Beeindruckende Wiederaufbauarbeit
03.08.2009 | 17:50 Uhr 2009-08-03T17:50:00+0200Siegen/Ypern. Teil 3 unserer Serie "Urlaub in der Partnersdtadt":: Ypern. Drei Sehenswürdigkeiten, eine davon UNESCO-Weltkulturerbe, sind allein schon Grund genug für einen Besuch in Siegens Partnerstadt in Belgien.
Ein von mittelalterlichen Bauten und Cafe´s umgebener Marktplatz, eine Tuchhalle, deren 70 Meter hoher Glockenturm (Belfried) zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, und eine nicht minder imposante Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert: Ein Abstecher in das 35 000-Einwohner-Städtchen Ypern ist ein lohnendes Urlaubsziel. Wirft man einen genaueren Blick auf die belgische Partnerstadt Siegens, mehren sich Zweifel, dass es mit einem Kurzbesuch getan ist.
„Man kann in Ypern locker ein ganzes Wochenende verbringen”, bekräftigt Hans Günter Bertelmann und gerät ins Schwärmen: „Ypern ist eine beeindruckende Stadt.” Der UWG-Ratsherr besuchte Ypern vor etwa 20 Jahren als Teil einer Siegener Delegation und ist seitdem Stammgast.
Keine architektonische Sünde im Ortskern
Beschäftigt man sich mit Ypern beziehungsweise Ieper, wie es auf Flämisch heißt, kommt man an der wechselhaften Geschichte der ehemaligen Bischofsstadt nicht vorbei. Das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte schrieb der Erste Weltkrieg. Eine halbe Million Menschen starben damals in Ypern, mehr als 95 Prozent der Innenstadt lag in Trümmern. „Es ist unvorstellbar, wie man das wieder hingekriegt hat”, zollt der Siegener den belgischen Bauherren großen Respekt.
Eine Spezialität der Region, sind die in Familienbetrieben hergestellten Pralinen, die unter anderem in Geschäften rund um den Markt erworben werden können.
Ypern verfügt auch über eine lebendige Kneipenlandschaft. So reiht sich am Großen Markt ein Lokal an das nächste. Zu empfehlen ist zum Beispiel das „Jumelage” (dt. Partnerschaft).
Zu den kulturellen Höhepunkten gehört das „Katzenfest”, das jedes Jahr am zweiten Maisonntag gefeiert wird. Nach einem Brauch der alten Germanen wurden vom Ende des 12. Jahrhunderts bis 1817 lebende Katzen vom Belfried geworfen. Dadurch sollten die bösen Geister getötet werden, die von den Katzen symbolisiert wurden. Heute werden Spielzeugkatzen vom Belfried geworfen. Alle drei Jahre kommt ein festlicher Umzug hinzu. Dutzende Prunkwagen und zweitausend Statisten stellen die Rolle der Katze in Geschichte, Literatur, Dialekt und Folklore dar.
Für die Anreise nach Ypern empfiehlt sich der Pkw. Laut Routenplaner beträgt die Fahrtzeit für die 428 Kilometer 4:36 Stunden. Unter der Woche kann sogar auf dem Großen Markt geparkt werden. Mit der Bahn ist man etwa sieben Stunden unterwegs.
Weitere Informationen zu Ypern bietet das Tourismus-Büro in den Tuchhalen (Grote Markt 34, 8900 Ieper), 0032(0)57/23 92 20, E-Mail: toerisme@ieper.be
Die Wiederaufbauarbeiten begannen kurz nach Kriegsende und hatten die originalgetreue Rekonstruktion zum Ziel. Dieses Ziel wurde eindrucksvoll erreicht. Es gebe keine architektonische Sünde im Ortskern, versichert Bertelmann. Einen unattraktiven Einkaufstempel suche man in Ypern beispielsweise vergebens.
Durch den Wiederaufbau wurde das Gedenken an die Jahre 1914 bis 1918 aber keineswegs weggewischt. „Man hat in Ypern einen sehr guten Weg gefunden, damit umzugehen”, findet der Ratsherr, der die ganze Stadt als „tolles Mahnmal gegen den Krieg” bezeichnet. Angefangen bei den zahlreichen Soldatenfriedhöfen vor den Toren Yperns, die sich in einem tadellosen Zustand befinden.
Deutsche Besucher „freudig begrüßt”
Weiter in Form des Kriegerdenkmals Menenpoort (Gedenktor), wo die Namen gefallener Soldaten aus Australien, Neuseeland, England oder Frankreich verewigt sind. Einen Besuch wert ist definitiv auch die interaktive Ausstellung des Museums „In Flandern Fields” im ersten Stockwerk der Tuchhalle am Großen Markt (Grote Markt). Dort kann man die Ereignisse des Ersten Weltkriegs als Soldat, Krankenschwester, Einwohner von Ypern oder Flüchtling nachvollziehen.
Das lange Zeit reservierte Verhältnis der Yperner zu ihren deutschen Nachbarn habe sich mittlerweile deutlich entspannt, freut sich Bertelmann. „Es sind überhaupt keine Ressentiments mehr zu spüren. Im Gegenteil: Man wird freudig begrüßt.”

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