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Beatles-Alben klingen so satt wie nie zuvor - auf Vinyl

02.11.2012 | 18:21 Uhr
Die digital remasterte Ausgabe von „Magical Mystery Tour“ beim Test.Foto: Jürgen Overkott

Essen.   Die EMI hat die Beatles-Alben digital remastert. Nach der CD-Kollektion folgt jetzt eine Vinyl-Ausgabe. Die Scheiben sind als Box zu haben, aber auch als einzelne Langrille. Wir haben reingehört, ob sich die Anschaffung lohnt.

Die EMI legt die Studio-Alben der Beatles neu vor – digital remastert. Die Klassiker der Fab Four sind als Box vom 9. November an zu haben. Die einzelnen Langrillen kommen etwas später in den Handel. Klingt die Neuedition anders als die Originalscheiben?

Der Titel war Programm. Als die Beatles in der Schlussphase ihrer Karriere das legendäre Album „Abbey Road“ vorlegten, verwies der Titel direkt auf das Londoner Studio, in dem die Langrille entstanden. Das Studio war genauso wichtig wie die Band. Im Grunde genommen waren es nicht die Fab Four, die 1969 wieder einmal Musikgeschichte schrieben, sondern die Fab Six, die berühmten Sechs. John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr mögen die kreativen Köpfe gewesen sein. Aber ohne Meisterproduzent George Martin und Toningenieur Geoff Emerick wäre alles nichts gewesen. Tatsächlich setzte „Abbey Road“ Maßstäbe, auch tontechnisch.

Video
Buenos Aires, 21.02.11: Der argentinische Sammler Rodolfo Vásquez hat in 40 Jahren die weltweit größte Sammlung von Beatles-Devotionalien zusammengetragen. Gut 2500 seiner 8500 Erinnerungsstücke an die Fab Four zieren nun ein Museum in Buenos Aires.

Vier Jahre lang die Originale aufpoliert

Und nun bringt die Beatles-Plattenfirma EMI alle 13 Alben plus Bonus-Langrille „Past Masters“, einzelne Ausgaben wie als Box, noch einmal auf gutem, alten Vinyl heraus – klanglich überarbeitet. Lohnt das?

Für die EMI auf jeden Fall: Die vier Jungs aus Liverpool sind auf ihre alten Tage immer noch eine der größten Umsatzstützen ihrer Plattenfirma. Kein Wunder, dass die Musikmanager alle Jahre wieder eine neue Attacke aufs Weihnachtsgeld der Fans starten. 1986 mischte George Martin Beatles-Material digital neu ab. Aber die erste CD-Gesamtausgabe erschien erst 2009. Und dafür trommelte die EMI ein Team versierter Tonmeister zusammen, um den Klangschatz der Beatles aufzupolieren. Allan Rouse und Guy Massey und ihr vierköpfiges Team hatten ganze vier Jahre daran gearbeitet, Nebengeräusche von den Originalbändern zu entfernen. Mehr noch: Die Toningenieure schönten die Klangfarben der Aufnahmen, als seien sie verblichene Fotos.

Die Nachfrage nach Vinyl explodiert

Tatsächlich hat sich der Standard der Studiotechnik in den 60er-Jahren so massiv verändert, dass die frühen Aufnahmen der Beatles mit den späten Stücken klanglich kaum konkurrieren können. So gehört, lohnt sich die digitale Nachbearbeitung auch für die Fans. So wurden die Silberscheiben, in Mono wie in Stereo, ein weltweiter Hit. Aber warum dann noch eine Vinyl-Ausgabe?

Tatsache ist, dass die gute, alte Schallplatte zeitweise als aussterbende Gattung galt. Aber inzwischen hat sie sich als Nischenprodukt etabliert. In Deutschland erreichte sie voriges Jahr den bescheidenen Marktanteil von einem Prozent. Aber – und das ist für die Musikindustrie wichtiger – der Markt wächst rasant. Das Marktforschungsunternehmen Media Control machte allein für Deutschland ein Plus von 18,5 Prozent aus. Stellt sich die Frage nach dem Warum.

Hintergrund
Die LP-Box

Die Box enthält die Alben „Please Please Me“, „With The Beatles“, „A Hard Day’s Night“, „Beatles For Sale“, „Help!“, „Rubber Soul“, „Revolver“, „Sergeant Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, „Magical Mystery Tour“, „The Beatles“ (White Album), „Yellow Submarine“, „Abbey Road“, „Let It Me“ sowie „Past Masters“ mit B-Seiten. Die Aufnahmen sind bis auf wenige Ausnahmen in Stereo. Eine limitierte Sammler-Auflage enthält obendrein einen Bildband . Die Alben sind auch einzeln erhältlich.

Musik in der Hand halten

LP-Liebhaber schätzen das Gefühl, Musik in der Hand zu halten. Die Musikindustrie trägt dem Rechnung, in dem neue Schallplatten, wie die Beatles-Box, auf 180 Gramm schwere Vinyl-Scheiben gepresst werden. Damit sind sie deutlich schwerer als die Alben, die früher die Plattenläden überschwemmten. Vinyl-Nostalgiker lieben zudem, dass Fotos und Grafiken auf den im Vergleich zur CD wesentlich größeren Covern (31,5 x 31,5 Zentimeter) besser wirken. Genau deswegen heuerten die Beatles Topfotografen wie Robert Freeman oder Edelgrafiker wie Klaus Voormann an.

Der entscheidende Grund für Vinyl ist aber die Klang-Qualität. So meint Folkrock-Dino Neil Young, dass eine CD lediglich 15 Prozent des Klangbildes einer LP wiedergibt, vom noch kleineren Digitalformat mp3 ganz zu schweigen. HiFi-Voodoo oder Fakt?

Nicht alles klingt perfekt, aber der Sound ist satt, die Kanaltrennung super

Ich habe den Test gemacht mit mehreren Stücken aus unterschiedlichen Phasen der Beatles. Stets konkurrierten komplett analoge Aufnahmen meiner LP-Sammlung aus den späten 70ern mit den entsprechenden Stücken der Neupressung. Das Ergebnis fällt unterschiedlich aus. Die digital nachbearbeitete Version von „Across The Universe“ klingt dumpfer als das alte Schätzchen, die aufpolierte „Magical Mystery Tour“ wesentlich transparenter als ehedem. Zuweilen hat die Nachbearbeitung auch die Gewichte von Stimmen und Instrumenten zugunsten der Begleitung verschoben – etwa bei „Come Together“. Was aber alle Aufnahmen der Box eint: Sie klingen satter als früher, scheinbar nebensächliche Details sind plötzlich hörbar, und alle Stücke haben eine fantastische Kanaltrennung.

LP gilt als beständigster Tonträger

Die liebevoll ausgestattete Box hat allerdings ihren Preis. Bei Online-Händlern wie Amazon oder jpc wird die Kiste mit happigen 399 Euro notiert. Im Einzelverkauf kostet eine Langrille allerdings lediglich um die 20 Euro – ein überschaubarer Betrag für ein langes Vergnügen. Denn die LP gilt als beständigster Tonträger.

Jürgen Overkott



Kommentare
05.11.2012
15:26
Beatles-Alben klingen so satt wie nie zuvor - auf Vinyl
von flatulenz | #4

Die Frage ist doch, was ich von so einem Bericht erwarten darf?

Ist der Sch.reiberling Elektrotechniker, so dass er die substantiellen Unterschiede zwischen Vinylplatte mit RIAA-Kennlinie und CD herausarbeiten und bewerten kann?

Ist er Tontechniker, so dass er ansatzweise die Klangunterschiede nachvollziehbar beschreiben kann? Und wie steht es objektiv um sein Hörvermögen?

Hat er mit einem USB-Grammophone vom Kaffeeröster oder einem richtigen Plattendreher mit korrekt justiertem Tonabnehmer gehört?

Und was soll man sich unter "fantastische Kanaltrennung" vorstellen?
Stand das in der Pressemitteilung?

Der begrenzende Faktor ist hier nämlich nicht unbedingt die Schallplatte, sondern der Abtastvorgang durch die Nadel. Tonabnehmer haben prinzipbedingte Kanaltrennung von etwa 25-40 dB.

04.11.2012
16:10
Beatles-Alben klingen so satt wie nie zuvor - auf Vinyl
von Eduard79 | #3

"HiFi-Voodoo oder Fakt?"

Zum Thema "LP vs.CD" hätte Herr Overkott ja mal ein wenig recherchieren können. Ist es Journalismus, wenn ein Autor einfach nur seine eigene Plattensammlung durchhört bzw. vergleicht, und dies dann mit "klingt dumpfer" und ähnlichen subjektiven Eindrücken "untermauert"!? Das finde ich doch etwas dünn.

Dennoch: Lobenswert, an dieser Stelle einen Artikel über das gute alte Vinyl zu finden!

1 Antwort
Das Nicht-Knacken-lassen muß Kunst sein
von WhatDoesItAllMean | #3-1

Störgeräusche gehören zum Abspielen einer Schallplatte charakteristischerweise dazu. Die jedesmal spannende Kunst ist es, möglichst wenige davon auftreten zu lassen. Sie lassen unmittelbar Rückschlüsse auf die Pflege und Wertschätzung der Platten und mittelbar auf die ganze Lebenshaltung und Weltanschauung ihres Besitzers zu. Beim Abspielen einer Schallplatte offenbart sich unweigerlich auch immer zugleich ihr Besitzer. Seine manuellen und finanziellen Anstrengungen galten zwar der reinen Musik, dem reinen akustischen Ereignis. Tatsächlich war er aber dadurch Teil der Wiedergabe geworden.

Wie unverdient und kunstlos, geradezu popelig erscheint dagegen einem Schallplattenvirtuosen die vollkommene Knackfreiheit der CD, die selbst dem größten Schussel, Ignoranten und Grobmotoriker anstrengungslos in den Schoß fällt. Die nachgewiesen reine Musik, das reine akustische Ereignis einer CD läßt ihren Besitzer außen vor und dadurch einige frustriert zurück.

04.11.2012
10:18
Beatles-Alben klingen so satt wie nie zuvor - auf Vinyl
von Diplomhartzer | #2

Zitat:
"So meint Folkrock-Dino Neil Young, dass eine CD lediglich 15 Prozent des Klangbildes einer LP wiedergibt"

soso. Interessant, daß der Schlaumeier Young prozentgenau hören kann. Dann kann er sich sein Genäsel ja mal auf Vinyl anhören, um die nötigen Korrekturen vorzunehmen.

04.11.2012
00:59
Beatles-Alben klingen so satt wie nie zuvor - auf Vinyl
von Hufschmied | #1

Schön daß die gute alte LP wieder Zugewinne verzeichnet! Sie war ja nie verschwunden, aber ihr aktuelles Comeback ist toll. Wie oft gibt es heutzutage als Zugabe zum Vinyl das "Abfallprodukt" CD ;-) - Its only RocknRoll, but I like it.

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