmittel ohne Absprache mit dem Arzt. Weniger als ein Prozent kannte alle Warn- und Gebrauchshinweise. „Das macht deutlich, dass eine Kennzeichnung nicht ausreicht, um Konsumenten zu schützen“, sagt Clausen. Deshalb fordert der Verbraucherschutz zusätzlich zu der Kennzeichnung, die seit 2004 Pflicht ist, auch eine deutliche Trennung der Produkte im Supermarkt.
Aber Clausen sieht auch die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Pflicht. „Wer von Lebensmitteln untypische Wirkungen erwartet, muss unbedingt auch das Kleingedruckte auf der Lebensmittelverpackung lesen. Wirkung ohne Nebenwirkung gibt es nicht.“

0mitdiskutieren