Angeklagter brach in Tränen aus
02.09.2010 | 16:51 Uhr 2010-09-02T16:51:00+0200
Kreis Olpe.Ob sie „etwas Gutes, etwas Schönes oder etwas Nettes über den Angeklagten“ sagen können, will Verteidiger Andreas Trode von allen Zeugen wissen. „Leider nicht“, antwortet einer.
Die übrigen äußern sich ähnlich. Und alle, das arbeitet der erfahrene Anwalt heraus, sind überzeugt, dass der 27-jährige Mann aus Olpe in der Nacht zum 24. Januar in die Wohnung seiner ehemaligen Lebensgefährtin eindrang und sie umbrachte. Was zu erheblichen Abweichungen von den vorherigen Aussagen bei der Polizei führe, zu Ungunsten seines Mandanten. „Und wenn er es gar nicht gewesen wäre“, fragt er. „Dann würde sie wohl noch leben“, kommt zurück.
Der Angeklagte selbst schweigt dazu. Der dritte Tag der Verhandlung vor dem Siegener Schwurgericht vergeht wie der vorherige mit Zeugenvernehmungen. Freundinnen der toten Frau werden befragt, der Freund ihrer Schwester und einige Frauen, mit denen der Angeklagte sich im Januar nach der Trennung von seinem mutmaßlichen Opfer über die Internet-Plattform „Wer kennt wen“ verabredet hatte. Sie alle zeichnen ein ähnliches Bild des Olpers. Im persönlichen Umgang mit den später vernommenen jungen Frauen war er bestimmend, „aber eher nett“. Auch jene, die in engerer Beziehung zum Opfer standen, haben ihn zumindest anfangs so erlebt. In Bezug auf die Getötete aber sei er eifersüchtig und besitzergreifend gewesen, habe es nie gern gesehen, wenn Besuch kam und stets darauf bestanden, dass sie sich an seine Anweisungen hält. Mehrfach habe er ihr Leben bedroht.
Er wollte nicht, dass sie mit nach Düsseldorf kommt“, berichtet eine Kusine der Toten aus Norddeutschland, die im Januar 2009 beruflich auf der „Boot-Ausstellung“ in der Landeshauptstadt war. „Ich bin ja nicht so oft hier in der Region, wir wollten zusammen feiern“, erzählt sie. Der Angeklagte habe es ihrer Cousine verboten. Sie habe fast eine Stunde mit ihm telefoniert und gestritten. Er habe nicht gewollt, dass die Frauen in die Disco gehen und seine Freundin dort andere Männer trifft. Das sei doch unmöglich, ereifert sich die Frau.
Ein Ex-Freund der Toten berichtet, er habe den Angeklagten im Olper Krankenhaus getroffen. Er selbst arbeite dort, der Angeklagte habe im November 2009 Sozialstunden abgeleistet, nach einem Verfahren wegen Körperverletzung gegen das Opfer. Ein Kollege habe ihm erzählt, der Mann wolle eine Spritze haben, möglicherweise, „um seine Alte kalt zu machen“. „Das war aber nur Gerede“, sagt der Zeuge schnell. Auf Nachfrage des Verteidigers gibt er allerdings zu, die Geschichte der Schwester der Toten erzählt zu haben, die sie wiederum dem späteren Opfer berichtete. Die junge Frau sei sehr aufgeregt gewesen. Der Angeklagte, bis dahin recht gelassen und manchmal amüsiert wirkend, bricht plötzlich in Tränen aus. Er sei damals durch die Verstorbene angerufen worden, erklärt sein Anwalt. Er habe den Vorfall dem Vorgesetzten des Zeugen gemeldet, der sich am nächsten Tag rechtfertigen musste. „Was haben Sie eigentlich in der Nacht zum 24. Januar gemacht“, will Trode dann von dem 45-Jährigen im Zeugenstand wissen. Er sei bei seiner Freundin gewesen, sagt der nach kurzem Zögern.
Nächsten Montag wird die Schwester des Opfers vernommen. Außerdem soll auch die Aussage des jungen Opfers aus dem ersten Verfahren gegen den Angeklagten verlesen werden, ebenso ein Vermerk, den sie an diesem Tag geschrieben hat. Dazu will die Kammer weitere Zeugen hören, nachdem zwischendurch Zweifel an der Tatzeit aufkamen. Ein Bekannter will die junge Frau am Sonntag Nachmittag noch lebend gesehen haben. Der Verteidiger regte zudem an, ein Video zu besorgen, dass auf einer Hochzeit in Polen bei der Familie der Toten entstand. Der Angeklagte sei immer nur missmutig gewesen, behaupteten die Zeugen. „Das Video zeigt vielleicht einen bösen Blick, aber auch viele fröhliche Momente mit meinem Mandanten und den anderen“, stellt Andreas Trode fest.

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