Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Shorttrack

Apolo Anton Ohno ist der Star des Shorttracks

15.02.2010 | 18:23 Uhr
Apolo Anton Ohno ist der Star des Shorttracks

Vancouver.Apolo Anton Ohno hat im Shorttrack über 1500 Meter bereits Silber gewonnen. Der US-Amerikaner ist der Star dieser Sportart. Dabei hatte er nach den Olympischen Spielen in Turin 2006 drei Jahre ausgesetzt.

Apolo Anton Ohno ist ein Mensch, den es zweimal gibt. Der erste Ohno sitzt lächelnd bei einem Kaffee und plaudert über seinen Sport und seine Fernsehshows. Der zweite Ohno zieht seinen Rennanzug über und hat eine so eiskalte Ausstrahlung, dass man sich in seiner Nähe eine gefütterte Jacke wünscht.

„Auf dem Eis sind wir andere Menschen“, sagt der 27-Jährige. „Auf dem Eis gibt es Kampf, aber wir lassen nach dem Rennen alles auf dem Eis.“ Manchmal! Ohno hat wegen Morddrohungen schon auf Weltcup-Rennen verzichten müssen.

Der US-Amerikaner ist der Star des Shorttracks, bei dem Eisschnelllaufen wie ein ruppiges Wagenrennen funktioniert. Nur dass die Helden früher Ben Hur hießen und heute Apolo Anton Ohno. Wie zum Beispiel im Finale über 1500 Meter, Ohnos erstem von vier Rennen in Vancouver. Die Geschichte zwischen dem US-Boy und den Koreanern geht in die nächste Runde.

Gold in Salt Lake City

Die erste Runde gab es 2002. Bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City hatte Ohno nur deshalb Gold gewonnen, weil die Jury nach einem US-Protest den Koreaner Kim Dong-Sung disqualifizierte. Korea tobte, und koreanische Fans fuhren nach Seattle, wo Ohnos Vater einen Friseursalon besitzt. Dort packten sie Yaki Ohno am Kragen. Leibwächter marschierten auf, es folgten Morddrohungen, und am Ende stornierte Ohno seinen Flug zum Weltcup nach Seoul.

Der erste Ohne lächelt dieses Theater in Vancouver einfach weg. „Alles vorbei, Korea hat heute eine sehr starke Mannschaft “, sagt er. Der zweite Ohno kriegt sofort wieder Theater auf dem Eis.

Silber über 1500 Meter: Apolo Anton Ohno.

In der letzten Kurve des 1500-m-Rennens von Vancouver liegt einer von drei Koreanern vorne, Ohno dahinter, aber es gibt eine winzige Lücke. In diese Lücke stoßen die zwei weiteren Koreaner. Die Zuschauer halten den Atem an. Schießen die Koreaner ihren Lieblingsfeind Ohno ab? Nein, die beiden schießen sich gegenseitig ab und rauschen in die Bande, statt aufs Podium. Eigentor.

Ohno bleibt kalt wie ein Eiswürfel und gewinnt Silber, seine sechste Medaille bei Winterspielen. Aber es ist nicht nur der Erfolg, der Ohno in seiner Heimat so populär macht. Es ist seine Art zu leben, die ihn heraushebt.

Dabei beginnt seiner Karriere wie viele andere im Rahmen des Vaters, der ihm Schlittschuhe schenkt und der ihn nach Salt Lake City in ein Trainings-Internat nach Lake Placid verfrachten will. Der Vater hat Angst, dass Apolo in den Straßengangs von Seattle untergeht. Apolo ist damals 14 Jahre alt, Chef einer kleinen Bande, und er fliegt nicht nach Lake Placid. Er ruft seine Kumpel an, und die warten am Flughafen mit einem Auto. Apolo springt vor den Augen des Papas in den Wagen und taucht ab.

Der Weg nach oben

Aber er merkt: Shorttrack ist für ihn der Weg nach oben. Er versöhnt sich mit seinem Vater, der ihm seitdem aus Aberglauben vor jedem Wettkampf die Haare schneidet, und gewinnt bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City und Turin fünf Medaillen.

Dann schmeißt er alles hin.

Ohno ist damals 23 Jahre alt, und er will leben ohne Diät, ohne Training, ohne Vorschriften. Er hat genug Geld verdient und schläft morgens aus. Er isst zum Frühstück Pancakes mit Ahornsirup statt Müsli, und er meldet sich bei „Dancing with Stars“. In der Fernsehshow, die funktioniert wie „Deutschland sucht den Superstar“, tanzt Ohno mit der Profitänzerin Julianne Hough auf den ersten Platz.

Und dann wirft er sein zweites Leben hin.

Drei Jahre hat er nach seinem Olympia-Auftritt in Turin kein Rennen bestritten, aber plötzlich vermisst er den Sport. „Es sind diese Momente, die du nur im Sport erlebt“, beschreibt er den Grund für seine Rückkehr. Das US-Nationalteam hat mittlerweile einen koreanischen Coach. Ausgerechnet! Und Jae Su Chun ist ein knallharter Trainer, der auch ein Straflager befehligen könnte.

Englisch spricht er kaum, aber er trifft den richtigen Ton für Ohnos Seele. Ohno quält sich ein Jahr lang in der Vorbereitung, er wiegt zehn Kilo weniger als bei seinem Olympiasieg 2002, und er setzt beim Rennen die Buster-Keaton-Miene auf, die ihn undurchschaubar macht.

Trainer Jae Su Chun liefert eine einfache Erklärung für Ohnos erfolgreiche Rückkehr: „Er hat den besten Trainer der Welt und macht, was der ihm sagt.“ An manchen Tagen kann das zwölf Stunden dauern.

Der erste Ohno schüttet heißen Kaffee nach und lächelt, während sein Coach spricht. Am Mittwoch wird im 1000-m-Rennen wieder der zweite Ohno auf dem Eis stehen. Dann ist es vorbei mit dem Lächeln.

Ralf Birkhan

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3419796/create

Umfrage
Der Eurovision Song Contest rückt näher - wer ist Ihr Favorit für den ESC-Sieg?

Der Eurovision Song Contest rückt näher - wer ist Ihr Favorit für den ESC-Sieg?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Dirt: Showdown
Bildgalerie
Fotostrecke
Mario Tennis Open
Bildgalerie
Fotostrecke
Bilder zu "Awesomenauts"
Bildgalerie
Fotostrecke
Max Payne 3
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Was das Satire-Orakel dem MSV Duisburg prophezeit
MSV-Satire
Der MSV Duisburg hat sicher schon ruhigere Zeiten erlebt. Am Abend spielen die Zebras gegen Greuther Fürth. Wohin führt der Weg des Fußball-Zweitligisten? Was das Satire-Orakel dem MSV so alles prophezeit.
Greulich gibt Antworten auf Fragen zu Tiger & Turtle
Bezirksvertretung
!5 Punkte umfasst ein Fragenkatalog, den die Fraktionen von SPD und Grüne sowie Mirze Edis für die Linken nun als Tischvorlage bei der letzten Sitzung der Bezirksvertretung vorgelegt haben. Obwohl druckfrisch auf dem Tisch, stimmten CDU und Dr. Horst Wegner (FDP) der Aufnahme auf die Tagesordnung...
Foto Video 8 Kommentare 8