Angeklagter im Hünsborner Mordprozess will reden
25.11.2009 | 11:52 Uhr 2009-11-25T11:52:00+0100
Hünsborn/Siegen. Vier Verhandlungstage ging im Mordprozess von Hünsborn kein Wort über die Lippen des Angeklagten. Jetzt will der 47-Jährige, der seine Freundin erstochen haben soll, sein Schweigen brechen. Bis Weihnachten möchte der zuständige Richter zu einem Urteil kommen.
Der Angeklagte aus Hünsborn, der seine Freundin getötet haben soll, will reden. Das kündigte Verteidiger Andreas Trode nach einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Beschuldigten in der Zelle unterhalb des Schwurgerichtssaales an. Dann könnte nach mehreren Verhandlungstagen Bewegung in den Mordprozess von Hünsborn kommen. Fakt ist: Der Prozess wird länger dauern als geplant. Urspünglich wollte die Kammer am fünften Verhandlungstag das Urteil sprechen.
Nun wird der Prozess am Montag, 30. November, um 13.30 Uhr fortgesetzt. Dann soll es zunächst die Aussage des Angeklagten und danach das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen, Dr. Ingrid Kamps, zur Schuldfähigkeit geben. Zum weiteren Ablauf meinte Richter Wolfgang Münker: „Wir wollen sehen, dass wir vor Weihnachten zu einem Urteil kommen.”
Ganz normal mit ihm geredet
Als Zeuge sagte der Leitende Oberarzt (47) der Psychiatrie am Olper Martinus-Hospital aus. Am späten Vormittag des Tages, nach dem der 47-Jährige seine Lebensgefährtin (51) erstochen haben soll, habe er mit ihm gesprochen. „Ich hatte den Eindruck, dass ich ganz normal mit ihm reden konnte”, sagte der Arzt. Der in der geschlossenen Psychiatrie ans Bett gefesselte Beschuldigte habe auch Angaben zur Tat gemacht.
„Er sagte, er habe seine Lebensgefährtin mit dem Messer tödlich verletzt und sich dann selber Stichverletzungen zugefügt.” Dabei habe er sich betroffen gezeigt. Von einer möglichen Suizidgefahr habe er sich im Laufe des Tages distanziert. Eine psychiatrische Vorgeschichte habe er ebenso verneint wie ein Alkoholproblem, so der Arzt weiter.
Tat als Unfall dargestellt
Im Gerichtssaal abgespielt wurde auch eine Cassette von der Beschuldigten-Vernehmung der Mordkommision Hagen. „Ich war ein Spieler und habe die Beziehung kaputt gemacht”, hatte der Angeklagte gesagt. Damals hatte der 47-Jährige die Bluttat als Unfall dargestellt: Die Freundin habe versucht, ihm das Messer wegzunehmen, als er sich die Pulsadern aufschnitt.
Er habe nicht vorsätzlich gehandelt, so die damalige Aussage bei der Mordkommission. Seltsam: Erst schilderte der 47-Jährige, dass er neben der Freundin im Bett lag, später, dass er über sie gebeugt gewesen und mit dem Messer in sie „reingefallen” wäre. Wie berichtet, hatte der Angeklagte seiner Schwester am 9. April kurz nach der Tat am Telefon gestanden, seine Freundin umgebracht zu haben.

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