Ärgerliches Ergebnis - Neuner wollte zu viel
18.02.2010 | 23:10 Uhr 2010-02-18T23:10:00+0100
Whistler.Magdalena Neuner atmete noch einmal kräftig durch, ehe sie zum ersten Schießen kam. Nach Silber im Sprint und Gold in der Verfolgung wollte sie zum nächsten olympischen Streich ansetzen. Aber gleich beim ersten Anschlag leistete sich die 23-Jährige eine Fahrkarte und ließ beim ersten Stehendschießen noch zwei Fehler folgen. Drei Strafminuten, das war auch für die starke Läuferin zu viel, um noch auf das Podest zu kommen. Platz zehn, das war nicht das, was sich die ehrgeizige Neuner vorgestellt hatte.
Und da auch Kati Wilhelm als Vierte, Andrea Henkel als Sechste und Martina Beck als 26. nicht ihre optimale Form abrufen konnten, blieben die erfolgsverwöhnten deutschen Biathletinnen erstmals in der olympischen Geschichte im Einzelrennen über 15 Kilometer ohne Medaille. Als Olympiasiegerin ließ sich Tora Berger von den Biathlon-Fans in Whistler feiern und gewann damit das 100. Gold bei Winterspielen für Norwegen.
„Magdalena hat zu viel gewollt, deshalb hat sie zu schnell geschossen“, sagte Bundestrainer Uwe Müssiggang, der zwar ein zufriedenstellendes Mannschaftsergebnis konstatierte, aber als Realist auch die Gesetze Olympias kennt: „Hier geht es vor allem um Gold, Silber und Bronze. Deswegen ist das Ergebnis ärgerlich.“
„Nicht ganz bei der Sache“
Auch Magdalena Neuner übte sich nicht in Schönfärberei und gab zu: „Ich war bei den ersten beiden Schieß-Durchgängen noch nicht ganz bei der Sache. Körperlich war ich okay, doch vom Kopf her war es nicht einfach für mich.“ Gerade mal 48 Stunden lagen zwischen ihrem Olympiasieg in der Verfolgung und dem so wegen der Strafminuten gefürchteten Einzel-Rennen. 48 Stunden, in denen die 23-Jährige vieles im Kopf zu verarbeiten hatte und doch wegen des unglaublichen Medieninteresses kaum zur Ruhe gekommen war. Der Hype um ihre Person kennt jetzt kaum noch Grenzen. Fernsehen, Radio, Zeitungen, alle wollten von Neuner wissen, wie sie sich mit Gold und Silber fühle, ob sie jetzt daran denke, wie sie die Erfolge vermarkten könne, und, und, und.
„Ans Geld habe ich noch keinen Gedanken verschwendet“, hatte sie gesagt, „ich bin Biathletin aus Leidenschaft.“ Magdalena Neuner beschwert sich auch gar nicht über das immense Interesse an ihrer Person. Ganz im Gegenteil. Klar, die beiden Tage vor dem Rennen seien ziemlich hart gewesen, erzählte sie nach ihrem zehnten Platz im Einzel. So viele Termine. Doch sie habe die Zeit auch genossen. „Es ist auch schön, wenn dich Leute aus der ganzen Welt über deinen Olympiasieg befragen. Das wollte ich alles mitnehmen. Nach einem Olympiasieg geht man nicht um zehn Uhr ins Bett.“
Bis zum nächsten Einsatz beim Massenstart am Sonntag wird sie sich zurückziehen, um die Akkus in Kopf und Körper wieder aufzuladen. „Am Sonntag werde ich bei der Sache sein“, sagte sie mit entschlossener Miene, „ich weiß, was ich kann.“
„Vierte bei Olympia muss man ja auch erstmal werden“
Das gilt auch für Kati Wilhelm. Und das seit über einem Jahrzehnt. In Whistler hätte die dreimalige Olympiasiegerin von 2002 und 2006 eine weitere Medaille in ihre beeindruckende Statistik einfügen können. Als Vierte verpasste sie nur knapp das Podest. Ein Fehler beim dritten Schießen kostete sie Silber. „Ich habe lange gewartet, und als der Schuss dann raus war, habe ich gedacht: Hättest du doch noch mal geatmet“, sagte Wilhelm: „Das sollte einem mit so viel Erfahrung eigentlich nicht mehr passieren, aber es ist halt passiert. Aber Vierte bei Olympia muss man ja auch erstmal werden.“
Am Sonntag will die Thüringerin einen erneuten Anlauf unternehmen, bei ihren letzten Winterspielen noch einmal bei der Siegerehrung eine der drei Hauptrollen zu spielen. Dann wird auch Magdalena Neuner erneut dabei sein. „Der Massenstart ist doch das Größte für uns Biathleten“, sagte sie. Die Bayerin ist schon heiß auf ihr nächstes olympisches Erlebnis.

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