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Ammann auf dem Skisprung-Olymp

14.02.2010 | 11:32 Uhr
Ammann auf dem Skisprung-Olymp

Whistler.Es war der Tag der großen Lobeshymnen für einen nur knapp 1,70 m großen Mann, der zwar schon 28 Jahre alt ist, doch immer noch jungenhaft aussieht. Mal wird der Schweizer mit Heidis Geißen-Peter verglichen, mal wird er wegen seiner frappierenden Ähnlichkeit mit dem Filmhelden als „Harry Potter der Lüfte“ bezeichnet. Aber Simon Ammann ist keine Phantasiegestalt einer Johanna Spyri oder einer J.K. Rawlings. Simon Ammann ist ein leibhaftiger Star, der erste Olympiasieger der 21. Winterspiele von Vancouver und mit nun drei Goldmedaillen nach Matti Nykänen und Jens Weißflog der erfolgreichste Skispringer der olympischen Geschichte.

„Die Vorstellung, die der Simi hier hingelegt hat, ist unglaublich“, sagte Michael Uhrmann, „solch ein Vorsprung auf der Normalschanze ist total außergewöhnlich und zeugt von seiner Extraklasse.“ Der 31-järige Uhrmann hätte fast für eine gewaltige Sensation gesorgt. Mit einem Satz auf 103,5 m lag der Bayer nach dem ersten Durchgang noch auf Platz zwei, verpasste mit 102 m im zweiten Versuch eine Medaille und landete auf Rang fünf. Ammann gewann vor dem Polen Adam Malysz und dem Österreicher Gregor Schlierenzauer.

Sieben Punkte vor dem Zweiten: Ammann schien bei seinen Flügen auf 105 und 108 m wie auf einem Luftpolster zu schweben. Bundestrainer Werner Schuster erklärte die Überlegenheit des Toggenburger Bauernsohns so: „Im Skispringen nutzt du einen Luft-Korridor, der sich durch die Absprunggeschwindigkeit und die Absprunghöhe ergibt. Simon reizt beides aus, seine Sprünge sind am Limit, aber er steht sie.“ Schuster selbst hat mit Ammann in seiner Zeit als Schweizer Nationaltrainer gearbeitet. „Der Simi ist ein ganz spezieller Typ“, sagt er, „er hat ein Gottvertrauen, weil er so viele Erfolge gefeiert hat. Das macht ihn stark. Es hat ihm auch geholfen, dass er schon einmal Olympiasieger war und es nicht erst werden musste.“

Olympiasieger Simon Ammann.

Die Erfolge flogen ihm nicht ständig zu. Zwar wurde Ammann schon 2002 als krasser Außenseiter Doppel-Olympiasieger, doch hatte er danach einige Jahre, in denen von seinen großen Flugeigenschaften nichts zu sehen war. Vor vier Jahren landete er sogar bei Olympia in Turin nach einem Sturz in der Bande. „Es ist toll, wie er sich nach oben gezogen hat“, sagte Martin Schmitt. Ammann, den dreimaligen Olympiasieger, Schmitt, den viermaligen Einzel-Weltmeister, und Uhrmann, den Team-Olympiasieger von 2002, verbindet einiges. Alle Drei arbeiteten sich aus einem Tief wieder nach oben.

Schmitt fehlt die Konstanz

Schmitt wurde im vergangenen Jahr Vize-Weltmeister und zeigte in Whistler mit seinem zweiten Versuch auf 103,5 m, dass er seine Zwangspause wegen eines Erschöpfungssyndroms sehr gut genutzt hat und wieder fit ist. Weil jedoch noch die Konstanz fehlt, wie im ersten Durchgang auf nur 99,5 m zu sehen war, blieb ihm nur Platz zehn. Als Skispringer mit hervorragenden Flugeigenschaften könnte Schmitt von der Großschanze am Samstag weiter vorne landen.

Das gilt auch für Michael Uhrmann. Der Routinier, der bei der Vierschanzentournee vor sechs Wochen der Weltspitze weit hinterher gesprungen war, steckte die verpasste Medaillenchance gut weg. Schon vor vier Jahren hatte als Vierter das Podium um nur 25 Zentimeter verfehlt. „Vor vier Jahren habe ich mich viel schlechter gefühlt“, sagte Uhrmann, „ich bin stolz, dass ich mich wieder herangearbeitet habe. Wer hätte vor vier Wochen daran denken können, dass ich die Großen hier so kitzeln kann.“

Der Größte unter den Großen ist derzeit unzweifelhaft Simon Ammann. Anders als vor acht Jahren., als er sein Doppel-Gold als Nobody nicht fassen konnte und wie ein Irrwisch im Auslauf jubelte, genoss er diesmal seinen Triumph stiller, aber umso intensiver. Er sank auf die Knie und senkte andächtig den Kopf. „Ich wollte dieses Gefühl des Olympiasieges länger in mich aufnehmen“, sagte er und dachte im Moment seines größten Sieges an den tödlich verunglückten Rodler Nodar Kumaritaschwili: „Seit Freitag wissen wir, dass das Leben eines Sportler auch hart sein kann.“ Große Worte eines großen Sportlers

Thomas Lelgemann

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