500 Jahre alte Krypta abgerissen
12.06.2009 | 18:38 Uhr 2009-06-12T18:38:00+0200Die Wogen schlugen hoch: Als das heute von der Schließung bedrohte Karstadt-Gebäude an der Kölner Straße – damals noch als Neckermann-Kaufhaus – errichtet wurde, verschwand die fast 500 Jahre alte Krypta der einstigen St.-Johannis-Kirche auf Nimmerwiedersehen. Das Gewölbe wurde kurzerhand abgerissen
Vergeblich stritten Heimatfreunde für den Erhalt des 31,60 Meter langen, 10,60 Meter und rund drei Meter hohen Bauwerks, in dem einst Siegener Adlige wie das (1702 umgebettete) Ehepaar Graf Johann V., der Kreuzfahrer ( 1516), und Elisabeth Landgräfin von Hessen ( 1523), begraben wurden. Und während die Krypta noch Mitte der 60er Jahre als „ein Stück Siegener Geschichte” eingestuft wurde, ging der Rat in seiner Sitzung vom 21. Januar 1970 mehrheitlich darüber hinweg: Der Kommerz siegte über die Historie – mit dem Segen des Staatskonservators Prof. Bader. Er stellte seine Bedenken gegen den Abriss zurück, verhinderte aber letztendlich noch Schlimmeres: Ursprünglich war geplant, das Kaufhaus über die Flucht des Dicken Turms hinaus auf den Schlosshof auszudehnen.
Errichtet wurde die Krypta im Zuge des Baus der Franziskanerkirche St. Johannis zwischen 1487 und 1490. Während die Kirche 1695 dem großen Stadtbrand zum Opfer fiel, trotzte ihr „Unterbau” sogar dem schweren Bombenangriff vom 16. Dezember 1944 und blieb erhalten – bis Josef Neckermann kam. Zuletzt war der Raum von einem Siegener Getränkehändler als Weinkeller genutzt worden. Als die Abrissbagger anrollten, fanden die Bauarbeiter noch leere Fässer und Kisten, die die Firma hinterlassen hatte.
10 000 Protestunterschriften
Für die Mehrheit im Siegener Rat, unter ihr der Architekt und Oberbürgermeister Karl Althaus, war die Krypta nur „ein wertloses altes Gebäude”, dessen Sanierung angeblich eine Million Mark gekostet hätte. Auch 10 000 Protestunterschriften konnten die Abbruch-Entscheidung nicht mehr verhindern. In der Folge gründeten Heimatfreunde den „Verein zur Erhaltung der Altstadt Siegen” – ohne Hang zur Heimattümelei, wie es hieß, sondern aus der Überzeugung heraus, „daß moderner Städtebau in Harmonie mit vorhandenen Baudenkmälern betrieben werden muß”.
Heute wäre das mittlerweile über 500 Jahre alte Bauwerk, das letzte Stück der abgebrannten Johanniskirche, „hätte man es entsprechend aufbereitet, sicher zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt Siegen gehörte”, urteilte Matthias Weißner 2008 in einem Aufsatz für die Heimatzeitschrift „Siegerland”. Doch dazu kam es nicht: Die Trümmer der Krypta landeten im Sommer 1970 unwiederbringlich auf der Mülldeponie Fludersbach, wobei die Abbrucharbeiten nicht problemlos vonstatten gingen: Eine in den Nachkriegsjahren angefertigte Betonkonservierung leistete zunächst heftigen Widerstand.
Im „Siegerländer Heimatkalender 1972” erinnerte Gustav Siebel an die Krypta: „Nun fiel sie der Spitzhacke zum Opfer. Siegen ist damit um ein Kaufhaus reicher, aber um ein ehrwürdiges Denkmal ärmer geworden”.

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