Als Dortmund kopf stand
04.03.2009 | 16:56 Uhr 2009-03-04T16:56:00+0100
Dortmund stand kopf. Am Abend des 5. Mai 1966, nach Borussias 2:1-Verlängerungssieg gegen den FC Liverpool im Finale des Europacups der Pokalsieger in Glasgow. Und einen Tag später, als die „Helden” aus Schottland zurückkehrten. 300 000 Menschen bereiteten ihnen einen triumphalen Empfang.
„Stan” Libuda hatte sich endgültig in die Herzen der BVB-Fans geschossen. Ausgerechnet ein Schalker. Der Dribbelkünstler war - wie Siegfried „Sigi” Held (Kickers Offenbach) - nach dem DFB-Pokalsieg mit Trainer Willy „Fischken” Multhaup zur Borussia gekommen. Angeblich hatte ihm Spielausschuss-Vorsitzender Heinz Stork, ein Möbelfabrikant, den Wechsel von Schalke nach Dortmund mit einer schweren Eichengarnitur versüßt. Wie dem auch sei: Libuda kam beim BVB zunächst auf keinen grünen Zweig.
Die „Westfälische Rundschau” schrieb über ihn nach der 0:4-Niederlage im Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Braunschweig: „Libuda ging in die Kabine, ohne dass ein Schweißtröpfchen sein Trikot verunzierte.
Man konnte ihm nachfühlen, dass er die Lust verlor, weil er kaum einen Ball zugespielt bekam, ja geschnitten wurde.” Und „Stan” beschwerte sich bei seinen Schalker Freunden: „Der Wosab und seine Clique, die wollen mit mir nichts zu tun haben.”
Favorit FC Liverpool überraschend geschlagen
Doch spätestens an diesem 5. Mai hatten ihn alle lieb. Der BVB krönte eine fantastische Europacup-Saison - 5:1, 8:0 gegen La Valetta, 3:0, 2:4 gegen ZSKA Sofia, 1:1, 1:0 gegen Atletico Madrid, 2:1, 3:1 gegen West Ham United - mit dem großen Sieg über den frisch gebackenen englischen Meister und hohen Favoriten FC Liverpool. „Ich glaube nicht, dass wir jemals nach einem Spiel so fertig waren”, beschrieb Stopper Wolfgang Paul die Intensität eines dramatischen Kampfspiels.
1:0 für den BVB hieß es nach 61 Minuten. Lothar Emmerich hatte den Ball seinem „Zwilling” Sigi Held zugespielt, und gegen dessen Volleyschuss war kein Kraut gewachsen. Liverpool konterte: Thompson flankte in die Mitte, Hunt traf aus elf Metern genau in den Torwinkel. Verlängerung.
Was dann passierte, schilderte Alfred Heymann, der ehemalige Sportchef der Westfälischen Rundschau, in seinem Buch „Die Borussen kommen”: „Die Waage neigt sich zugunsten der Liverpooler. Glauben fast alle. Da setzt Aki Schmidt aus der Abwehr Sigi Held ein, der geht an einem Gegner vorbei, hat nur den Torwart vor sich, schießt ihn an. Von Lawrence prallt der Ball ins Feld zurück. Libuda nimmt ihn auf und tut das einzig Richtige. Er sieht, dass der Torwart weit vor seinem Kasten steht, lässt einen Bogenschuss los, den Freund und Feind mit gemischten Gefühlen verfolgen.
In der 107. Minute landet das Leder im Netz
Und in der 107. Minute landet das Leder im Netz, es wird hineinbugsiert von Stopper Yeats.” Borussia hatte als erster deutscher Verein einen Europapokal gewonnen - und „Stan” Libuda sich bei den BVB-Fans unsterblich gemacht.

21:24
„EHRE, WEM EHRE GEBÜHRT!
Borussia Dortmund war in den letzten Jahrzehnten einer der erfolgreichsten Vereine in Deutschland und speziell im Ruhrgebiet. Der Europapokal der Pokalsieger bedeutete damals den ersten Sieg einer deutschen Mannschaft im Europapokal überhaupt!
Vom BVB-Rekordtorschütze Alfred „Adi“ Preißler stammt der oft zitierte Ausspruch: „Grau is alle Theorie – entscheidend is aufm Platz!“.
Schaut man sich die entscheidenden sportlichen Fakten „auf dem Platz“ an, so ergibt sich die folgende Statistik:
BVB:
Weltpokalsieger: 1997
Sieger der Champions League: 1997
Sieger des Europapokals der Pokalsieger: 1966
6x Deutscher Meister: 1956, 1957, 1963, 1995, 1996, 2002
DFB-Pokalsieger (2x): 1965 , 1989
Supercupsieger: 1989, 1995, 1996
Borussia Dortmund hat Sportgeschichte geschrieben!!!
Gratulation!