Bankrott in 72 Fällen: Zwei Jahre auf Bewährung für Herscheider

Was wir bereits wissen
Zum Handwerker, jedoch leider nicht zum Kaufmann geboren, hatte ein 31-jähriger Herscheider seine Buchhaltung schleifen lassen und, als seine Ein-Mann-GmbH längst in finanzielle Schieflage geraten war, „stur“ weitergemacht. Freitag musste er sich wegen Steuerhinterziehung und Bankrotts vor dem Hagener Amtsgericht verantworten.

Herscheid.. War es um Aufträge im Baubereich gegangen, war der Herscheider der richtige Ansprechpartner gewesen. Mit Steuererklärungen und einer ordentlichen Buchhaltung hatte er sich jedoch nicht aufgehalten. So hatte er den Fiskus im Zeitraum zwischen April 2006 und Juni 2010 um rund 140.000 Euro Steuern geprellt – wenn auch sicherlich nicht mit purem Vorsatz. Auch hatte er schlicht und ergreifend nicht gewusst, wann Schluss ist.

Bankrott in 72 Fällen

Als seine GmbH im Prinzip bereits am Ende war und er den Betrieb nur noch hätte abwickeln sollen, hatte er die Scheuklappen aufgesetzt und weitergemacht, als sei nichts geschehen. Zahlungen von Kunden hatte er auf andere Konten überweisen lassen und die eingegangenen Beträge u.a. in Materialien für neue Aufträge „investiert“ – Bankrott in 72 Fällen. Schaden hier: um die 250.000 Euro.

Am Freitag saß der Herscheider, der bereits wegen ähnlich gelagerter Delikte vor Gericht gestanden hatte, in Hagen auf der Anklagebank. Über seinen Verteidiger räumte er die Vorwürfe im Wesentlichen ein – soweit er alles überblicken konnte. Der Angeklagte selbst schonte sich nicht, legte die Karten auf den Tisch und gab zu: „Ich habe da einfach geschludert.“ Der 31-Jährige sprach sogar von einem Chaos. Mittlerweile strebe er selbst ein Insolvenzverfahren an. „Ich drehe mich im Kreis. Ich will wieder auf einen grünen Zweig kommen.“ Sein Anwalt brachte es auf den Punkt: „Mein Mandant ist sicherlich nicht der typische Angeklagte, der sich mit immenser krimineller Energie bereichern will.“ Wie so oft habe er vom Kaufmännischen leider keine Ahnung gehabt.

Letzte Chance

Sein Geständnis, das den Verfahrensbeteiligten eine umfangreiche Beweisaufnahme ersparte, der bereits länger zurückliegende Tatzeitraum und der Umstand, dass ein erheblicher Teil des Geldes in Materialien geflossen war, sprachen letztlich für den Herscheider; die Vielzahl der Taten und die Schadenshöhe indes gegen ihn. Das Gericht gab ihm eine letzte Chance: zwei Jahre Haft auf Bewährung.