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Eisschnelllauf

Anschütz-Thoms’ Leid war Beckerts Glück

15.02.2010 | 10:55 Uhr
Anschütz-Thoms’ Leid war Beckerts Glück

Vancouver.Stephanie Beckert ist erst 21 und steht am Anfang ihrer Karriere. Trotzdem holte sie im Olympic Oval die Silbermedaille. Die 14 Jahre ältere Daniela Anschütz-Thoms hingegen litt. Als Vierte verpasste sie eine Medaille.

Als Daniela Anschütz-Thoms mit ihren Kufen über die Ziellinie des Olympic Ovals glitt, stieß Stephanie Beckert einen kurzen, schrillen Schrei der Freude aus. Weil ihre um 14 Jahre ältere Trainingskollegin aus Erfurt in der letzten Runde des 3000-Meter-Rennens am Ende ihrer Kräfte angelangt war und als Vierte die so sehr ersehnte erste olympische Einzelmedaille verpasst hatte, hatte Beckert ihre Silbermedaille sicher.

Stephanie Beckert holte Silber

„Ich habe die Scheiße einfach an der Backe kleben, ich kann es nicht einfacher sagen“, entschuldigte sich Anschütz-Thoms für ihre drastisch-offenen Worte. Das Leid der einen war das Glück der anderen. Der Jubel von Stephanie Beckert hielt sich jedoch in Grenzen. Die Sportsoldatin im Rang einer Hauptgefreiten ist nun mal kein Typ der überschwänglichen Gesten und erst recht nicht der großen Worte. Sie lässt lieber die Leistungen sprechen – und die können sich sehen lassen. Bei ihrer olympischen Premiere musste Beckert nur die fünffache tschechische Weltmeisterin Martina Sablikova vorbeiziehen lassen.

Mit 21 steht Beckert noch am Anfang ihrer Karriere. Sie ist der große Hoffnungsträger einer Sportart, die im vergangenen Jahrzehnt den deutschen Medaillenspiegel durch die Erfolge einer Gunda Niemann-Stirnemann, Claudia Pechstein und Anni Friesinger kräftig aufpoliert hat. Ob Zickenkrieg, erotische Fotos oder Doping-Verdächtigungen, Schlagzeilen machte auch das Geschehen abseits des Eis-Ovals. Jetzt soll es Stephanie Beckert richten, das Eisschnelllaufen in aller Munde zu halten. Nicht mit Skandalen, sondern ausschließlich mit Medaillen und Rekorden.

Beckert hat den gleichen Manager wie Anni Friesinger

Das Talent für das schnelle Gleiten über die Eisfläche hat sie zweifellos, aber in ihrer Außendarstellung muss die Erfurterin noch hart an sich arbeiten, wenn sie solch ein Star wie Anni Friesinger werden will. Bisher hat sie in Klaus Kärcher nur den gleichen Manager wie die lebensfrohe Inzellerin. Stephanie Beckert gibt zu, dass Interviews für sie immer noch ungewohnt seien. Sie ist nicht locker. Manchmal wirkt sie sogar ein wenig schroff, obwohl sie so nur ihre Unsicherheit überdecken will. Es sei zwar schön, sich im Fernsehen zu sehen, sagt sie, aber sie sei dabei noch sehr aufgeregt.

Daran muss sie arbeiten, denn ihre Begabung, mit Klappschuhen über das Eis zu flitzen, ist so groß, dass sie wohl noch viele, sehr viele Interviews geben muss. Am liebsten erzählt sie über ihre Familie. Und die ist auch wirklich bemerkenswert. Ihr 19-jähriger Bruder Patrick zählt in Vancouver auch zum Olympia-Team, und mit den Geschwistern Jessica (15) und Pedro (13) machen sich weitere Beckerts schon fit für höhere Aufgaben. Wer bei den Beckerts dem Krabbelalter entwachsen ist, wird auf Schlittschuhe gestellt. Stephanie begann mit zwei Jahren auf dem Eis zu laufen. Allerdings drehte sie erst feine Pirouetten, ehe sie mit zehn Jahren zum Eisschnelllauf wechselte.

Nur Vierte: Daniela Anschütz-Thoms

Ihr großes Vorbild ist Gunda Niemann-Stirnemann. Ihr Zimmer hat Beckert mit Postern der dreimaligen Olympiasiegerin tapeziert. Tag für Tag trainiert sie in der nach ihrem Idol benannten Halle in Erfurt. Ihr Trainer Stephan Gneupel, der schon Gunda Niemann an die Weltspitze führte, lobt den extremen Ehrgeiz von Stephanie Beckert. Manchmal sei es sogar zuviel des Guten. Dann müsse er sie ein wenig bremsen. Das wird er demnächst auch in anderer Hinsicht tun. Denn es wird wohl das eintreten, vor dem Gneupel schon vor der olympischen Mission gewarnt hat: „Gefährlich wird es erst, wenn ihr nach Olympia alle auf die Schultern klopfen und die Manager antanzen.“ Gneupel hat ein warnendes Beispiel vor Augen. Der ebenfalls aus Erfurt kommende Leichtathlet Nils Schumann kam nach seinem Olympiasieg 2000 über 800 Meter nie mehr an diesen Erfolg heran. Das soll Stephanie Beckert nicht passieren, sie soll ihre Chance besser nutzen. Am besten schon hier in Vancouver über 5000 Meter.

Auch wenn sie dann wieder diese ungeliebten Interviews geben muss.

Thomas Lelgemann

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15.02.2010
11:56
Anschütz-Thoms? Leid war Beckerts Glück
von TheRealThomasS | #2

Die Überschrift ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch inhaltlich falsch, da Stephanie Beckert unabhängig von der Platzierung Daniela Anschütz-Thoms in jedem Fall eine Medaille gewonnen hätte.
Sieht so Qualitätsjournalismus a la Pisa aus?

15.02.2010
11:49
Anschütz-Thoms? Leid war Beckerts Glück
von Zeche | #1

Das 3000- Meter- Rennen im Eisschnelllauf der Frauen war trotz der späten Stunde ein Genuss.
Nachdem die fünffache tschechische Weltmeisterin Martina Sablikova gelaufen war (4:02.53), war klar das ihr die Goldmedaille nicht mehr zu nehmen war.
Aber davon ließen sich die beiden Deutschen Frauen nicht beeinflussen. Daniela Anschütz – Thoms und Stephanie Beckert liefen ein großartiges Renn und am Ende sprang die Silbermedaille für Stephanie Becker heraus. Danela Anschütz – Thoms (4:04.87) verfehlte knapp hinter der Kanadierin Groves (4:04.84) die Bronzemedaille und belegte den vierten Platz.
Eine großartige Leistung Herzlichen Glückwunsch.
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