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Berufsvorbereitung

Auf den guten Ton kommt es an

12.02.2010 | 17:42 Uhr
Auf den guten Ton kommt es an

Hilchenbach. Spaghetti mit Hackfleischsoße: Gekocht ist das ja leicht. Aber für den Zweck, für den sich die 8 b das Gericht in der Küche der Carl-Kraemer-Realschule auftischt, ist es eine Herausforderung.

 „Bei einem wichtigen Meeting würde ich mir das nie bestellen”, warnt Uta Fiedler von der Servicestelle „Übergang Schule/Beruf” des Berufsbildungszentrums bbz.

Weiße Blusen und feine Stoffe sind in Gefahr. Die Jungen und Mädchen haben sich festlich gekleidet. Nach und nach wird aufgetischt, was unter Anleitung von Annette Wolf, einer ehrenamtlich engagierten Mutter, zubereitet wurde – und Ute Spies passt auf, dass das im Kniggekurs Gelernte beherzigt wird: Ellenbogen weg vom Tisch, Serviette auf den Schoß, das Besteck von außen nach innen nehmen. „In dieser Klasse war das nicht schwierig.”

Vom „Grüßen” und Begrüßen

Zwei Kurse hat die „Initiative Zukunft fördern” der Schule spendiert. Zeitgleich zum Knigge-Finale führt die Klasse 7 unten in der Technikabteilung vor, wie sie binnen einer Woche unter Anleitung von Jens Bender Lego-Roboter dazu gebracht haben, Lasten zu heben oder zur Musik zu tanzen. Die malende „Roberta” bleibt nach drei Kreisen stehen. „Eigentlich sollte das das olympische Zeichen werden”, erklärt die junge Programmiererin, „aber dafür hat die Zeit nicht mehr gereicht.” Bei der Übergabe der Zertifikate lobt IHK-Geschäftsführer Klaus Gräbener das „beispielhafte” Engagement der Hilchenbacher, die erstmals schon in der fünften Klasse eine Technikklasse eingerichtet hat: „Wären alle Realschulen so auf dem Weg wie diese, wäre Berufsorientierung wesentlich glatter zu gestalten.”

Da, wo „Roberta” fast schon zur Familie gehört, ist allenfalls noch ein bisschen Feinschliff nötig. Rektorin Renate Setzer erkundigt sich nach den Details des Knigge-Kurses: „Was habt ihr denn über Handys gelernt?” „Bei Vorstellungsgesprächen am besten zu Hause lassen”, kommt die Antwort prompt. Und wer grüßt wen zuerst? Der Vorgesetzte den Untergebenen. Die Runde der Erwachsenen ist etwas irritiert – da wurde das „Begrüßen”, das Ausstrecken der Hand, mit dem berührungslosen „Grüßen” verwechselt. Und schließlich: beim Vorstellungsgespräch nicht zu spät kommen, die Jacke vor dem Hinsetzen ablegen, die Hände, wenn es eben geht, ruhig auf der Tischplatte liegen lassen.

Mehr als nur gepflegte Konversation

Die Vorspeisenteller, auf denen die Bruschette angerichtet waren, werden abgetragen, Schüsseln mit Spaghetti und Soße werden gereicht. Man prostet sich zu und übt sich in gepflegter Tisch-Konversation. Überhaupt – reden: Im Gespräch mit Gästen hat die Knigge-Klasse gelernt, auf fremde Menschen, auch auf deren Handicaps und Unterstützungsbedürftigkeit einzugehen, und in der Roberta-Gruppe entfalteten auf einmal auch die sonst eher stillen Jugendlichen Redetalent beim Erklären von technischen Zusammenhängen. Nur gelegentlich, wenn Herr Knigge Pause hat, bricht der ungefilterte Jargon durch. Wie das denn mit dem Kochen gewesen sei, fragt die interessierte Rektorin. „Dreckig”, lautet die knappe Antwort. Und gleich kommt der Pudding.

Steffen Schwab

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