Bald fliegen in Phoenix-Halle wieder die Federbälle
16.04.2010 | 18:11 Uhr 2010-04-16T18:11:00+0200
Hagen. Eher rustikaler Charme, kaum Komfort, schlechte Sicht, Parkplatz-Not - und die Toiletten über den Hof: Die Phoenix-Halle ist gewiss nicht gerade ein Schmuckstück der Liga. Und doch hat erst das in Rekordzeit umgebaute Provisorium in der Färberstraße Bundesliga-Basketball erst möglich gemacht
Heute Abend ab 20 Uhr gegen EnBW Ludwigsburg erfolgt nach sechs Monaten der letzte Hochball, bald fliegen hier wieder Federbälle.
Die Hagener Bundesliga-Geschichte ist lang, von der Gründung 1966 bis 2003 gehörte die Stadt ständig der Basketball-Eliteklasse an. Erstliga-Korbjagd vor regelmäßig mehr als 2500 Besuchern hat indes keine Sportarena, sondern eine ehemalige Industriehalle ermöglicht. Mit viel Herzblut und Engagement hatten Phoenix-Freunde im letzten Sommer das für Badminton und Tennis genutzte Gebäude des Injoy-Centers zur 3013 Besucher fassenden Spielstätte umgerüstet, die ihre Erstliga-Tauglichkeit allen Unannehmlichkeiten eines Provisoriums zum Trotz nachgewiesen hat. Und als Bühne für die Harlem Globetrotters und das Topspiel der Tischtennis-Bundesliga gedient hat.
Offiziell 41 115 Zuschauer sahen die bisher 16 Bundesliga-Spiele in der Phoenix-Halle - und bisher fünf Siege der Gastgeber. Heute Abend gegen Ludwigsburg dürfte der beachtliche Schnitt von 2570 Besuchern noch einmal gesteigert werden, an der Abendkasse (ab 17 Uhr) gibt es nur noch Stehplatzkarten und etwa 25 von den Gästen zurückgegebene Sitzplatz-Tickets.
„Natürlich haben wir die Halle liebgewonnen”, sagt Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann, „aber sie war auch teuer und hat eine Menge Arbeit bereitet.” 350 000 Euro an Ausgaben hatte man ursprünglich veranschlagt, am Ende kostet der Ausflug nach Hohenlimburg etwa 570 000. Mit dem notwendigen Nachrüsten der Heizung begann die Kostensteigerung, weitere Reparaturen und Nachbesserungen der Arena in ungünstiger Lage kamen hinzu. „Die Halle ist eben nicht für 3000 Zuschauer gedacht”, räumt Herkelmann ein, „toll, dass sie überhaupt genehmigt werden konnte.” Die Entscheidung des Klubs, in der Färberstraße zu spielen und als Hallen-Betreiber zu fungieren, bleibt für ihn weiter ohne Alternative: „Ohne die Halle keine Bundesliga - und ohne Bundesliga hätte es die Entscheidung für den Ausbau der Ischelandhalle nicht gegeben.”
Dorthin kehrt Phoenix im Oktober zurück, heute Abend gegen 21.45 Uhr endet die kurze Bundesliga-Ära in Hohenlimburg. Bereits am Montag beginnt der Abbau der Tribünen, auch wenn das Team von Trainer Ingo Freyer bis zum Saisonfinale am 1. Mai weiter hier trainiert, am 30. Juni endet der Mietvertrag. An ProA-Ligist GiroLive Ballers Osnabrück, der ebenfalls eine Industriehalle umbauen will, gibt man bereits seine Erfahrungen weiter. „Wir sind in Gesprächen, dass Osnabrück einen Teil unserer extra angeschafften Ausrüstung übernimmt”, sagt Herkelmann, das gilt etwa für den Parkettboden.
Die Phoenix-Halle wiederum soll, wie Tobias Wabbel von den Färberstraßenareal-Besitzern erklärte, in den früheren Zustand zurückversetzt werden: „Nur die Notausgänge bleiben, falls doch wieder eine Veranstaltung hier stattfindet.” Wo die Basketballer heute einen wichtigen Schritt zum Ligaerhalt tun wollen, wird künftig also wieder Tennis und Badminton gespielt.

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