Demonstration
Auf die Straße für gemeinsamen Unterricht
05.10.2009 | 19:00 Uhr 2009-10-05T19:00:00+0200Eine Schule für alle fordert der Kreuztaler Verein Invema. Schule für alle heißt, Kinder mit Behinderung und solche ohne sollen gemeinsam unterrichtet werden.
Dass der Verein seine Forderung ernst meint, will er am in Kürze deutlich machen. Geschäftsführer Stephan Lück und seine Mitarbeiter haben für Donnerstag, den 8.Oktober eine Demonstration auf der Siegplatte angekündigt. „Wir wollen endlich, dass das gemeinsame Unterrichten von behinderten und nicht behinderten Kindern, die integrative Schule, rechtlich fixiert wird”, sagt Lück.
Er beruft sich dabei auf eine UNO-Konvention von 2006. Dieser Beschluss der Vollversammlung ist inzwischen von der Bundesrepublik ratifiziert und seit März dieses Jahres als innerstaatliches Recht anerkannt. „Allerdings ist die Konvention noch nicht im Schulgesetz verankert”, so der Invema-Geschäftsführer.
Deutschland weit hinter EU-Schnitt
Eltern behinderter Kinder, die ihre Kleinen nicht auf eine Sonderschule schicken wollen, sind, solange es keine verbindliche Schulgesetzgebung gibt, auf das Wohl und Wehe des Schulrats angewiesen.
Dabei gibt es gute Gründe für das integrative Modell. Claudia Gawrosch, Leiterin der Bodelschwingh-Schule in Buschhütten, hat über elf Jahre Erfahrung im gemeinsamen Unterrichten von Schülern mit und ohne Behinderung: „Jedes Kind hat seine Stärken”, sagt sie. Und die Stärken und Neigungen müssten angesprochen und gefördert werden. In Buschhütten, seit dreizehn Jahren eine integrative Schule, habe man durchweg gute Erfahrungen gemacht. Das belegten positive Rückmeldungen von Schülern selbst und deren Eltern.
Hinzu kommt, dass Deutschland auf diesem Feld enormen Nachholbedarf hat. „Im EU-Schnitt lernen etwa 80 Prozent der Kinder mit Behinderung an einer normalen Schule”, erläutert Stephan Lück. In Deutschland liege die Quote bei 17 Prozent, in Nordrhein-Westfalen gar nur bei 14 Prozent. Für die 14 Prozent habe man 14 Jahre gebraucht: „14 Jahre, die uns weiter hätten bringen können”.
Stephan Lück kündigt an, Eltern, deren Antrag, ihr behindertes Kind auf eine normale Schule zu schicken abgelehnt wurde, rechtlich zu unterstützen.

16:29
Allerdings ist die Konvention noch nicht im Schulgesetz verankert”, so der Invema-Geschäftsführer.
Braucht es ja auch eigentlich nicht...denkt man, hat Deutschland doch das Übereinkommen der UN ratifiziert.
Problem ist der Förderalismus, der Bildung zur Landessache macht. Die Länder sagen, sie haben das Übereinkommen nicht ratifiziert, welches also lediglich den Rang eines Bundesgesetzes habe. Bildung aber sei Landessache und erst müsse das Landesschulgesetz aktualisiert werden. Auf dieser Grundlage machen sie wieder alle eigene Sache.
Dabei geht es um Geld, aber vor allem auch weiterhin um Politik - das Aufrechterhalten von bestehenden Selektionsmechanismen, die wir bei der Drei- bis Fünfgliedrigkeit haben, bei der weiterhin hohen Quote von
Zurückstellungen usw.
In beidem sind wir nach wie vor Pisa Weltspitze.
Dabei: In einer Sache, die auch das Land betrifft (Bildung) gilt die Normenhierarchie und Bundesricht bricht Landesrecht....